Werbung Batteriespeicher als Baustein eines flexibleren Stromsystems E-Mobilität Erneuerbare & Ökologie Verbraucherberatung 6. August 2026 Hinweis: Die Bildrechte zu den Beitragsfotos finden Sie am Ende des Artikels (WK-intern) – Erneuerbarer Strom trifft zeitweise auf geringe Nachfrage oder begrenzte Netzkapazitäten. Die Folgen sind negative Börsenpreise und gedrosselte Anlagen. Batteriespeicher können Erzeugung und Nutzung zeitlich entkoppeln und entwickeln sich zu einem eigenständigen Infrastruktursegment. Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien wird neben der erzeugten Strommenge auch der Zeitpunkt entscheidend. Wind- und Solarstrom folgen dem Wetter, der Verbrauch anderen Rhythmen. „Flexibilität“ bezeichnet die Fähigkeit des Stromsystems, dieses zeitliche Auseinanderfallen auszugleichen. Batteriespeicher laden bei hohem Angebot und speisen später wieder ein, wenn die Nachfrage höher ist. Sie verschieben Energie in der Zeit und können bei geeignetem Standort sowie passender Betriebsweise zusätzlich lokale Netzengpässe entlasten. Zwei Symptome desselben Themas Wie groß die Herausforderung ist, zeigt das Netzengpassmanagement: Im dritten Quartal 2025 umfassten die Maßnahmen rund 5,65 Terawattstunden; die vorläufigen Gesamtkosten lagen bei etwa 667 Millionen Euro. Darin enthalten sind unterschiedliche Engpassmaßnahmen und nicht nur Entschädigungen für gedrosselte Anlagen. Auf Windenergie an Land und auf See entfielen zusammen rund 1,2 Terawattstunden abgeregelter Erzeugung; bei Windenergieanlagen an Land lag der Wert rund 46 Prozent über dem Vorjahresquartal. Abregelung bedeutet, dass Anlagen trotz verfügbarer Wind- oder Sonnenenergie ihre Leistung reduzieren müssen, weil das Netz den möglichen Strom lokal nicht vollständig aufnehmen kann. Ein zweites Signal sind negative Preise: 2025 gab es am deutschen Day-Ahead-Markt 573 Stunden mit negativen Großhandelspreisen – ein neuer Höchststand. Sie entstehen, wenn ein hohes, kurzfristig wenig flexibles Angebot auf geringe Nachfrage trifft. Das kommt in windreichen Nacht- und Winterstunden ebenso vor wie an sehr sonnigen Sommertagen. Die Zahlen bedeuten nicht, dass Deutschland insgesamt ausreichend erneuerbaren Strom erzeugt. Sie zeigen vielmehr, dass Erzeugung und Verbrauch stundenweise immer häufiger auseinanderfallen. Was Batteriespeicher leisten können und was nicht Hier setzen Batteriespeicher an: Speicher direkt an einem Wind- oder Solarpark – sogenannte Co-Located-Speicher – können Strom am gemeinsamen Netzanschlusspunkt aufnehmen. Stand-Alone-Speicher beziehen Energie aus dem Netz, wenn sie reichlich vorhanden und vergleichsweise günstig ist, und speisen sie später wieder ein. Flexibel sind sie, weil sie schnell zwischen Strombezug, Speicherung und Einspeisung wechseln können. Ein unabhängiger Speicher nimmt dabei nicht automatisch den Strom einer konkret abgeregelten Anlage auf. Sein Beitrag liegt in der zeitlichen Verschiebung von Energie und – bei geeignetem Netzstandort sowie netzdienlicher Betriebsweise – in der möglichen Entlastung des Netzes. Diese Flexibilität lässt sich unter anderem über Preisunterschiede im Stromhandel, die Teilnahme an Regelenergiemärkten und weitere Systemdienstleistungen wirtschaftlich nutzen. Der mögliche Deckungsbeitrag hängt von Preis-Spreads, verfügbarer Anschlusskapazität, Wirkungsgrad, technischer Verfügbarkeit, Degradation, Vermarktungsstrategie und Betriebskosten ab. Ein Speicherprojekt wird deshalb nicht allein nach der Größe der Batterie bewertet, sondern nach dem Zusammenspiel von Technik, Netzanschluss, Standort und Betriebsmodell. Der Netzanschluss entscheidet Der Netzanschluss verbindet die technische Leistungsfähigkeit mit der wirtschaftlichen Nutzung. Ein Batteriespeicher bezieht Strom und speist ihn wieder ein; dafür braucht er gesicherte Kapazität in beide Richtungen. Ein vorhandenes Kabel allein garantiert diese Kapazität noch nicht. Bezugs- und Einspeisebeschränkungen bestimmen, wie stark ein Speicher handeln und welche Märkte er bedienen kann. Neben Investitionskosten und Batterietechnik zählen daher Anschlusskapazität, Genehmigungslage und Vermarktung zu den zentralen Werttreibern. Auch die Wirkung auf das Stromnetz hängt vom Betrieb ab. Lädt oder entlädt ein Speicher zur falschen Zeit, kann er einen bestehenden Engpass sogar verstärken. Orientiert sich sein Lade- und Entladeplan an der Netzsituation, kann er Überschüsse aufnehmen und den Bedarf an Engpassmaßnahmen reduzieren. Nicht jeder Speicher verringert daher automatisch die Abregelung; Standort, Anschlussbedingungen und Betriebsweise müssen zusammenpassen. Bestehende Standorte als Hebel Wie eng Regulierung und Speicherwirtschaft zusammenhängen, zeigt sich bei bestehenden Photovoltaikanlagen. Welche Auswirkungen negative Strompreise auf den Förderanspruch haben, richtet sich nach der für die jeweilige Anlage anwendbaren Fassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Maßgeblich können insbesondere der Inbetriebnahmezeitpunkt und bei Ausschreibungsanlagen der Zeitpunkt des Zuschlags sein. Während ältere Regelungen eine Verringerung des anzulegenden Werts erst nach mehreren aufeinanderfolgenden Stunden mit negativen Preisen vorsahen, greift die aktuelle Regelung für die von ihr erfassten Anlagen grundsätzlich bereits in Zeiträumen mit negativem Spotmarktpreis. Die konkrete Rechtslage muss deshalb für jedes Projekt individuell geprüft werden. Je nach Mess-, Förder- und Betriebskonzept kann ein Speicher dazu beitragen, die Einspeisung beziehungsweise Vermarktung in günstigere Zeitfenster zu verschieben. Ob und in welchem Umfang gespeicherter Strom gefördert und bilanziell zugeordnet werden kann, hängt von der jeweiligen Anlagenkonfiguration und den anwendbaren regulatorischen Vorgaben ab. Laufende Solarparks verfügen häufig bereits über Flächen, Betriebsdaten und energietechnische Infrastruktur. Lässt sich der Netzanschluss erweitern oder in beide Richtungen nutzen, kann die Nachrüstung eines Speichers die Projektentwicklung gegenüber einem vollständigen Neubau verkürzen. Speicher an Windstandorten Auch bestehende und repowerte Windstandorte können für die Kombination mit Batteriespeichern interessant sein. Vorhandene Umspannwerke, Kabeltrassen, Grundstücksrechte und betriebliche Erfahrungswerte können die Projektentwicklung erleichtern. Entscheidend ist jedoch, ob der Netzanschluss neben der Einspeisung auch einen ausreichenden Strombezug zulässt und welche Leistungsgrenzen in beiden Richtungen gelten. Die räumliche Nähe zu einem Windpark allein garantiert daher noch keine technisch oder wirtschaftlich sinnvolle Speicherintegration. Anschlussrechte, Grundstücks- und Pachtverhältnisse sowie Genehmigungen müssen tatsächlich weiter nutzbar sein. Ein eigenständiges Infrastruktursegment entsteht Der Ausbau von Batteriespeichern erfordert erhebliches Kapital. Gleichzeitig entwickelt sich ein eigenständiges Infrastruktursegment, dessen Erlöse unter anderem von Preisunterschieden am Strommarkt, der Teilnahme an Regelenergie- und weiteren Systemdienstleistungsmärkten sowie von technischer Verfügbarkeit, Wirkungsgrad, Degradation und Betriebskosten abhängen. Bestandsprojekte bieten den Vorteil, dass historische Betriebs- und Ertragsdaten in die Bewertung einbezogen werden können. Entwicklungsprojekte beruhen dagegen stärker auf Prognosen und weisen dementsprechend ein anderes Risikoprofil auf. Die zunehmende Preisvolatilität kann zusätzliche Erlösmöglichkeiten schaffen, erhöht zugleich aber die Anforderungen an die Bewertung von Netzanschluss, technischer Auslegung, Vermarktungsstrategie und Kosten. Die zweite Phase der Energiewende Die nächste Phase der Energiewende braucht beides: den weiteren Ausbau erneuerbarer Erzeugung und Lösungen, die Stromangebot und Nachfrage besser aufeinander abstimmen. Flexibilität heißt dabei ganz konkret, Strom aufzunehmen, wenn viel davon vorhanden ist, und ihn dann bereitzustellen, wenn er gebraucht wird. Batteriespeicher schaffen diesen zeitlichen Puffer. Sie ersetzen weder den Netzausbau noch eine vorausschauende Netzplanung, können das System aber spürbar ergänzen. Ihr Wert entsteht aus dem Zusammenspiel von Standort, Anschluss, Technik und Betrieb. Über Marvin Großkrüger: Marvin Großkrüger ist langjähriger Unternehmer und Gründer der Vestra Wirtschaftskanzlei. Mit GreenBESS entwickelt und strukturiert er Projekte im Bereich Photovoltaik und Großbatteriespeicher. Das Unternehmen fokussiert sich auf den Erwerb und die Weiterentwicklung bestehender Solarparks, die Integration von Batteriespeichern an geeigneten Erzeugungsstandorten sowie die Entwicklung eigenständiger Stand-Alone-Speicherprojekte. Im Mittelpunkt stehen das Zusammenspiel von Netzanschluss, technischer Auslegung, Betriebsmodell und Vermarktung. Foto: © Freepik, WangXina Weitere Beiträge:Bundesnetzagentur beteiligt Öffentlichkeit am Szenariorahmen Strom 2023-2037Ilse Aigner: Erneuerbare Energien schaffen Arbeitsplätze und generieren Steuereinnahmen 2019 ein Allzeithoch für Offshore-Wind