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BUND Baden-Württemberg will kleine Wasserkraftwerke Rückbauen

Doch die Unterstützung naturschutzfachlich und energiewirtschaftlich nicht darstellbarer Vorhaben wie des Kleinwasserkraftwerks an der Schwarzen Sulm durch Mittel der Ökostromförderung – und damit letztlich durch Steuergelder – würde nicht nur die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie konterkarieren, sondern einen negativen Präzedenzfall schaffen, der nicht vorstellbare Auswirkungen auf die gesamte Gewässerlandschaft des Landes sowie darüber hinaus hätte“, so Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbandes. / Foto: HB
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Gemeinsam für lebendige Flüsse: Rückbau Kleiner Wasserkraft jetzt fördern

(WK-intern) – Der Nutzen kleiner Wasserkraftanlagen mit weniger als einem Megawatt Leistung steht in keinem angemessenen Verhältnis zu ihren negativen ökologischen Folgen.

Darauf weisen die Landesverbände von BUND und NABU, Landesfischereiverband Baden-Württemberg (LFVBW) und Landesnaturschutzverband (LNV) in einer gemeinsamen Erklärung hin.

Sie fordern die Verhandlungspartner auf, bei den Koalitionsverhandlungen die Förderung des Rückbaus unwirtschaftlicher Wasserkraftanlagen und die naturnahe Entwicklung von Bächen und Flüssen zu berücksichtigen.

Kleine Wasserkraft: wenig Leistung, großer Schaden

Zwar spielt Wasserkraft in Baden-Württemberg traditionell eine wichtige Rolle im Energiemix. Doch kleine Wasserkraftanlagen liefern nur einen sehr geringen Beitrag: 2024 trug Wasserkraft mit etwa 4,9 Terrawattstunden (TWh) rund 13,5 Prozent zur Gesamt-Bruttostromerzeugung bei. Dabei entfiel jedoch der Löwenanteil (rund 78 Prozent) auf die 67 großen Wasserkraftanlagen (WKA) mit mehr als einem Megawatt (MW) Leistung. Die etwa 1.750 aktuell betriebenen kleinen WKA mit maximal einem MW Leistung haben nur einen Anteil von rund 22 Prozent an der Stromerzeugung aus Wasserkraft, beeinträchtigen die Gewässerökologie jedoch erheblich. „Kleine Wasserkraftanlagen leisten nur einen minimalen Beitrag zur Stromversorgung. Ihre Errichtung hat aber in der Vergangenheit wertvolle Lebensräume in unseren Flüssen zerstört. Dieses Missverhältnis können wir uns angesichts der Biodiversitätskrise nicht länger leisten“, sagt Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesvorsitzende des BUND.

Vorrang für den Schutz der biologischen Vielfalt

Die für die Stromerzeugung genutzten Querbauwerke unterbrechen die Durchgängigkeit der Gewässer, behindern die Wanderung von Fischen und verändern Strömung, Temperatur und Sauerstoffgehalt. Viele Arten verlieren dadurch ihre Lebensräume oder können sich nicht mehr fortpflanzen. „Wir brauchen intakte Flüsse, keine weiteren Barrieren. Der Schutz der biologischen Vielfalt muss Vorrang haben – insbesondere dort, wo der energiewirtschaftliche Nutzen so gering ist“, betont der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle. Die Verbände sehen deshalb klaren Handlungsbedarf: Ökologisch schädliche Kleinanlagen, von denen ohnehin viele in den kommenden Jahren ihr technisches Lebensende erreichen, sollten schrittweise stillgelegt und schnellstmöglich zurückgebaut werden. Die Verbände fordern die künftige Landesregierung auf, den Rückbau gezielt zu unterstützen – insbesondere dort, wo Anlagen wirtschaftlich nicht mehr tragfähig sind.

Rückbau als Chance für Baden-Württembergs Gewässer

„Der Rückbau bietet eine große Chance, unsere Gewässer wieder zu vernetzen und ökologisch aufzuwerten. Dafür braucht es klare politische Prioritäten und ausreichende finanzielle Mittel“, sagt Gerhard Bronner vom LNV. Thomas Wahl vom Landesfischereiverband ergänzt: „Wenn Fische ihre Wanderwege nicht mehr nutzen können oder in Turbinen verenden, gefährdet das ganze Populationen. Der Rückbau kleiner Anlagen ist deshalb auch ein wesentlicher Beitrag zu einem aktiven Fischartenschutz.“

Weitere Informationen:

PM: BUND Baden-Württemberg 

Die Unterstützung naturschutzfachlich und energiewirtschaftlich nicht darstellbarer Vorhaben wie  Kleinwasserkraftwerke durch Mittel der Ökostromförderung – und damit letztlich durch Steuergelder – würde nicht nur die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie konterkarieren, sondern einen negativen Präzedenzfall schaffen, der nicht vorstellbare Auswirkungen auf die gesamte Gewässerlandschaft des Landes sowie darüber hinaus hätte / Foto: HB








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