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Wirtschaftsforschung: Staatliche Ausgaben stabilisieren Wirtschaft deutlich wirksamer als Steuersenkungen

PB: Der DIW glaubt: Ausgabenerhöhungen haben nur im Euroraum einen deutlich höheren Effekt auf das Bruttoinlandsprodukt als Steuersenkungen / ©: DIW
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Öffentliche Ausgaben, Investitionen und Staatskonsum stabilisieren die Wirtschaft eines Mitgliedslandes des Euroraums kurzfristig deutlich stärker als Steuersenkungen.

  • Gemeinsame Geldpolitik im Euroraum erhöht Wirksamkeit nationaler Staatsausgaben
  • Öffentliche Investitionen und Staatskonsum kurbeln Wirtschaft deutlich stärker an als Steuersenkungen
  • Kurzfristige Stabilisierungsvorteile müssen gegen Risiken für Staatsfinanzen und langfristiges Wachstum abgewogen werden

(WK-intern) – Das zeigt eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

Die gemeinsame Geldpolitik im Euroraum verstärkt die positiven Effekte fiskalischer Maßnahmen einzelner Länder.

Für ihre Untersuchung kombinieren die Studienautoren Gökhan Ider und Malte Rieth aus der Abteilung Makroökonomie ein Modell für eine typische Volkswirtschaft des Euroraums mit empirischen Analysen der Mitgliedstaaten auf Basis von Eurostat-Daten.

Das Ergebnis: Jeder zusätzliche Euro an staatlichen Ausgaben erhöht das Bruttoinlandsprodukt demnach im ersten Jahr um bis zu 1,30 Euro. Steuersenkungen erzielen dagegen lediglich einen Effekt von bis zu 40 Cent je Euro.

DIW Berlin: Gemeinsame Geldpolitik verändert die Wirkung nationaler Fiskalpolitik

„Die gemeinsame Geldpolitik verändert die Spielregeln der Fiskalpolitik im Euroraum. Weil die Europäische Zentralbank auf fiskalische Maßnahmen einzelner Mitgliedstaaten in der Regel nicht reagiert, werden nationale Ausgabenprogramme nicht durch Zinserhöhungen gebremst“, erklärt Studienautor Ider. Gleichzeitig profitieren Steuersenkungen, die tendenziell deflationär wirken, nicht von einer möglichen geldpolitischen Lockerung, die ihre Wirkung zusätzlich verstärken würde. „In einer Währungsunion wie dem Euroraum wirken insbesondere fiskalpolitische Ausgabenmaßnahmen viel stärker als in Ländern mit eigener Geldpolitik wie den USA“, ergänzt Ko-Autor Rieth.

Investitionen und Staatskonsum wirken über unterschiedliche Kanäle

Öffentliche Investitionen und Staatskonsum erhöhen die Wirtschaftsleistung zwar beide stärker als Steuersenkungen, entfalten ihre Wirkung jedoch auf unterschiedliche Weise. Öffentliche Investitionen regen vor allem private Investitionen an und bauen zugleich den öffentlichen Kapitalstock – etwa durch Investitionen in Infrastruktur – aus. Dadurch können sie nicht nur die Nachfrage kurzfristig erhöhen, sondern auch die Produktionskapazitäten der Wirtschaft stärken. Ein höherer Staatskonsum kurbelt dagegen insbesondere den privaten Konsum an. Steuerentlastungen steigern die private Nachfrage insgesamt deutlich schwächer und ihre Wirkung hält kürzer an: Nach vier Jahren ist ihre Wirkung nahezu verpufft, während der Fiskalmultiplikator für Staatsausgaben immer noch bei rund eins liegt.

Kurzfristige Vorteile gegen langfristige Risiken abwägen

„Insbesondere zur kurzfristigen Stabilisierung der Wirtschaft sind gut ausgestaltete Ausgabenmaßnahmen das wirksamere Instrument“, so Ider. „Gleichzeitig müssen die Regierungen die langfristigen Folgen für Staatsfinanzen und Wachstum im Blick behalten.“ Höhere Staatsausgaben oder geringere Steuereinnahmen können die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen beeinträchtigen und das langfristige Wirtschaftswachstum schwächen. Gleichzeitig weisen die Autoren darauf hin, dass die Ergebnisse vor allem für fiskalpolitische Maßnahmen einzelner Mitgliedstaaten gelten. Würden viele Länder des Euroraums ihre Ausgaben gleichzeitig ausweiten, könnte dies eine geldpolitische Reaktion der Europäischen Zentralbank auslösen und die Wirkung der Ausgabenmaßnahmen abschwächen.

Links: Studie im DIW Wochenbericht 33/2026

Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)

Das DIW Berlin (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) ist seit 1925 eines der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland. Es erforscht wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Zusammenhänge in gesellschaftlich relevanten Themenfeldern und berät auf dieser Grundlage Politik und Gesellschaft. Das Institut ist national und international vernetzt, stellt weltweit genutzte Forschungsinfrastruktur bereit und fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs. Das DIW Berlin ist unabhängig und wird als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft überwiegend aus öffentlichen Mitteln finanziert.

PM: DIW

PB: Der DIW glaubt: Ausgabenerhöhungen haben nur im Euroraum einen deutlich höheren Effekt auf das Bruttoinlandsprodukt als Steuersenkungen / ©: DIW (Der Staatsanteil/Staatsquote liegt erst bei über 60%, man könnte mit 120 % wesentlich schneller mehr erreichen)








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