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Europäische Städte wollen ein Fünftel ihrer Emissionen durch CO₂-Entnahme ausgleichen, Umsetzung oft unklar


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Eine Analyse der Klimaneutralitätspläne für 2030 von 103 europäischen Städten, darunter 22 Hauptstädte, zeigt: Sie planen etwa ein Fünftel ihrer Emissionen durch CO₂-Entnahme auszugleichen.

(WK-intern) – Dafür müssten die Städte rund 61 Millionen Tonnen CO₂ aus der Atmosphäre entfernen – fast so viel, wie Österreich jährlich ausstößt.

Die heute in Nature Climate Change veröffentlichte Studie unter Leitung der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission und mit Beteiligung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, verdeutlicht: Der Großteil der verbleibenden städtischen Emissionen entfällt auf Energie und Verkehr – im Median 50 beziehungsweise 31 Prozent –, obwohl Emissionen in beiden Sektoren als vergleichsweise gut vermeidbar gelten.

Dies weckt laut den Autorinnen und Autoren Zweifel an der Wirksamkeit der Strategien. Sie weisen darauf hin, dass Städte vor allem auf schnelle und günstige Lösungen setzen könnten, statt ihre Energie- und Verkehrssysteme grundlegend zu verändern.

„Die untersuchten Städte haben sich sehr ehrgeizige Klimaziele gesetzt. Das ist begrüßenswert und sollte anderen als Vorbild dienen. Doch oft bleibt unklar, wo genau Restemissionen entstehen werden. Möglicherweise wurde auch nicht ausreichend geprüft, wie sich diese Emissionen von Anfang an vermeiden ließen“, sagt PIK-Forscherin und Mitautorin der Studie Quirina Rodriguez Mendez.

Die Studie stellt mit dem RESRI-Index ein neues Instrument vor, um die Qualität der Strategien für Restemissionen zu bewerten. Der Index zeigt vor allem Schwächen bei der Planung und Kontrolle von CO₂-Entnahmen: Häufig ist unklar, wann und in welchem Umfang CO₂-Entnahmen in Städten verfügbar sein werden. Die derzeit geschätzten Kapazitäten zur CO₂-Entnahme decken lediglich 18 Prozent der gesamten Restemissionen ab.

„Entscheidend ist, dass diese CO₂-Entnahmen tatsächlich stattfinden und transparent bilanziert werden. Sie dürfen nicht nur auf dem Papier bestehen“, sagt Rodriguez Mendez.

Die Studie gibt Städten konkrete Empfehlungen, wie sie ihre Pläne verbessern können. Dazu gehört, Emissionen frühzeitig und umfassend zu senken, sodass Restemissionen ausschließlich in schwer vermeidbaren Bereichen verbleiben. Zudem empfehlen die Forschenden nachfrageseitige Maßnahmen wie etwa weniger Langstreckenflüge oder reduzierten Fleischkonsum, die je nach Kontext die Emissionen um 40 bis 80 Prozent senken könnten.

CO₂-Entnahme muss verlässlich sein

Die 103 untersuchten Städte setzen vor allem auf Vegetation und andere landbasierte Methoden, um CO₂ aus der Atmosphäre zu entfernen. Dabei bleibt offen, wie das CO₂ nachhaltiggespeichert werden kann und inwiefern Flächen im städtischen Raum tatsächlich verfügbar sind. Denn Platz wird auch für Wohnungen, Gesundheitsversorgung und Energie benötigt. Die Klimaneutralitätspläne berücksichtigen bisher nicht genau, wie viel Fläche tatsächlich verfügbar ist.

Dauerhafte CO₂-Entnahmen spielen in den Plänen der Städte eine geringere Rolle: Nur 32 Prozent erwähnen solche Verfahren. Dazu gehören Bioenergie mit CO₂-Abscheidung und -Speicherung (27 Prozent), Pflanzenkohle (13 Prozent) und die direkte Entnahme von CO₂ aus der Luft mit anschließender Speicherung (7 Prozent). CO₂-Zertifikate kommen in 40 Prozent der Pläne vor. Häufig bleibt jedoch unklar, wie sie eingesetzt werden sollen. Viele Städte sehen sie nur als letzte Möglichkeit und stehen ihnen selbst skeptisch gegenüber.

Um Klimaneutralität zu erreichen und dauerhaft zu sichern, könnten Städte vorübergehende CO₂-Entnahmen schrittweise durch dauerhafte Verfahren ergänzen. Dafür braucht es klare Regeln, die notwendige Infrastruktur und verlässliche Förderung. Vor allem bei dauerhaften CO₂-Entnahmen müssten nationale und internationale Institutionen eng zusammenarbeiten.

Artikel

Ulpiani,G., Rodriguez Mendez, Q., Todeschi, V., Hernandez Moral, G., Vetters, N., Pittalis, M., Fuss, S., Gevers Deynoot, C., Creutzig, F., (2026): Empirical insights into residual emissions in urban net-zero targets. Nature Climate Change. DOI: 10.1038/s41558-026-02691-0

Wer wir sind

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ist ein unabhängiges, gemeinnütziges Forschungsinstitut, das 1992 gegründet wurde. Es hat sich zum Ziel gesetzt, die wissenschaftlichen Grenzen der interdisziplinären Klimaforschung für globale Nachhaltigkeit zu erweitern und Wissen und Lösungen für eine sichere und gerechte Klimazukunft beizusteuern. Die rund 500 Beschäftigten des Instituts sind hauptsächlich in Potsdam tätig. Das PIK ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

Über die EU-Mission „Klimaneutrale und intelligente Städte“

Die EU-Forschungsmission im Rahmen von Horizon Europe unterstützt 100 europäische Städte dabei, bis 2030 klimaneutral zu werden. Gleichzeitig sollen die Erfahrungen allen europäischen Städten helfen, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Die 100 Städte wurden aus 377 Bewerbungen ausgewählt. Sie erproben neue Lösungen in verschiedenen Bereichen sowie neue Formen der Zusammenarbeit und Steuerung. Mehr über den Auswahlprozess.

PM: PIK








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