Werbung Neue Studie fordert Stärkung europäischer Innovationscluster Forschungs-Mitteilungen Verbraucherberatung 23. Oktober 2026 Hinweis: Die Bildrechte zu den Beitragsfotos finden Sie am Ende des Artikels Europas Wettbewerbsfähigkeit (WK-intern) – Der Investitionsgipfel der Bundesregierung diese Woche hat es deutlich gemacht. Deutschland, ganz Europa, gerät als Innovationsstandort im internationalen Wettbewerb zunehmend unter Druck. Eine neue Studie des Fraunhofer ISI im Auftrag des European Round Table for Industry (ERT) zeigt, welche Rolle leistungsfähige Innovationscluster für Europas künftige Wettbewerbsfähigkeit spielen können. Zwar verfügt Europa weiterhin über starke Forschungsstandorte und industrielle Innovationscluster, bei Investitionen in neue Technologiefelder droht der Kontinent aber hinter den USA und China zurückzufallen. Die Studie empfiehlt deshalb, vorhandene Stärken gezielter zu bündeln und international wettbewerbsfähige Innovationscluster in Europa zu stärken. Europas Innovations- und Industriestandort steht unter erheblichem Wettbewerbsdruck. Fragmentierte Märkte, fehlendes Wachstumskapital, komplexe Regulierung, hohe Energiekosten und verwundbare Lieferketten erschweren Investitionen und die erfolgreiche Kommerzialisierung von Forschung. Gleichzeitig bieten insbesondere die USA und China mit großen integrierten Märkten und attraktiven Rahmenbedingungen starke Anreize für Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen. Europäische Forschung ist stark verankert Ein zentrales Ergebnis der Studie: Gewachsene europäische Innovationsstandorte verfügen weiterhin über erhebliche Stärken. Diese Erkenntnis basiert unter anderem auf Interviews mit leitenden Innovationsexpert:innen aus Unternehmen. Langjährige Investitionen in Forschungs- und Produktionsstandorte, spezialisierte Fachkräfte und enge Kooperationen zwischen Unternehmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen sorgen dafür, dass bestehende Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (FuE) häufig stark an ihren Standorten verankert sind. Diese Stärke sollte jedoch nicht zu falscher Sicherheit führen. Besonders bei Investitionen in neue Technologiefelder konkurriert Europa inzwischen mit Innovationsclustern außerhalb Europas. Große Absatzmärkte in den USA und China, schnellere regulatorische Prozesse, wachsende wissenschaftliche Exzellenz in Asien oder umfangreiche öffentliche Investitionen erzeugen Anreize, zusätzliche FuE-Aktivitäten außerhalb Europas aufzubauen. Das betrifft vor allem dynamische Technologiefelder wie Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, Biotechnologie und Halbleiter. PD Dr. Henning Kroll, einer der Autoren der Studie am Fraunhofer ISI, erläutert: »Europa hat eine hervorragende Wissenschaftslandschaft, starke Unternehmen und leistungsfähige Innovationsregionen. Das allein garantiert aber noch nicht, dass auch die nächste Generation von Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen hier stattfindet.« Sein Ko-Autor Dr. Thomas Stahlecker ergänzt: »Gerade bei neuen Technologien entscheidet sich jetzt, wo langfristig Kompetenzen, Wertschöpfung und technologische Führungspositionen entstehen. Europa muss Bedingungen schaffen, unter denen Unternehmen nicht nur bestehende Forschungsstandorte erhalten, sondern neue Investitionen gezielt hier tätigen.« Europas Innovationspolitik muss Kräfte stärker bündeln In der Studie schlagen die Autoren PD Dr. Henning Kroll, Dr. Max Mittenzwei, Dr. Thomas Stahlecker und Prof. Dr. Jakob Edler deshalb vor, Ressourcen stärker auf eine begrenzte Zahl international wettbewerbsfähiger europäischer Flagship Innovation Clusters zu konzentrieren. Diese sollen Akteure aus Industrie, Wissenschaft, Start-up-Szene, Investor:innen und öffentliche Hand zusammenbringen, um gemeinsam neue Technologien erfolgreich zu entwickeln und in den Markt zu bringen. Als Auswahlkriterien nennt die Studie unter anderem technologische Stärken, bestehende Forschungsinfrastrukturen und die Investitionsbereitschaft der Privatwirtschaft. Ein inklusiver Ansatz soll dabei industrielle Stärken in ganz Europa berücksichtigen und die Fortschritte der Innovationscluster transparent messen. Vier Handlungsfelder für den Innovationsstandort Europa Zur Umsetzung dieser europäischen Spitzencluster beschreibt die Studie vier zentrale Handlungsfelder für Politik und Wirtschaft. Zum einen müsse Europa seine Innovationsaktivitäten stärker bündeln und leistungsfähige Innovationscluster gezielt fördern. Dazu empfiehlen sie, erfolgreiche Public-Private-Partnership-Modelle wie das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) in europäische Innovationscluster zu integrieren. Zum anderen sollten regulatorische und rechtliche Hürden abgebaut werden. »Öffentliche Beschaffung sollte stärker als Instrument zur Förderung von Innovationen eingesetzt werden«, so Ko-Autor Dr. Max Mittenzwei. Ebenso seien wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für geistiges Eigentum entscheidend. Darüber hinaus plädiert das Projektteam dafür, eine europäische »fünfte Freiheit« zu etablieren, die den freien Verkehr von Wissen, Forschung und Innovationen ermöglicht. Dringenden Handlungsbedarf sieht die Studie auch bei der Finanzierung innovativer Unternehmen. Vor allem in der Wachstumsphase fehlen vielen europäischen Start-ups ausreichend Finanzierungsmöglichkeiten. »Europa sollte zusätzliche öffentliche und private Kapitalquellen mobilisieren und die Finanzierung von Wachstumsunternehmen grenzüberschreitend besser koordinieren«, erklärt Dr. Mittenzwei. Außerdem sei eine europäische Nachfragestrategie erforderlich, um neuen Technologien frühzeitig einen Markt zu eröffnen. Eine weitere Empfehlung der Studie besteht darin, die Mobilität internationaler Spitzenkräfte zu erleichtern – zum Beispiel durch ein europäisches Talentvisum für Forschende und Gründer:innen. Auch Sozial- und Rentenansprüche sollen besser übertragbar werden, etwa durch die Einführung eines digitalen europäischen Sozialversicherungskontos und vereinfachte Regelungen für kurzfristige internationale Arbeitseinsätze. Prof. Dr. Jakob Edler, Institutsleiter des Fraunhofer ISI, resümiert die Ergebnisse der Studie: »Europa muss nicht alles fördern. Entscheidend ist, vorhandene wissenschaftliche und industrielle Stärken so zu bündeln und miteinander zu vernetzen, dass international sichtbare Innovationsstandorte mit kritischer Masse entstehen. Dafür braucht es nicht nur Forschungsförderung, sondern ein Zusammenspiel aus attraktiven Märkten, Kapital, Talenten, Infrastruktur und verlässlichen regulatorischen Rahmenbedingungen.« Dann könne dadurch ein sogenannter »Halo-Effekt« entstehen: Sichtbarkeit, Reputation und Erfolg ziehen weitere Talente, Investitionen und innovative Unternehmen an und stärken so die internationale Strahlkraft des Innovationsstandorts Europa. Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der fundierten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz. Weitere Informationen zur Studie: »Europe Can’t Wait: Building Flagship Innovation Clusters to Restore Competitiveness« zum European Round Table for Industry weitere Studie zum Thema: »Beyond Competitiveness. Futures of EU’s competitiveness and sustainability and the importance of bioeconomy, industrial transformation, and critical raw materials« (publica-rest.fraunhofer.de) PM: Fraunhofer-ISI PB: Europe Can’t Wait: Building Flagship Innovation Clusters to Restore Competitiveness / ©: ERT Weitere Beiträge:Das EEB definiert 7 Maßnahmen zur Wettbewerbsfähigkeit europäischer EnergiekostenWegen der extremen Hitze in Deutschland und der Welt muss die Klimaglaubensfinanzierung massiv geste...Beeinträchtigt Infraschall von Windanlagen die Gesundheit?