Werbung So profitierte das BSH von dem maritimen Pionier Georg von Neumayer Behörden-Mitteilungen Forschungs-Mitteilungen 18. Juni 2026 Hinweis: Die Bildrechte zu den Beitragsfotos finden Sie am Ende des Artikels Zum 200. Geburtstag von Georg von Neumayer: Meeresforscher schlug Gründung der Deutschen Seewarte vor Mit Flaschenposten erforschte er Meeresströmungen BSH führt Neumayers Erbe mit modernen Argo-Floats fort (WK-intern) – Hamburg – Am 21. Juni 2026 jährt sich der Geburtstag von Georg von Neumayer zum 200. Mal. Der Physiker, Meeresforscher und Visionär prägte die maritime Wissenschaft in Deutschland nachhaltig – und seine Handschrift ist bis heute im Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) zu erkennen. Mehr noch: Ohne Neumayer gäbe es das BSH praktisch nicht. BSH-Präsident Helge Heegewaldt sagt: „Mit seinen Flaschenposten zur Erforschung der Meeresströmungen bewies Georg von Neumayer Pioniergeist. 150 Jahre später sind Argo-Floats an ihre Stelle getreten – das BSH treibt damit in internationaler Kooperation die Erforschung der Meere voran.“ Georg von Neumayer wurde am 21. Juni 1826 in Kirchheimbolanden geboren (gestorben: 24.5.1909). Der Ort war damals Teil des Königreichs Bayern, genauer gesagt der Bayerischen Pfalz, seit 1946 gehört er zu Rheinland-Pfalz. Neumayer studierte Ingenieurswissenschaften, Physik und Astronomie an der technischen Hochschule in München, später fuhr er als Matrose und Steuermann zur See, leitete von 1858 bis 1864 das geophysikalische Flagstaff-Observatorium in Melbourne und kehrte schließlich als anerkannter Wissenschaftler nach Deutschland zurück. Nach der Reichsgründung arbeitete er als Hydrograph bei der Kaiserlichen Admiralität, der obersten Marinebehörde im damaligen Deutschen Kaiserreich. 1865 regte Neumayer die Gründung einer norddeutschen Seewarte an – eine Idee, die rasch Wirklichkeit wurde: 1868 gründete der Naturwissenschaftler Wilhelm von Freeden in Hamburg die private Norddeutsche Seewarte, aus der 1875 die Deutsche Seewarte als Reichsinstitut hervorging. Von 1875 bis 1903 leitete Neumayer sie als Direktor und formte sie zu einer international anerkannten Forschungseinrichtung. Diese Seewarte gilt als eine der wichtigsten Vorgängerinstitutionen des heutigen Deutschen Wetterdienstes und des heutigen BSH. Von der Flaschenpost zum Argo-Float Eine der Methoden Neumayers zur Erforschung der Meeresströmungen war die Flaschenpost. Er ließ systematisch Flaschen mit Begleitzettel ins Meer werfen und bat Finder, den Fundort zu melden. Aus Tausenden solcher Rückmeldungen konnte er Strömungsmuster kartieren und das Wissen über die Ozeane erheblich erweitern. Knapp 150 Jahre später entwickelten Ozeanographen aus verschiedenen Ländern eine revolutionäre Nachfolgelösung. Sogenannte Argo-Floats treiben seit 2000 selbstständig durch die Weltmeere und erfassen dabei kontinuierlich Daten zu Temperatur, Salzgehalt und Druck. Was bei Neumayer noch auf den Zufall des Findens angewiesen war, geschieht bei den hochmodernen Messsonden heute vollautomatisch – per Satellitenübertragung. Das Grundprinzip aber ist dasselbe geblieben: driftende Körper zur Erforschung der Meere nutzen. Weltklimarat bindet Argo-Daten in seine Berichte ein „Die Daten sind die Grundlage für Vorhersagemodelle und für die Meeres- und Klimaforschung von unschätzbarem Wert. Erst durch Argo-Floats lassen sich präzisere Aussagen zum Klimawandel in den Ozeanen treffen. Die Bedeutung zeigt sich auch daran, dass der Weltklimarat die Argo-Daten prominent in seine Berichte einbindet“, sagt Helge Heegewaldt. Deutschland ist Gründungsmitglied des internationalen Argo-Programms Das BSH steuert den operationellen deutschen Beitrag. Bisher finanziert Deutschland jährlich rund 50 der mittlerweile rund 4.000 weltweit aktiven Argo-Floats, die mit verschiedenen Sensoren ausgestattet sind. Im Rahmen des Projekts AWESOME wird das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt in diesem Jahr zehn weitere dieser autonomen Tiefendrifter finanzieren. Diese werden mit dem vollen Satz an biogeochemischen Sensoren ausgestattet. Deutschland trägt damit im Rahmen des Argo-Programms zur Weiterentwicklung des Ökosystem-Monitorings im Weltozean bei. Pionier der Polarforschung Neumayers Pioniergeist reichte aber noch weit über die Meeresvermessung hinaus: Er zählte zu den treibenden Kräften der internationalen Polarforschung im 19. Jahrhundert. Die nach ihrer namensgebenden Korvette, weltumspannende Gazelle-Expedition (1874-1876) hatte Neumayer mitgeplant und organisiert. Zudem gilt er als einer der Hauptorganisatoren des Ersten Internationalen Polarjahres 1882/83. Damit ermöglichte er eine koordinierte wissenschaftliche Erkundung der Polarregionen, an der zwölf Nationen beteiligt waren. Jahrzehntelang setzte er sich unermüdlich für eine deutsche Südpolar-Expedition ein: Die nach dem Forschungsschiff benannte Gauß-Expedition von 1901 bis 1903, die erste deutsche Antarktisforschungsreise, wurde nicht zuletzt durch sein Engagement möglich. Heute trägt die deutsche Antarktisforschungsstation des Alfred-Wegener-Instituts seinen Namen – die Neumayer-Station III. Schatz in der BSH-Bibliothek Die Dimension von Neumayers Pionierarbeit kann in der Maritimen Fachbibliothek des BSH in Hamburg erlebt werden. Sie beherbergt eine einzigartige Sammlung historischer Originaldokumente aus dem Flaschenpost-Programm: handgeschriebene Fundmeldungen aus aller Welt, Auswertungskarten und Korrespondenzen, lebendige Zeugnisse einer wissenschaftlichen Meisterleistung. Die Sammlung macht die BSH-Bibliothek zu einem bedeutenden Ort der maritimen Wissenschaftsgeschichte und zu einer wertvollen Ressource für die Forschung bis heute. Stiftung lädt zu Feierlichkeiten ein Anlässlich des Jubiläums findet am 21.6. ein Festessen in Neumayers Sommerresidenz in Weisenheim am Berg statt. Zudem wird es am 24.6. eine Liveschaltung von Weisenheim zur Neumayer-Station III geben, zu der sich Schulklassen dazuschalten können. Insbesondere jene, die nach dem rheinland-pfälzischen Lehrplan das Thema “Leben in extremen Räumen“ behandelt haben. Außerdem ist das Jubiläum Initialzündung für mehrere Aktionen in Weisenheim und in Schulen der Pfalz. „Erinnerung an bedeutende Naturwissenschaftler“ „Georg von Neumayer blieb seiner pfälzischen Heimat stets eng verbunden. Er leitete den Naturkundeverein Pollichia, zog nach seinem Ruhestand in die Pfalz zurück und ließ aus Geburtstagsgeldern eine Stiftung gründen, die heute seinen Namen trägt. Die Stiftung fördert die naturwissenschaftliche Erforschung der Pfalz sowie die Erinnerung an bedeutende Naturwissenschaftler der Region“, sagt Dr. Lenelotte Müller, Vorsitzende der Georg von Neumayer-Stiftung. PM: BSH PB: Georg von Neumayer (1826-1909): Maritimer Pionier aus Rheinland-Pfalz / ©: Quelle: BSH Weitere Beiträge:Atomkraftwerke sind in finanzieller SchieflageNeues Studienangebot: Energieversorgung der Zukunft an der KIT School of Energy Die Energieproduktion soll in Schleswig-Holstein bis 2015 verdreifacht werden