Werbung Akzeptanz von Windenergie: Politische Orientierung wichtiger als Stadt-Land-Unterschiede Erneuerbare & Ökologie Finanzierungen Forschungs-Mitteilungen Verbraucherberatung Windenergie Windparks Wirtschaft 5. Oktober 2026 Hinweis: Die Bildrechte zu den Beitragsfotos finden Sie am Ende des Artikels Die Einstellungen zum Ausbau der Windenergie unterscheiden sich deutlich nach politischer Orientierung. (WK-intern) – Ob Menschen in der Stadt oder auf dem Land leben, spielt hingegen nur eine geringe Rolle. Für die konkrete Planung sind vor allem Vertrauen, nachvollziehbare Informationen und als fair wahrgenommene Verfahren relevant, zeigt eine in der Fachzeitschrift Energy Policy veröffentlichte Studie. Warum stößt der Ausbau der Windenergie vor Ort teilweise auf Widerstand, obwohl erneuerbare Energien grundsätzlich breite Zustimmung finden? Jörg Radtke vom Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit am GFZ hat anhand einer repräsentativen Befragung von 6.284 Menschen in Nordrhein-Westfalen untersucht, welche gesellschaftlichen Merkmale mit der Akzeptanz von Windenergie zusammenhängen. Das zentrale Ergebnis: Die politische Orientierung steht wesentlich stärker mit der Haltung zur Windenergie in Zusammenhang als der Wohnort. Der häufig angenommene Stadt-Land-Gegensatz erweist sich in den statistischen Analysen als vergleichsweise schwach. Besonders deutlich wird dies bei der Zustimmung zum Ausbau der Windenergie im eigenen Landkreis. Befragte ohne AfD-Wahlabsicht erreichen auf einer Skala von eins bis fünf sowohl in ländlichen als auch in städtischen Gebieten Werte von rund 3,6. Bei Befragten mit AfD-Wahlabsicht liegen die Werte dagegen in beiden Raumtypen bei etwa 1,5. Die Unterschiede zwischen Stadt und Land innerhalb derselben politischen Gruppe sind gering. Auch wenn weitere soziale Merkmale berücksichtigt werden, weist die politische Orientierung mit Abstand den stärksten strukturellen Zusammenhang mit der lokalen Windenergieakzeptanz auf. „Unsere Ergebnisse sprechen gegen die Vorstellung, dass Konflikte um Windenergie vor allem durch einen Gegensatz zwischen Stadt und Land erklärt werden können“, sagt Jörg Radtke. „Entscheidender ist, mit welchen politischen Orientierungen, Vertrauensbeziehungen und Vorstellungen von fairen Verfahren Menschen auf konkrete Windenergieprojekte blicken.“ Vertrauen und faire Verfahren sind zentral Politische Unterschiede sind allerdings nicht die einzige relevante Ebene. Besonders eng mit der Unterstützung von Windenergie hängen das Vertrauen in unabhängige Wissenschaft, Planungsbehörden, Politik und Medien sowie andere öffentliche Institutionen sowie die Wahrnehmung fairer Verfahren und nachvollziehbarer Standortentscheidungen zusammen. Werden solche projektbezogenen Faktoren in die statistischen Modelle aufgenommen, lässt sich ein erheblich größerer Teil der Unterschiede in der lokalen Zustimmung erklären. „Ein faires Verfahren lässt sich nicht auf ein einzelnes Instrument reduzieren“, erläutert Radtke. „Wichtig sind nachvollziehbare Standortentscheidungen, frühzeitige Beteiligungsmöglichkeiten und transparent geregelte lokale Vorteile. Finanzielle Beteiligung kann ein Bestandteil sein, sollte aber in ein insgesamt glaubwürdiges Verfahren eingebettet sein.“ Dabei gibt es trotz unterschiedlicher politischer Einstellungen durchaus gemeinsame Informationsbedürfnisse. Befragte verschiedener Gruppen möchten vor dem Bau von Windenergieanlagen vor allem wissen, welche Geräuschbelastungen zu erwarten sind, wo Anlagen genau errichtet werden, welche Auswirkungen auf Natur und Umwelt entstehen und welche Schutzmaßnahmen vorgesehen sind. Deutlichere Unterschiede zeigen sich dagegen bei der Frage, wem Menschen vertrauen und wie Konflikte entschieden werden sollen. Befragte ohne AfD-Wahlabsicht nennen häufiger Wissenschaft und Umweltorganisationen als vertrauenswürdige Informationsquellen. Befragte mit AfD-Wahlabsicht weisen insgesamt ein geringeres Vertrauen in institutionelle Akteure auf und bevorzugen bei Konflikten häufiger verbindliche Verfahren wie Bürgerentscheide. Politische Akteure und Windenergieunternehmen werden insgesamt deutlich seltener als vertrauenswürdige Informationsquellen genannt. Keine einheitliche Beteiligungsstrategie für alle Aus den Ergebnissen ergeben sich konkrete Hinweise für die Planung von Windenergieprojekten. Statt Beteiligung und Kommunikation allein danach auszurichten, ob ein Projekt in einer Stadt oder auf dem Land entsteht, sollten unterschiedliche Vertrauenslagen und Beteiligungspräferenzen stärker berücksichtigt werden. Die Studie empfiehlt unter anderem transparente Standortkriterien, nachvollziehbare Regelungen zur lokalen Beteiligung an den Erträgen und Informationen durch glaubwürdige, möglichst unabhängige Akteure. Bei der Beteiligung sprechen die Ergebnisse für eine Kombination aus persönlichen Veranstaltungen und ergänzenden digitalen Angeboten. Präsenzformate werden über die untersuchten Gruppen hinweg geschätzt, während die Offenheit gegenüber digitalen und visualisierungsbasierten Angeboten stärker variiert. „Akzeptanzfragen sollten nicht erst behandelt werden, wenn ein Konflikt bereits entstanden ist“, sagt Radtke. „Transparente Regeln, glaubwürdige Informationen und faire Beteiligungsmöglichkeiten gehören zu den Voraussetzungen dafür, dass der notwendige Ausbau der Windenergie gesellschaftlich tragfähig umgesetzt werden kann.“ Die Studie unterstreicht damit, dass die Beschleunigung des Windenergieausbaus nicht allein eine technische und administrative Aufgabe ist. Auch die Qualität lokaler Governance, die Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen und der Umgang mit Verteilungs- und Verfahrensfragen gehören zu den gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen neue Energieinfrastrukturen umgesetzt werden. PM: Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit Helmholtz-Zentrum Potsdam Für die konkrete Planung sind vor allem Vertrauen, nachvollziehbare Informationen und als fair wahrgenommene Verfahren relevant, zeigt eine in der Fachzeitschrift Energy Policy veröffentlichte Studie / Foto: HB Weitere Beiträge:Rechtsgutachten: Staat muss Energiewirtschaftsgesetz reformieren und Abzockbremse einführenÖsterreichs Zukunft der Energieversorgung ist ein breiter EnergiemixStabilität eines sehr leistungsfähigen und günstigen Ausgangsmaterials für Solarzellen