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Reallabor zur Herstellung nachhaltiger Treibstoffe aus forstlicher Biomasse an der TU Wien

PB: Laboranlage zur Herstellung von SNG / ©: TU Wien
Hinweis: Die Bildrechte zu den Beitragsfotos finden Sie am Ende des Artikels

Die TU Wien übernahm im Herbst 2026 die Konsortialführung des Projekts Advanced Bioenergy Lab Austria – Phase 1, in dem ein Reallabor zur Herstellung nachhaltiger Treibstoffe aus forstlicher Biomasse und biogenen Rohstoffen aufgebaut werden soll.

(WK-intern) – Mit dem Reallabor, das gemeinsam von Österreichs führenden Forschungseinrichtungen im Bereich der Advances Biofuels – auf Deutsch „fortgeschrittene Biokraftstoffe“ – umgesetzt wird, wird eine hochwertige und weltweit einzigartige Forschungsinfrastruktur für nachhaltige Energieträger wie Fischer-Tropsch Diesel (FT-Diesel) und Synthetic Natural Gas (SNG) geschaffen.

Das Advanced Bioenergy Lab Austria ist weltweit die erste Anlage dieses Typs zur Erzeugung grüner Energieträger, die sowohl SNG-Produktion als auch FT-Diesel-Produktion beinhaltet. Das Vorhaben wird mit 28 Millionen Euro gefördert.

Land- und Forstwirtschaft kann Vorreiter bei Klimaschutz sein
Der Ausgangspunkt für das Projekt war die Überlegung, den Klimaschutz in der Land- und Forstwirtschaft voranzutreiben. Dort anfallende Reststoffe sollen in einem Kreislauf dazu genutzt werden, um fossilfreie und umweltschonende Kraftstoffe herzustellen und wiederum für land- und forstwirtschaftlichen Betriebe bereitzustellen. Eine vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) beauftragte und von der TU Wien durchgeführte Machbarkeitsstudie kam zu dem Schluss, dass eine solche Produktion von grünen Energieträgern aus forstlicher Biomasse maßgeblich dazu beitragen kann, die von Österreich verfolgten Klimaziele zu erreichen. Das Reallabor dient insbesondere dazu, die technische Machbarkeit zu demonstrieren, die fossilen Treibstoffe in der Land- und Forstwirtschaft zu 100 % zu ersetzen. Weiters soll die Markteinführung von Technologien zur thermo-chemischen Nutzung von holzartiger Biomasse und biogenen Reststoffen für die Erzeugung von grünen Gasen und Biotreibstoffen wesentlich beschleunigt werden. Darüber hinaus stellt das Projekt auch eine große Chance für die Bereitstellung von klimaneutralem Erdgas für die energieintensive Industrie in Österreich dar.

Ein wesentlicher Vorteil der ausgewählten Kraftstoffe ist, dass sie als „Drop-in Fuels“ ohne weitere Adaptierung von Verteilernetzen oder Fuhrparks eingesetzt werden können. Zudem können sie alle Anforderungen der Erneuerbaren Energierichtlinie erfüllen und sparen im Vergleich zu fossilen Produkten bis zu 90 % der Treibhausgasemissionen.

Forschungsstandort mit Advanced Biofuels stärken
Die Gaserzeugungstechnologie, welche im Projekt „Advances Bioenergy Lab Austria – Phase 1“ (ABL1) angewandt wird, wurde am Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und Technische Biowissenschaften der TU Wien, das nun mit Stefan Müller im September 2026 die Konsortialführung übernahm, maßgeblich entwickelt. Sie bildet die Grundlage für die Herstellung von synthetischem Erdgas und flüssigen Kraftstoffen. Mit einem Zweibett-Wirbelschichtgaserzeuger wird aus holzartiger Biomasse beziehungsweise Reststoffen aus Land- und Forstwirtschaft ein Syngas erzeugt, das gereinigt und dann in zwei unterschiedlichen Prozessketten entweder zu Fischer-Tropsch Diesel (Holzdiesel) oder zu synthetischem Erdgas (SNG / Holzgas) weiterverarbeitet wird. Die SNG-Synthese findet in einer Wirbelschicht statt, wo das SNG für die Einspeisung ins Erdgasnetz aufbereitet wird. Als zweite Syntheselinie wird die FT-Synthese als „Slurry Bubble Column Reactor“ ausgeführt, um in weiterer Folge einen normkonformen Kraftstoff zu produzieren. Nach diesem ersten Schritt kann die Forschungs- und Entwicklungsanlage zu einer Technologieplattform weiterentwickelt und adaptiert werden, um beispielsweise auch nachhaltiges Kerosin (SAF) herzustellen.

Die TU Wien forscht bereits seit Jahrzehnten an der nachhaltigen Nutzung und technologischen Weiterentwicklung der Wirbelschichttechnologie sowie der Erzeugung nachhaltiger Energieträger, wie sie auch Kern des Reallabors ist, das in Zeltweg (Stmk) umgesetzt wird. Insbesondere die Integration von modernen Anforderungen in Bezug auf Brennstoffe, Energieeffizienz, Produktoptimierung und Klimaverträglichkeit sind bereits seit langem Forschungsschwerpunkte des Forschungsbereichs Brennstoff- und Energiesystemtechnik an der TU Wien. Im aktuellen Projekt wurden diese Grundlagen in Form von computergestützten Berechnungen sowie Massen- und Energiebilanzen bereitgestellt. So kann die TU Wien eine Technologie weiter bis zur Demonstration wissenschaftlich begleiten, für die bereits Jahrzehnte lang Wissen und Know-how geschaffen wurde.

Letzter Schritt vor Marktreife
Die im ABL1-Projekt vorgesehene Umsetzung als Reallabor soll die technische Skalierung hin zu industriellen Anlagen unterstützen, die ökonomische Skalierung absichern und sowohl Unternehmen im Anlagenbau als auch Investor_innen und zukünftigen Betriebsgesellschaften Vertrauen in die betrachteten Prozessketten geben. Das Reallabor ist weltweit die erste Anlage dieses Typs zur Erzeugung grüner Energieträger, die sowohl SNG-Produktion als auch FT-Diesel-Produktion beinhaltet. Bei den Forschungspartnern existieren zwar bereits Labor- und Pilotanlagen für die Produktion von FT-Diesel und SNG im Kilowatt-Bereich, doch das Reallabor mit 5 Megawatt Brennstoffwärmeleistung soll nun die Lücke zur industriellen Umsetzung schließen und damit den letzten Schritt zur Marktreife und dem Bau kommerzieller Anlagen ermöglichen.

Das innovative Projekt zur Produktion von grünen Kraftstoffen hat ein FFG-Fördervolumen von 28.000.000 € und ein hochkarätiges Konsortium, besetzt mit führenden österreichischen Forschungsinstitutionen auf dem Gebiet der Advanced Biofuels: Neben der TU Wien sind AIT Austrian Institute of Technology GmbH, BEST – Bioenergy and Sustainable Technologies GmbH, BOKU – Universität für Bodenkultur Wien, Fachhochschule Wiener Neustadt GmbH (FHWN), Güssing Energy Technologies GmbH (GET), Josephinum Research (JR) und Montanuniversität Leoben (MUL) vertreten. Der Bau und der Betrieb des Reallabors wird von einer eigens dafür gegründeten Genossenschaft, der Advanced Bioenergy Lab eGen, durchgeführt werden. Gefördert wird das Projekt ABL1 vom BMLUK aus Mitteln des Waldfonds. Abgewickelt wird die Förderung über die FFG Förderschiene THINK.WOOD. Energie.

Weitere Informationen:
https://www.tuwien.at/tch/icebe/ipe/projekte/advanced-bioenergy-lab-austria

PM: Technische Universität Wien

PB: Laboranlage zur Herstellung von SNG / ©: TU Wien








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