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Blauer Wasserstoff vertieft die Gasabhängigkeit


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Deutschlands Wasserstoff-Kurs birgt ein Risiko von Dutzenden Milliarden Euro für Steuerzahler

  • Deutschlands Wasserstoffnachfrage dürfte hinter den offiziellen Prognosen zurückbleiben, was das Risiko eines kostspieligen Überausbaus der Infrastruktur erhöht.
  • Das Finanzierungsmodell des deutschen Wasserstoffnetzes verlagert Kosten auf die öffentliche Hand, wenn die Nachfrage hinter den Erwartungen zurückbleibt.

(WK-intern) – Werden die optimistischen Nachfrageprognosen verfehlt, könnten rund 45 Milliarden Euro zusätzliche öffentliche Mittel erforderlich werden – etwa 1.000 Euro pro deutschem Steuerzahler.

Die Politik weitet bereits Maßnahmen aus, um schwache Nachfrage zu stützen.

Eine Verlagerung von erneuerbarem Wasserstoff hin zu erdgasbasiertem Wasserstoff mit CO₂-Abscheidung könnte Deutschlands Abhängigkeit von volatilen Gasmärkten verlängern und damit Energiesicherheit und industrielle Wettbewerbsfähigkeit gefährden.

Deutschland läuft Gefahr, sein Wasserstoffnetz überzudimensionieren und erhebliche öffentliche Mittel fehlzuallokieren, weil es sich auf zu optimistische Nachfrageannahmen stützt, so eine neue Analyse des Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA).

Mit Europas ambitioniertester Wasserstoffstrategie plant Deutschland weiterhin eine systemweite Rolle für Wasserstoff.
Dabei wird jedoch nicht hinreichend berücksichtigt, in welchem Maße Elektrifizierung und kostengünstigere Alternativen den Wasserstoffeinsatz in Wärme, Strom, Industrie und Verkehr begrenzen dürften.

IEEFA erwartet, dass Deutschlands Wasserstoffnachfrage 2045 eher am unteren Rand offizieller Szenarien liegen oder darunter bleiben wird.
„Das ist entscheidend, weil Deutschland sein Wasserstoffnetz unter der Annahme finanziert, dass die Nachfrage rasch genug wächst, damit die Nutzer die Kosten langfristig tragen können. Bleibt diese Nachfrage aus, tragen die Steuerzahler das Risiko“, sagt Alasdair Docherty, IEEFA-Analyst für nachhaltige Finanzen und Mitverfasser des Berichts.

Die IEEFA schätzt, dass ein Szenario mit begrenzter Nachfrage deutsche Steuerzahler bis 2055 mit mindestens 34,7 Milliarden Euro an Pipelinekosten belasten könnte.

Während Pipelinekosten den größten Teil dieses fiskalischen Risikos ausmachen, würde eine schwache Wasserstoffnachfrage auch höhere Ausgaben für wasserstofffähige Kraftwerke nach sich ziehen und die Abhängigkeit von Flüssigerdgas-Terminals verlängern.

Die Differenz zwischen einem Szenario mit rascher und einem mit begrenzter Wasserstoffeinführung beläuft sich auf rund 45 Milliarden Euro zusätzlicher öffentlicher Finanzierung – das entspricht etwa 1.000 Euro pro deutschem Steuerzahler.

Blauer Wasserstoff vertieft die Gasabhängigkeit

Da die öffentlichen Finanzen eng an die Nutzung der Pipelines gekoppelt sind, konzentriert sich die deutsche Politik bislang darauf, Wasserstoffnachfrage zu stützen, statt eine schwache Akzeptanz als Signal für eine Anpassung des Netzausbaus zu werten.

Das vom Bundestag im Februar 2026 verabschiedete Wasserstoffbeschleunigungsgesetz stuft blauen Wasserstoff – erzeugt aus Erdgas mit CO₂-Abscheidung und -Speicherung – als im „übergeordneten öffentlichen Interesse“ liegend ein. Dies markiert eine deutliche Abkehr von Deutschlands ursprünglicher Strategie, die ausschließlich auf grünen Wasserstoff aus erneuerbaren Energien ausgerichtet war.

„Ein Schwenk hin zu blauem Wasserstoff würde ein zusätzliches Netz kostspieliger Kohlendioxid-Pipelines erfordern und Deutschlands Abhängigkeit von volatilen globalen Gasmärkten weiter verfestigen – mit Risiken für langfristige Energiesicherheit und industrielle Wettbewerbsfähigkeit“, sagt Docherty.

„Blauer Wasserstoff ist ein teurer Weg, energiepolitische Unabhängigkeit aufs Spiel zu setzen.“

Öffentliche Ausgaben begrenzen

Die IEEFA empfiehlt, den Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur konsequent an bestätigten Nachfrage- und Lieferverpflichtungen auszurichten.

Importe von Wasserstoffderivaten für gezielte industrielle Anwendungen könnten den Bedarf an einem groß angelegten Ausbau des heimischen Pipelinenetzes deutlich reduzieren, Systemkosten senken und öffentliche Ausgaben begrenzen.

Eine Abstimmung von Wasserstoffinvestitionen mit dem schrittweisen Auslaufen staatlicher Unterstützung für Flüssigerdgasterminals würde zudem das Risiko verringern, zwei sich überschneidende Infrastruktursysteme gegen dieselbe Nachfrageunsicherheit abzusichern.

„Es ist besser, Infrastrukturrisiken frühzeitig anzuerkennen, als ein überdimensioniertes Netz durch künstlich gestützte Nachfrage auf unbestimmte Zeit zulasten der Steuerzahler zu rechtfertigen“, sagt Docherty.

Über IEEFA

Das Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) untersucht Fragen im Zusammenhang mit Energiemärkten, Trends und politischen Strategien. Ziel des Instituts ist es, den Übergang zu einer vielfältigen, nachhaltigen und rentablen Energiewirtschaft zu beschleunigen. www.ieefa.org

PM: IEEFA








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