Werbung




WAB fordert neuen Blick auf die Kosten der Energiewende

PB: WAB e.V.
Hinweis: Die Bildrechte zu den Beitragsfotos finden Sie am Ende des Artikels

60 Milliarden Euro für Öl und Gas: allein 2025

(WK-intern) – Wir zeigen was fossile Importabhängigkeit Deutschland kostet und welchen langfristigen Gegenwert Investitionen in erneuerbare Energien schaffen.

Deutschland gibt jedes Jahr Milliardenbeträge für den Import fossiler Energieträger aus.

Der WAB e.V. plädiert deshalb dafür, in der Debatte über die Kosten der Energiewende stärker zwischen wiederkehrenden Ausgaben für Energieimporte und langfristigen Investitionen in heimische Erzeugungskapazitäten zu unterscheiden. Der Ausbau von Wind- und Solarenergie sowie von Speichern und Netzen kann die Abhängigkeit von fossilen Importen verringern, Strompreise dämpfen und industrielle Wertschöpfung in Deutschland und Europa stärken.

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes gab Deutschland allein für Rohöl im Jahr 2025 rund 35,8 Milliarden Euro aus. Hinzu kamen rund 24,8 Milliarden Euro für gasförmiges Erdgas. Zusammen entspricht das mehr als 60,6 Milliarden Euro beziehungsweise rund 166 Millionen Euro pro Tag. LNG sowie importierte Mineralölprodukte sind dabei noch nicht enthalten. Auch im ersten Quartal 2026 lagen die Ausgaben mit rund 169 Millionen Euro pro Tag auf einem vergleichbaren Niveau.

Wie unmittelbar sich die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern auf Preise auswirkt, zeigt die aktuelle geopolitische Lage. Neben der Straße von Hormus steht auch die Schifffahrt durch das Rote Meer und die Meerenge Bab al-Mandab unter Druck. Angriffe auf Energieinfrastruktur wie zuletzt auf Teile der saudischen East-West-Pipeline verdeutlichen zusätzlich die Verwundbarkeit internationaler Lieferketten. Steigende Kraftstoffpreise haben in Deutschland bereits erneut staatliche Entlastungsmaßnahmen ausgelöst – vom Tankrabatt bis hin zur Diskussion über einen zeitweisen Preisdeckel. Allein die Tankrabatte im Mai und Juni sowie von Oktober bis Dezember 2026 summieren sich nach Angaben der Bundesregierung auf rund vier Milliarden Euro an Steuermindereinnahmen. Auch diese Kosten gehören aus Sicht der WAB in eine ehrliche Betrachtung fossiler Importabhängigkeit.

Auch bei der Inflation zeigt sich der Einfluss fossiler Energiepreise: Im August 2026 lag die Teuerungsrate in Deutschland bei 2,9 Prozent. Energie verteuerte sich gegenüber dem Vorjahresmonat um 10,5 Prozent, Kraftstoffe sogar um 27,7 Prozent. Dagegen wirkt der hohe Anteil heimischer erneuerbarer Energien stabilisierend auf den Strommarkt. Wind-, Solar- und Wasserkraftanlagen benötigen keine fossilen Brennstoffe und sind damit unabhängig von deren Preisschwankungen. Im ersten Halbjahr 2026 stammten bereits 61,8 Prozent der öffentlichen Nettostromerzeugung aus erneuerbaren Quellen. Fraunhofer ISE zufolge konnte sich der Strompreis im Frühjahr dadurch weitgehend von den gestiegenen Gaspreisen entkoppeln.

Wie groß die Dimension der laufenden Importausgaben im Vergleich zu Investitionen in heimische Energieerzeugung ist, zeigt der Offshore-Windpark Gennaker in der deutschen Ostsee. Skyborn Renewables hat im September den Financial Close für das Projekt erreicht. Gennaker mobilisiert mehr als drei Milliarden Euro Investitionen, wird eine Leistung von bis zu 976,5 Megawatt haben und soll jährlich rund vier Terawattstunden Strom erzeugen. Das Projekt hat keinen Anspruch auf EEG-Förderung, ein wesentlicher Teil der Stromvermarktung wird über langfristige Stromabnahmeverträge abgesichert.

Eine Investitionssumme von drei Milliarden Euro entspricht lediglich rund 18 Tagen der deutschen Ausgaben des Jahres 2025 für Rohöl und gasförmiges Erdgas. Der entscheidende Unterschied: Fossile Brennstoffe sind nach ihrer Nutzung verbraucht und müssen erneut importiert und bezahlt werden. Ein Windpark erzeugt dagegen über viele Jahre Strom und reduziert zugleich die Abhängigkeit von internationalen Brennstoffpreisen.

Auch der Offshore-Windpark He Dreiht zeigt, dass große Offshore-Projekte marktgetrieben realisiert werden können. Der EnBW-Windpark mit 960 Megawatt Leistung erhielt bereits 2017 einen Zuschlag ohne Anspruch auf staatliche Förderung und soll jährlich rund 3,6 Terawattstunden Strom erzeugen.

„Wir müssen Investitionen in erneuerbare Energien stärker als das betrachten, was sie sind: Investitionen in unsere eigene Energieversorgung. Fossile Energieimporte verursachen nicht nur dauerhaft hohe Ausgaben, sondern machen uns auch abhängig von Weltmarktpreisen und geopolitischen Krisen. Wenn Preissprünge anschließend mit milliardenschweren Entlastungsmaßnahmen abgefedert werden müssen, zeigt sich, dass diese Abhängigkeit zusätzliche volkswirtschaftliche Kosten verursacht. Wind- und Solarenergie können diese Risiken reduzieren, weil sie ohne importierte Brennstoffe auskommen und über viele Jahre heimischen Strom erzeugen“, sagt Markus Nölke, Geschäftsführer der WAB e.V.

Auch auf den Strommarkt wirkt sich der Ausbau erneuerbarer Energien aus. Eine Analyse von Aurora Energy Research im Auftrag von Agora Energiewende kommt zu dem Ergebnis, dass der durchschnittliche Börsenstrompreis im Jahr 2030 bei einem planmäßigen Ausbau von Wind- und Solarenergie um rund 20 Euro pro Megawattstunde niedriger liegen könnte als bei deutlich verlangsamtem Ausbau. Wind- und Solarenergie haben keine Brennstoffkosten und können Strom zu sehr niedrigen Grenzkosten bereitstellen.

Zugleich zeigen aktuelle Investitions- und Auftragsentscheidungen, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien industrielle Wertschöpfung und Beschäftigung sichert. EEW Special Pipe Constructions investiert einen zweistelligen Millionenbetrag in den Ausbau seines Rostocker Werks und wird dort 69 Monopile-Fundamente für den niederländischen Offshore-Windpark Zeevonk fertigen. Parallel wurde mit LanWin3 ein weiterer Großauftrag für Mecklenburg-Vorpommern vergeben: NEPTUN SMULDERS Offshore Renewables wird die 2-Gigawatt-Konverterplattform liefern. Zusammen mit LanWin6 liegt das Auftragsvolumen bei rund 2,5 Milliarden Euro, wobei ein großer Teil der Produktion und Dienstleistungen in Mecklenburg-Vorpommern erfolgen soll.

Für die WAB gehört deshalb zu einer ehrlichen Kostendebatte mehr als der Blick auf Investitionssummen einzelner Energieprojekte. Berücksichtigt werden müssen ebenso Brennstoff- und Importkosten, geopolitische Risiken sowie die wirtschaftlichen Effekte von Investitionen in Deutschland und Europa.

„Jede Kilowattstunde, die wir aus Wind und Sonne im eigenen Land erzeugen können, müssen wir nicht durch importierte fossile Energieträger ersetzen. Gleichzeitig brauchen wir Netze, Speicher und weitere Flexibilitäten, damit dieser Strom möglichst effizient genutzt werden kann. Es geht deshalb um ein leistungsfähiges Gesamtsystem. Klar ist aber auch: Ein kontinuierlicher Ausbau der erneuerbaren Energien ist eine Investition in mehr Unabhängigkeit, Versorgungssicherheit, industrielle Wertschöpfung und langfristig wettbewerbsfähige Energiepreise“, so Nölke.

PM: WAB e.V.

PB: WAB e.V.








Top