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SPD-Abgeordnete Sanae Abdi erklärt die Notwendigkeit von Entwicklungszahlungen

PB: Der "Deutsche Bundtag besetzt noch das kaiserliche Reichstagsgebäude" gut zu erkennen das Leitmotiv des Kaiserreiches: DEM DEUTSCHEN VOLKE / ©: Deutscher Bundestag, Ein weiterer Leitspruch auf jeder Münze aus dem Kaiserreich: "Gott mit uns"
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Wochenzeitung „Das Parlament“: SPD-Abgeordnete Sanae Abdi warnt vor Kürzungen bei der Entwicklungszusammenarbeit

(WK-intern) – Vorab-Meldung zu einem Interview in der nächsten Ausgabe der Wochenzeitung „Das Parlament“ (Erscheinungstag der Themenausgabe „Entwicklungszusammenarbeit“: 08. August 2026)

  • – bei Nennung der Quelle frei zur sofortigen Veröffentlichung –

Die entwicklungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Sanae Abdi, warnt vor den Folgen der Kürzungen im Etat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

„Was wir jetzt einsparen, wird hinterher mehr Geld kosten, wenn sich wieder mehr Menschen auf die Flucht begeben oder die Klimakatastrophe voranschreitet“, sagte sie im Interview mit der Wochenzeitung „Das Parlament“. Dort, wo sich Deutschland zurückziehe, füllten außerdem Staaten wie Russland und China die Lücke. Deutschland brauche mehr Entwicklungszusammenarbeit und mehr Investitionen in globale Partnerschaften statt weniger.

Immer wieder erneuerte Vorschläge, das BMZ aufzulösen und dessen Aufgaben in das Auswärtige Amt zu überführen, wies Abdi zurück. „Entwicklungszusammenarbeit muss ein eigenständiges strategisches Instrument bleiben.“ Die Erfahrungen aus Großbritannien zeigten, dass eine Zusammenlegung Kompetenzen verwässere und entwicklungspolitische Ziele in den Hintergrund gerieten. „Wer Krisen weltweit vorbeugen, stabile Partnerschaften aufbauen und Deutschlands Interessen langfristig stärken will, braucht ein starkes BMZ mit eigenem politischem Gewicht“, betonte die Sozialdemokratin.

Das Interview im Wortlaut:

Das Parlament: Frau Abdi, Sie sind in Marokko geboren und haben vor Ihrem Einzug in den Bundestag bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ein Entwicklungsprojekt für nachhaltige Textillieferketten gemanagt. Wie sehr prägt beides Ihre Arbeit als Entwicklungspolitikerin?

Sanae Abdi: Insbesondere die Arbeit bei der GIZ hat mich dazu bewogen, mich im Bundestag weiter um Entwicklungspolitik zu kümmern. Das Projekt hat zur Entstehung des Lieferkettensorgfaltsgesetzes beigetragen, das größere Unternehmen heute verpflichtet, sich um faire Arbeitsbedingungen in ihren Lieferketten zu kümmern. Zu sehen, wie solche Initiativen ins Parlament kommen und welche Auswirkungen parlamentarische Entscheidungen auf globale Strukturen haben können, hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Das Parlament: Warum braucht Deutschland Entwicklungszusammenarbeit?

Abdi: Es ist interessant, dass Sie die Frage so stellen. Aber es ist ja richtig: EZ dient nicht nur karitativen, selbstlosen Zwecken, sondern auch deutschen Interessen. Deutschland profitiert von verlässlichen Partnerschaften und als Exportnation von guten Handelbeziehungen. Bessere Lebensbedingungen in anderen Ländern verhindern, dass Menschen ihre Heimat verlassen müssen. Es geht aber auch um Verantwortung. Denn als Industrienation hat alles, was wir produzieren, womit wir handeln und mit dem wir unser Wachstum erwirtschaften, globale Auswirkungen.

Das Parlament: Dass die Bundesregierung die EZ stärker an Eigeninteressen wie Absatzförderung und Migrationssteuerung ausrichten will, stößt bei Hilfsorganisationen auf Kritik. Gerät der Kampf gegen Hunger und Armut ins Hintertreffen?

Abdi: Nein, denn auch der ist im deutschen Interesse. Ich möchte nicht, dass Menschen an vermeidbaren Krankheiten sterben oder sich wegen schlechter Lebensbedingungen auf den gefährlichen Weg über das Mittelmeer machen. Darüber hinaus war die deutsche EZ schon immer interessenorientiert; vielleicht haben wir das bisher nur weniger betont. Wenn wir auf Augenhöhe mit unseren Partnern arbeiten wollen, müssen wir unsere eigenen Vorstellungen und Interessen benennen, das gehört zu einem ehrlichen und vertrauensvollen Umgang.

Das Parlament: In einer Umfrage des Deutschen Evaluierungsinstituts für Entwicklungszusammenarbeit haben sich 2025 nur noch 52 Prozent der Befragten für gleichbleibende oder höhere EZ-Mittel ausgesprochen, 2022 waren es 68 Prozent. Warum verliert die EZ so stark an Akzeptanz?

Abdi: Das hat viel mit Fake News und Desinformationskampagnen zu tun, die vor allem von rechten Netzwerken ausgehen. Das führt zu falschen Vorstellungen: Als die Menschen gefragt wurden, wie hoch ihrer Ansicht nach der Anteil der EZ-Ausgaben am Bundeshaushalt ist, nannten sie Zahlen zwischen zwölf und 20 Prozent, dabei hat der Etat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gerade einmal einen Anteil von zwei Prozent. Grundsätzlich glaube ich, dass der solidarische Gedanke in unserer Gesellschaft weiterhin stark ist. Das kann man auch an der hohen Spendenbereitschaft bei Erdbeben oder Flutkatastrophen sehen.

Das Parlament: Ein großer Teil der Befragten hielt die EZ aber auch für wenig wirksam oder gar wirkungslos.

Abdi: Dabei hat sie weltweit große Fortschritte erzielt! Mein Geburtsland Marokko ist zum Beispiel auf dem besten Weg, seine Energie bald nur noch aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen. Dazu beigetragen haben deutsche Solarprojekte, die in der Wüste Marokkos umgesetzt wurden. Ähnliche gute Ergebnisse gibt es im Gesundheitsbereich. Da konnten Krankheiten wie HIV/Aids sehr weit zurückdrängt werden. Allerdings gefährden Einsparungen und der Rückzug der USA aus der internationalen Entwicklungszusammenarbeit die Erfolge. Strukturen drohen dadurch nachhaltig beschädigt werden.

Das Parlament: Auch Deutschland hat seine Mittel massiv reduziert und plant 2027 weitere Kürzungen. Dabei haben Sie eben betont, wie wichtig Entwicklungszusammenarbeit auch für Deutschland ist. Wie passt das zusammen?

Abdi: Die Kürzungen sind ein großer Fehler, da sind sich alle Fachpolitiker in den demokratischen Fraktionen einig. Was wir jetzt einsparen, wird hinterher mehr Geld kosten, wenn sich wieder mehr Menschen auf die Flucht begeben oder die Klimakatastrophe voranschreitet. Dort, wo sich Deutschland zurückzieht, füllen außerdem Staaten wie Russland und China die Lücke. Wie wir abgestraft werden, wenn wir nicht zu unserem Wort stehen, kann man an der gescheiterten UN-Sicherheitsratswahl sehen. Für mich ist die Lehre daraus: Wir brauchen mehr Entwicklungszusammenarbeit und mehr Investitionen in globale Partnerschaften.

Das Parlament: Haben Sie Hoffnung, dass Sie in den anstehenden Haushaltsverhandlungen eine Aufstockung der Mittel erreichen können?

Abdi: Ich bin da angesichts der derzeitigen Haushaltslage wenig zuversichtlich. Wir als SPD haben aber einen konkreten Vorschlag gemacht, wie wir den Haushalt kurzfristig entlasten könnten. Er sieht vor, dass wir bei den EZ-Mitteln für die Ukraine die sogenannte Bereichsausnahme genauso geltend machen wie im militärischen Bereich. Das bedeutet, dass die Bundesregierung auch für EZ-Maßnahmen Kredite aufnehmen könnte, ohne dass diese auf die Schuldenbremse angerechnet würden. Langfristig brauchen wir aber vor allem strukturelle Reformen.

Das Parlament: SPD-Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan hat gerade ein Reformkonzept vorgelegt, das ab Sommer 2027 umgesetzt werden soll. Geht das in die richtige Richtung?

Abdi: Die Ziele, weniger Bürokratie, eine stärkere strategische Ausrichtung und die Priorisierung der Hungerbekämpfung, unterstütze ich. Wir sehen ja gerade durch die Blockade der Straße von Hormus und der drohenden Hungerkatastrophe in einigen Ländern, wie aktuell und zentral die Bekämpfung von Hunger ist. Entscheidend ist aber, dass Reformen nicht zum Vorwand für weitere Kürzungen werden, denn ohne ausreichende Mittel kann auch die beste Reform ihre Wirkung nicht entfalten.

Das Parlament: Was halten Sie für notwendig, um die deutsche EZ besser zu machen?

Abdi: Definitiv eine bessere Abstimmung mit europäischen Partnern, weniger Bürokratie und mehr lokale Verantwortung. Wir sollten uns auch stärker auf wirksame Programme konzentrieren und die EZ enger mit Außen-, Sicherheits- und Wirtschaftspolitik verzahnen. Wir brauchen finanzpolitische Instrumente, die Unternehmen ein Engagement in der EZ erleichtern. Gleichzeitig müssen wir das internationale Finanzsystem reformieren, damit Partnerländer mehr eigene finanzielle Spielräume für Investitionen gewinnen.

Das Parlament: Wie finden Sie die Idee der Union, das BMZ aufzulösen und dessen Aufgaben in das Auswärtige Amt zu überführen?

Abdi: Entwicklungszusammenarbeit muss ein eigenständiges strategisches Instrument bleiben. Die Erfahrungen aus Großbritannien zeigen, dass eine Zusammenlegung Kompetenzen verwässert und entwicklungspolitische Ziele in den Hintergrund geraten. Wer Krisen weltweit vorbeugen, stabile Partnerschaften aufbauen und Deutschlands Interessen langfristig stärken will, braucht ein starkes BMZ mit eigenem politischem Gewicht.

Das Interview führte Johanna Metz.

Sanae Abdi (SPD) ist die erste deutsch-marokkanische Abgeordnete im Bundestag, dem sie seit 2021 angehört. Sie ist entwicklungspolitische Sprecherin ihrer Fraktion.

 
PM: Deutscher Bundestag
 
PB: Der „Deutsche Bundtag“ im kaiserlichen Reichstagsgebäude mit dem Schriftzug: DEM DEUTSCHEN VOLKE / ©: Deutscher Bundestag







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