Werbung Neuer Ariadne-Report empfiehlt einen Mix aus klimapolitischen Leitkonzepten Erneuerbare & Ökologie Forschungs-Mitteilungen 19. Februar 2026 Hinweis: Die Bildrechte zu den Beitragsfotos finden Sie am Ende des Artikels Beim Umstieg auf fossilfreie Technologien, etwa hin zu Wärmepumpen oder Elektroautos, geben Regierungen verschiedene Transformationsanreize. (WK-intern) – Sie verteuern fossile Brennstoffe, sie erleichtern den Umstieg durch Fördermittel oder sie setzen Regeln durch Standards, Gebote und Verbote. Eine Studie des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderten Kopernikus-Projekts Ariadne analysiert die jeweiligen Folgen für Effizienz, Verteilungsgerechtigkeit sowie Akzeptanz und gibt Empfehlungen für eine effektive und gesellschaftlich akzeptierte Energiewende. Der Report von Forschenden des Potsdam-Institutes für Klimafolgenforschung und dem ifo-Institut behandelt drei zentrale klimapolitische Leitkonzepte, die auf Emissionsreduktion als übergeordnetes Ziel ausgerichtet sind. Sie lauten: 1. Wer verschmutzt, muss bezahlen (CO2-Steuer), 2. Der Staat erleichtert den Menschen die Transformation (Förderprogramme), 3. Veränderung gelingt nur durch Regulierung (Ordnungsrecht). „Unsere Forschungsarbeit liefert einen strukturierten Vergleich dieser drei Paradigmen und analysiert sie im Hinblick auf die Kriterien Kosteneffizienz, Verteilungseffekte und Akzeptanz. Daraus lassen sich klare Handlungsempfehlungen für einen zukünftigen Politik-Mix ableiten“, erklärt Maximilian Kellner vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Leitautor der neuen Ariadne-Studie. Die Forschenden analysieren die genannten Kriterien unter der Annahme, dass die Klimaziele vorrangig oder ausschließlich über die Instrumente eines einzelnen Leitkonzepts erreicht werden. Dabei zeigen sich für jedes Instrument sowohl Vor- und Nachteile, die am Beispiel des Heizungsaustauschs deutlich werden. Die CO2-Steuer ermöglicht es beispielsweise, Emissionen mit den gesamtgesellschaftlich niedrigsten Kosten zu senken. Das bedeutet aber nicht gleichzeitig, dass alle Haushalte entlastet werden. Denn diejenigen, bei denen sich ein Heizungstausch erst in ferner Zukunft rechnet, kann der CO2-Steuer enorm belasten. Fördermittel setzen dagegen direkt an der Investitionsentscheidung an und werden von vielen Menschen zudem positiv bewertet. Durch ihren technologiespezifischen Fokus werden jedoch nicht alle CO2-Einsparmöglichkeiten gleichermaßen berücksichtigt. So wird zum Beispiel der Umstieg auf die Wärmepumpe gefördert, verändertes Nutzungsverhalten, wie „intelligentes“ Lüften oder eine angepasste Raumtemperatur, dagegen nicht. Staatliche Gebote und Verbote werden oft als fair wahrgenommen, weil sie für alle gleichermaßen gelten. Andererseits sind sie häufig starr und bieten zu wenig Flexibilität, die im Einzelfall kostengünstigste Option umzusetzen. Effizienz alleine reicht nicht, erst Akzeptanz führt zum Erfolg Der Vergleich zeigt, dass ein Leitkonzept allein Effizienz, gesellschaftliche Akzeptanz und Verteilungsgerechtigkeit nicht gewährleisten kann. „Unterschiedliche Einkommen bei Haushalten sorgen nachvollziehbarer Weise für verschieden starke Belastungen. Aber selbst Haushalte mit gleichem Einkommen können unterschiedlich stark belastet sein. Denn nicht alle Gebäude haben beispielsweise ähnlich gute Voraussetzungen für einen klimaneutralen Umbau“, erklärt Andreas Peichl vom ifo-Institut, Mit-Autor der Studie. Ungleiche Gebäudestrukturen sind laut Forschenden schwerer identifizierbar und könnten nur durch spezifisch abgestimmte Maßnahmen wie ein Gebäudeklimageld exakt ausgeglichen werden. Ist dieses technisch oder administrativ nicht umsetzbar, kann eine Kombination aus CO2-Preis, Rückerstattung und Förderprogrammen lohnenswert sein. Durch Fördermittel können die individuellen Belastungen, die beim Heizungswechsel entstehen, weitestgehend ausgeglichen werden. Auch wenn damit nicht der effizienteste Weg gewählt wird, zahlt diese Kombination an Instrumenten auf den gesamtwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen ein. Die Ariadne-Forschenden empfehlen, die Instrumente der drei klimapolitischen Leitkonzepte möglichst genau aufeinander abzustimmen. Dabei könnten neue Ideen, wie eine Investitionsabgabe in Betracht gezogen werden. Sie bildet eine Art vorgelagerten CO2-Steuer-Preis abhängig von den zu erwartenden Lebenszeitemissionen einer fossilen Technologie. Beim Neukauf wird dieser Betrag einmalig auf den Grundpreis aufgeschlagen, anstatt jährlich anteilig auf der Energieabrechnung aufzutauchen. Das könnte laut Forschenden eine starke Lenkungswirkung bei Investitionsentscheidungen schaffen und Planungssicherheit geben, weil die Unsicherheit über zukünftige CO2-Steuer-Preise dann eine geringere Rolle spielt. Zudem werden Menschen mit einer vorhandenen fossilen Heizung nicht unmittelbar belastet. Der Report zeigt, dass eine Kombination aus CO2-Steuer-Preis, Investitionsabgabe und Förderprogrammen nicht nur dafür sorgt, dass die Emissionen sinken, sondern auch, dass Verteilungseffekte berücksichtigt werden. Einzelne Haushalte werden finanziell nicht übermäßig belastet, was der Akzeptanz der Maßnahmen zugute kommt. Denn nur akzeptierte Klimapolitik ist erfolgreiche Klimapolitik. Maximilian Kellner, Andreas Peichl, Karolina Rütten, Katja Treichel-Grass, Matthias Kalkuhl (2026): Zwischen Kosteneffizienz und Verteilungskonflikten: Leitkonzepte für zielkonforme und gesellschaftlich tragfähige Klimapolitik. Kopernikus-Projekt Ariadne, Potsdam. Weblink zum Report: https://ariadneprojekt.de/publikation/report-leitkonzepte-fur-zielkonforme-und-gesellschaftlich-tragfahige-klimapolitik/ Institute der beteiligten Autorinnen und Autoren: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, ifo-Institut Wer ist Ariadne? Im Konsortium von 26 wissenschaftlichen Partnern führt das Kopernikus-Projekt Ariadne durch einen gemeinsamen Lernprozess mit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, erforscht Optionen zur Energiewende und stellt politischen Entscheidern wichtiges Orientierungswissen bereit. Wir sind Ariadne: adelphi | Brandenburgische Technische Universität Cottbus – Senftenberg (BTU) | Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) | Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) | Ecologic Institute | Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit – Helmholtz-Zentrum Potsdam (RIFS) | Fraunhofer Cluster of Excellence Integrated Energy Systems (CINES) | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg | Hertie School | ifo Institut | Institut der deutschen Wirtschaft Köln | Julius-Maximilians-Universität Würzburg | Öko-Institut | Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung | Stiftung Umweltenergierecht | Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) | Technische Universität Berlin | Technische Universität Darmstadt | Technische Universität München | Universität Duisburg-Essen | Universität Greifswald | Universität Hamburg | Universität Potsdam | Universität Stuttgart – Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) | ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung PM: PIK Bild: Wer ist Ariadne? In der griechischen Mythologie gelang dem legendären Helden Theseus durch den Faden der Ariadne die sichere Navigation durch das Labyrinth des Minotaurus. Dies ist die Leitidee für das Energiewende-Projekt Ariadne, in dem ein Konsortium von 26 Partnern durch exzellente Forschung in einem gemeinsamen Lernprozess mit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Überblick und Orientierung bereitstellt für die Gestaltung der Energiewende. / Grafik: HB Weitere Beiträge:Überproduktionen aus Windkraft- und Photovoltaikanlagen lassen sich in Chemikalien speichernBundesgerichtshof billigt Baukostenzuschuss für BatteriespeicherErsatz für Elektromobilität? oder eine Ergänzung? die neuen Ottokraftstoff mit 20 Prozent weniger CO...