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DIW Berlin: Energiepreisschock bremst deutsche Wirtschaft

PB: Energiepreisschock bremst deutsche Wirtschaft / c: DIW
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Weltwirtschaft auf moderatem Wachstumskurs

(WK-intern) – DIW Berlin halbiert Wachstumsprognose für dieses Jahr auf 0,5 Prozent – 2027 Plus von 0,8 Prozent erwartet – Steigende Energiepreise nach Ausbruch des Iran-Kriegs Ende Februar wirken als Bremse – Expansive Finanzpolitik trägt Wachstum – Zielgenaue Entlastungen für niedrige Einkommen statt Tankrabatt nötig

Nach einem leicht hoffnungsvollen Jahresauftakt ist die deutsche Wirtschaft wieder aus dem Tritt geraten.

Der durch den Iran-Krieg ausgelöste Energiepreisschock hat die beginnende Erholung ausgebremst, bevor sie sich festigen konnte. Gestiegene Öl- und Gaspreise treiben die Verbraucherpreise, schmälern die Kaufkraft der privaten Haushalte und verstärken die Unsicherheit. Die deutsche Wirtschaft dürfte sowohl im zweiten als auch im dritten Quartal leicht schrumpfen und damit in eine technische Rezession rutschen, bevor sie sich zum Jahresende voraussichtlich stabilisiert. Zu Jahresbeginn gab es noch einen leichten Hoffnungsschimmer, da die Wirtschaft leicht expandierte.
DIW Berlin

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) senkt in seiner Sommer-Konjunkturprognose die Wachstumserwartung deutlich: auf 0,5 Prozent für dieses und 0,8 Prozent für das kommende Jahr, jeweils rund einen halben Prozentpunkt weniger als im Frühjahr. Die Inflation dürfte mit 2,9 Prozent in diesem und 3,0 Prozent im kommenden Jahr deutlich über dem Stabilitätsziel der Europäischen Zentralbank liegen. Die Arbeitslosenquote wird 2026 auf voraussichtlich 6,4 Prozent steigen, bevor sie 2027 wieder leicht auf 6,2 Prozent sinkt.

Energiepreisschock mit weniger Wucht als 2022/23

„Der Energiepreisschock bremst die Erholung spürbar – aber wir erleben kein zweites 2022/23: Der Schock ist kleiner, die Energieversorgung ist noch gesichert, und Deutschland ist heute weniger abhängig von fossilen Importen als nach Beginn des Ukraine-Kriegs“, sagt DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik. „Dass die Wirtschaft in diesem Jahr überhaupt noch wächst, ist allein der öffentlichen Hand zu verdanken.“ Wie groß die Risiken sind, zeigt eine aktualisierte Szenarioanalyse des DIW Berlin: In einem marktbasiert abgeleiteten Negativszenario läge das Wachstum in diesem Jahr um rund 1,5 Prozentpunkte niedriger als beim Potenzialwachstum. Das entspräche einem Schrumpfen der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr um etwas weniger als ein halbes Prozent. Die Inflation läge auf ähnlichem Niveau wie in der Energiepreiskrise 2023.

Steigende Verteidigungsausgaben und – zeitlich verzögert – Mittel aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität geben der deutschen Wirtschaft Halt und sorgen in beiden Prognosejahren für leichtes Wachstum. Der private Konsum kommt dagegen nur langsam wieder in Schwung. Die exportorientierte Industrie erholt sich angesichts struktureller Schwächen und außenwirtschaftlicher Unsicherheit insgesamt nur zögerlich, nachdem der Außenhandel zum Jahresauftakt noch unerwartet stark war.

„Die finanzpolitischen Impulse fangen den konjunkturellen Rückschlag aber nicht vollständig auf“, ergänzt Dany-Knedlik. „Entscheidend ist, dass die Mittel aus den Sonderschuldenvermögen zügig und tatsächlich zusätzlich abfließen und nicht nur ohnehin bereits geplante Investitionen finanzieren. Sonst fällt der Impuls schwächer aus als erhofft.“ Diese fiskalische Expansion hat allerdings ihren Preis: Das gesamtstaatliche Defizit weitet sich auf 3,9 Prozent in diesem und 4,3 Prozent im kommenden Jahr aus.

Neben dem Energiepreisschock wirken weiter strukturelle Probleme auf die deutsche Wirtschaft. Dazu zählen insbesondere die nachlassende Wettbewerbsfähigkeit der Industrie, hohe Produktionskosten sowie der demografische Wandel. Diese Faktoren begrenzen das Wachstumspotenzial und erschweren eine schnelle konjunkturelle Erholung, unabhängig von der aktuellen geopolitischen Lage.

DIW-Präsident Fratzscher: „Verlängerung des Tankrabatts wäre ein Fehler“

Die DIW-Prognose beruht auch auf der Annahme, dass Bundesregierung, Länder und Kommunen in diesem Jahr deutlich mehr Mittel aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität ausgeben und somit einen wichtigen Impuls für die Privatwirtschaft setzen. „Es ist jedoch durchaus wahrscheinlich, dass die Pläne für öffentliche Investitionen hinter den Erwartungen zurückbleiben und die deutsche Wirtschaft somit nicht so stark unterstützen wie prognostiziert“, befürchtet DIW-Präsident Marcel Fratzscher.

Die Bundesregierung solle dringend zielgenaue Maßnahmen umsetzen, um Menschen mit geringen Einkommen zu entlasten und das Armutsrisiko zu reduzieren. „Eine Energiekostenpauschale – ähnlich wie 2022 – ist dafür das richtige Instrument“, so Fratzscher. Der Tankrabatt dagegen sei teuer, nicht zielgenau und unterstütze auch die Mineralölkonzerne. „Die Bundesregierung sollte diesen Fehler nicht ein zweites Mal wiederholen und den Tankrabatt daher nicht über den 30. Juni hinaus verlängern.“

Einen Lichtblick sähe Fratzscher, wenn die Bundesregierung ernst macht mit ihrem versprochenen großen Reformpaket. „Eine mutige Reform könne das Vertrauen der Bürger*innen und Unternehmen in die Handlungsfähigkeit der deutschen Politik stärken und einen wichtigen Impuls für zusätzliche private Investitionen und Konsumausgaben setzen.“

Iran-Krieg dämpft Weltwirtschaft – Wachstum bleibt moderat

Die Weltwirtschaft startete robust ins Jahr, getragen von solider Binnenkonjunktur, fiskalischen Impulsen und hohen Investitionen in Künstliche Intelligenz. Mit dem Ausbruch des Iran-Kriegs hat sich das Bild auch weltweit eingetrübt: Der Energiepreisschock facht die Inflation wieder an. Dies schmälert die Kaufkraft der privaten Haushalte und dämpft den Konsum. Gleichwohl dürfte die Weltwirtschaft weiter moderat wachsen. Unter der Annahme allmählich nachlassender Energiepreise wird ein globales Wachstum von 3,1 Prozent im Jahr 2026 und 3,3 Prozent im Jahr 2027 erwartet – für das laufende Jahr sind das 0,2 Prozentpunkte weniger als in der Frühjahrsprognose.

Während die USA als großer Energieproduzent weiter vergleichsweise solide Wachstumsraten von gut zwei Prozent erreichen, fällt die Entwicklung im Euroraum deutlich schwächer aus: Die hohe Abhängigkeit von Energieimporten und die damit verbundenen Preisschocks belasten Kaufkraft und Wirtschaft, sodass sich die Wachstumsprognose hier auf 0,3 Prozent für dieses Jahr abschwächt. China dürfte sich hingegen trotz struktureller Belastungen, insbesondere im Immobiliensektor, mit moderatem Tempo weiterentwickeln und vor allem von Exporten sowie Investitionen in Zukunftstechnologien gestützt werden. Obwohl eine leicht expansive Finanzpolitik und der anhaltende KI‑Boom global für positive Impulse sorgen, überwiegen die Abwärtsrisiken. Dazu zählen insbesondere eine mögliche weitere Eskalation des Iran-Kriegs mit anhaltend hohen Energie- und Lebensmittelpreisen, eine stärkere geldpolitische Straffung infolge steigender Inflationserwartungen sowie potenzielle Belastungen der Arbeitsmärkte durch den strukturellen Wandel infolge Künstlicher Intelligenz.

PM: DIW Berlin

PB: Energiepreisschock bremst deutsche Wirtschaft / ©: DIW








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