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20 Jahre Offshore-Windstrom: Vom technischen Wagnis zum Kraftwerk Europas 

PB: TenneT und Statnett: Gemeinsam auf Kurs für grenzüberschreitendes Offshore-Netz in der Nordsee / ©: TenneT
Hinweis: Die Bildrechte zu den Beitragsfotos finden Sie am Ende des Artikels

Am 2. Oktober 2006 gab der damalige Bundesumweltminister Sigmar Gabriel vor Borkum das politische und industrielle Startsignal für den Aufbau der deutschen Offshore-Windenergie.

  • Aus Pionierprojekten auf See ist eine Offshore-Infrastruktur im industriellen Maßstab entstanden  
  • TenneT Germany entwickelte die Übertragungsleistung von 400 Megawatt über heutige 900 Megawatt bis zum neuen 2-Gigawatt-Standard weiter  
  • Für die nächste Ausbauphase braucht es verlässliche Rahmenbedingungen, damit Windparks, Netzanbindungen und Lieferketten synchron geplant und umgesetzt werden können.

(WK-intern) – Was mit dem Testfeld alpha ventus, seinen zwölf Windenergieanlagen und 60 Megawatt Leistung begann, war ein technisches Wagnis: Für die Netzanbindung von Windparks weit draußen auf See gab es weder erprobte Lösungen noch etablierte Standards.

Die ersten Anlagen gingen 2009 in den Probebetrieb, offiziell in Betrieb genommen wurde alpha ventus im April 2010. Heute ist daraus eine Offshore-Infrastruktur im industriellen Maßstab entstanden – und die Nordsee auf dem Weg zum Kraftwerk Europas. 

„Vor 20 Jahren war Offshore-Wind ein technologisches Wagnis. Heute ist die Nordsee eine der wichtigsten Energiequellen Europas. Was mit zwölf Windrädern bei alpha ventus begann, hat sich zu einer kritischen Infrastruktur für Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Energieunabhängigkeit entwickelt. Der entscheidende Schritt war der Nachweis, dass wir große Mengen erneuerbarer Energie zuverlässig über hunderte Kilometer von See an Land transportieren können”, sagt Tim Meyerjürgens, CEO von TenneT Germany. „Aus dem ersten 400-Megawatt-Gleichstromsystem ist ein Industrialisierungsmodell geworden: von 400 über 900 bis heute 2.000 Megawatt Übertragungsleistung pro System. Damit haben wir die Grundlage geschaffen, Offshore-Wind vom Pilotprojekt zum Kraftwerk Europas zu entwickeln.“

Der frühere Bundeskanzler Olaf Scholz, bereits 2015 in seiner Funktion als Erster Bürgermeister Hamburgs beim G7-Gipfel auf der TenneT-Konverterplattform HelWin alpha vor Ort, ergänzt mit Blick auf die Bedeutung von Windenergie: „Offshore-Windparks sind die grünsten Kraftwerke der Welt. Wir brauchen sie mehr denn je, um den Klimawandel aufzuhalten und Europa unabhängiger zu machen. Diesen Weg müssen wir entschlossen weitergehen.“

Von 400 Megawatt zum 2-Gigawatt-Standard 

Die ersten Jahre waren von einer steilen Lernkurve geprägt. TenneT war hier innovativer Vorreiter in Europa, um der Offshore-Technologie den Weg zu bereiten. Hochspannungsgleichstromtechnik auf See, Plattformbau, Logistik und Kabelverlegung mussten ebenso neu entwickelt werden wie Genehmigungs- und Betriebsprozesse. Technische Rückschläge, enge Wetterfenster und ein kleiner Markt spezialisierter Anbieter begleiteten die ersten Projekte. Gemeinsam mit strategischen Partnern entwickelte TenneT daraus Verfahren und Standards, die den Offshore-Ausbau bis heute prägen. 

Den technologischen Durchbruch brachte BorWin1: Seit 2010 speist das 400-Megawatt-System Strom in das deutsche Übertragungsnetz ein und ist die weltweit allererste Netzanbindung, mit der TenneT einen Windpark in Gleichstromtechnik an das Stromnetz angebunden hat. Das rund 125 Kilometer lange Seekabel und die weiteren etwa 75 Kilometer Erdkabel zur landseitigen Konverterstation zeigten, dass sich große Strommengen effizient über weite Strecken von See an Land transportieren lassen. Es folgten Systeme mit 800 und 900 Megawatt und schließlich der heutige 2-Gigawatt-Standard. Aus dem technischen Wagnis der Anfangsjahre wurde eine skalierbare Infrastruktur im industriellen Maßstab. 

Mit jedem Sprung beim Offshore-Übertragungsstandard wird mehr als doppelt so viel Leistung wie beim jeweiligen Vorgänger erreicht. Standardisierte Lösungen und langfristige Rahmenverträge ermöglichen eine effizientere Projektserie und schaffen Planungssicherheit. Heute verfügen die 15 Offshore-Netzanbindungssysteme von TenneT Germany über rund zehn Gigawatt Übertragungskapazität. Bis 2034 soll TenneTs Offshore-Übertragungskapazität auf mehr als 26 Gigawatt steigen. Dafür realisiert TenneT Germany zwischen 2029 und 2033 sieben neue 2-Gigawatt-Systeme. Deutschland verfolgt zugleich das Ziel, die installierte Offshore-Windleistung bis 2045 auf mindestens 70 Gigawatt zu erhöhen. 

Strategische Energieinfrastruktur für Deutschland und Europa 

Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche erklärt: „Offshore-Windenergie leistet einen wichtigen Beitrag zu unserer Energieversorgung. Schon heute liefert sie sauberen Strom im industriellen Maßstab und schafft Wertschöpfung und Arbeitsplätze – vom Anlagenbau über Häfen und Netzanschlüsse bis zu Betrieb und Wartung. Mit der laufenden Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes schaffen wir eine verlässliche Ausbauperspektive von durchschnittlich drei Gigawatt pro Jahr und damit Planungssicherheit für Industrie, Standorte und Lieferketten.“ 

Mit der Industrialisierung des Offshore-Ausbaus beginnt nun die nächste Etappe: Die Nordsee soll zum Kraftwerk Europas werden und heimische erneuerbare Energie in großem Maßstab bereitstellen. Eine zentrale Lehre aus den vergangenen 20 Jahren lautet dabei: Windparks und Netzanbindungen müssen synchron geplant und umgesetzt werden. Dafür müssen Projekte, Produktionskapazitäten und Genehmigungen frühzeitig und verlässlich ineinandergreifen. 

Kein Fadenriss bei Projekten und Lieferketten 

Besonders dringlich ist Klarheit für bereits bezuschlagte Offshore-Windpark-Projekte ohne finale Investitionsentscheidung (FID) – insgesamt betrifft dies 16 Gigawatt, die unter starkem Druck stehen und deren Umsetzung aktuell teilweise öffentlich bezweifelt wird. Wir realisieren einen großen Teil der dazugehörigen Netzanbindungen und müssen deutlich früher investieren als die Windparkentwickler. TenneT muss Produktions- und Installationskapazitäten sichern, Verträge schließen und Netzanbindungen umsetzen – bis zu fünf Jahre vor der finalen Investitionsentscheidung der Windparkentwickler.

„20 Jahre Offshore-Windenergie haben gezeigt, was möglich ist, wenn Politik, Industrie und Netzbetreiber gemeinsam mutig vorangehen. Genau diese Entschlossenheit brauchen wir heute. Die nächste Phase des Offshore-Ausbaus wird nicht an Technologie scheitern, sondern an mangelnder Verlässlichkeit in der Umsetzung. Deutschland kann es sich nicht leisten, Netzanschlüsse zu bauen, ohne Klarheit über die Realisierung der zugehörigen Windparks zu haben”, sagt Tim Meyerjürgens. „Wer die Nordsee zum Kraftwerk Europas machen will, muss dafür sorgen, dass Flächenvergabe, Investitionsentscheidungen, Lieferketten und Netzausbau wieder konsequent aufeinander abgestimmt werden. Planungssicherheit ist jetzt der entscheidende Wettbewerbsfaktor.“

WindSeeG-Novelle muss die Projektrealisierung absichern 

Die mit der Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes geplanten zweiseitigen Differenzverträge sind ein wichtiger Schritt, um Investitionsrisiken künftiger Offshore-Windparks zu reduzieren. Offen bleibt jedoch, wie mit bereits bezuschlagten Projekten umgegangen wird, deren Umsetzung nicht gesichert ist. Entscheidend ist nicht allein, welche Flächen vergeben werden, sondern welche Windparks auf See tatsächlich gebaut und langfristig betrieben werden. 

Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, erklärt: „Hohe Volllaststunden und eine große Bedeutung für Versorgungssicherheit sowie industrielle Wertschöpfung: Die Offshore-Windenergie ist ein Riese unter den Erneuerbaren. Damit der Ausbau erfolgreich und mit hohem Tempo fortgesetzt werden kann, braucht es dringend Reformen. In deren Zentrum muss die Projektrealisierung, die Abkehr vom deutschen Sonderweg bei den Ausschreibungen und höhere Kosteneffizienz stehen.“ 

TenneT Germany regt deshalb an, im parlamentarischen Verfahren insbesondere folgende Punkte zu berücksichtigen: 

  • Projektrealisierung verbindlicher absichern: Für zukünftige und bereits bezuschlagte Offshore-Projekte braucht es überprüfbare Zwischenschritte. 18 Monate vor der finalen Investitionsentscheidung soll der Projektentwickler belastbar nachweisen, dass die Umsetzung konkret vorbereitet wird – etwa durch einen rechtsverbindlichen Vorvertrag oder eine Reservierungsvereinbarung für die Windenergieanlagen. 
  • Geordnete Rückgabe für zentral nicht voruntersuchte Flächen der Auktionsjahre 2023-2025 einmalig ermöglichen: Kann ein Projekt nicht realisiert werden, soll eine frühzeitige Rückgabe der Fläche angereizt werden. Diese kann anschließend schneller neu ausgeschrieben werden. Bereits erhobene Untersuchungen und Projektdaten müssen vollständig übergeben werden. 
  • Laufzeitverlängerung fair ausgestalten: Eine Verlängerung der Betriebsdauer auf 35 Jahre kann Offshore-Flächen und Netzinfrastruktur länger und effizienter nutzbar machen. Dafür braucht es eine Entschädigungs- und Refinanzierungslogik, die Windpark und Netzanbindung sachgerecht berücksichtigt.
  • Grenzüberschreitende Projekte verlässlich planen: Für Offshore-Flächen in europäischen Kooperationsprojekten braucht es einen verbindlichen Planungshorizont. Erzeugungskapazitäten, Netzinfrastruktur und nationale Ausbaupfade müssen frühzeitig aufeinander abgestimmt werden. 

Die vergangenen 20 Jahre zeigen, wie aus einem technischen Wagnis eine leistungsfähige Offshore-Infrastruktur im industriellen Maßstab entstanden ist. Die nächste Etappe erfordert erneut verlässliche politische Rahmenbedingungen, technologische Weiterentwicklung und eine enge Abstimmung von Windparks, Netzanbindungen und Lieferketten. So kann die Nordsee zum Kraftwerk Europas werden und dauerhaft zu Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Energieunabhängigkeit beitragen.

Über TenneT Germany

TenneT Germany ist der größte Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland. Das Unternehmen betreibt kritische Infrastruktur für den Zugang zu einer zuverlässigen und bezahlbaren Stromversorgung. TenneT Germany ist einer der größten Investoren in Stromnetze an Land und auf See in Deutschland. An der nordwesteuropäischen Energiedrehscheibe gelegen, verbindet TenneT Germany: Nord und Süd. Offshore und Onshore. Deutschland und Europa. Mit seinen über 5.000 Mitarbeitenden baut, betreibt und wartet das Unternehmen Deutschlands größtes Übertragungsnetz, das sich auf über 14.700 km erstreckt und mehr als ein Drittel der gesamten Offshore-Windkapazität der Europäischen Union anbindet. Dabei spielt die Anbindung der Nordsee als einer der weltweit größten erneuerbaren Energiequellen eine zentrale Rolle. Unser Wachstum wird durch eine sich schnell entwickelnde Stromnachfrage angetrieben, die eine flexible und wachsende Netzarchitektur erfordert. 

Lighting the way ahead together – tennet.eu

PM: TenneT TSO GmbH

PB: TenneT und Statnett: Gemeinsam auf Kurs für grenzüberschreitendes Offshore-Netz in der Nordsee / ©: TenneT








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