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NRW: Ausbau der Wasserkraft kommt komplett zum Erliegen

PB: Ausbau der Wasserkraft kommt komplett zum Erliegen / ©: LEE NRWPB: Ausbau der Wasserkraft kommt komplett zum Erliegen / ©: LEE NRW
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Doppel-Null beim Wasserkraftausbau in NRW

(WK-intern) – Zum zweiten Mal in Folge ist der Ausbau der Wasserkraft in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr komplett zum Erliegen gekommen.

Damit wird das Potenzial dieses ältesten regenerativen Energieträgers weiterhin unzureichend genutzt.

Im zurückliegenden Jahr ist landesweit kein einziges herkömmliches Wasserkraftwerk neu in Betrieb gegangen. Und nicht nur das: In allen fünf Regierungsbezirken gab es auch keine einzige, öffentlich bekannt gewordene Genehmigung für eine neue Anlage. Lediglich in Düren haben die dortigen Stadtwerke an der historischen Pleußmühle ein kleines Wasserrad nach zwölfjährigem Stillstand im Frühsommer 2025 offiziell reaktiviert – und zwar mit einer Kleinstleistung von 26 Kilowatt. Das zeigt eine vom Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW) vorgenommene Auswertung des Marktstammdatenregisters.

„Der Neubau von Wasserkraftwerken ist in den letzten beiden Jahren faktisch landesweit zum Erliegen gekommen. Beim Ausbau der Wasserkraft steht in Nordrhein-Westfalen eine Doppel-Null – weder bei neuen Inbetriebnahmen noch bei neuen Genehmigungen gibt es Fortschritte“, erklärt LEE NRW-Vorsitzender Hans-Josef Vogel. „Diese Entwicklung steht im deutlichen Widerspruch zu den energie- und klimapolitischen Zielsetzungen der Landesregierung und ist auch wirtschaftspolitisch nicht vertretbar.“ Der fehlende Fortschritt sei zudem mit dem Klimaschutzgebot des Grundgesetzes und der NRW-Landesverfassung nicht vereinbar.

Dabei bestehen weiterhin geeignete Standorte für neue Wasserkraftanlagen etwa an Lippe, Rur oder Werre. „Potenzielle Betreiber haben mit sehr, sehr langen Genehmigungsverfahren zu kämpfen, die – trotz direkter ökologischer Vorteile der Anlagen – von einigen Naturschutzverbänden, aber auch von Behörden massiv blockiert werden“, so Vogel.

Das faktische Aus für neue Wasserkraftprojekte ist für den LEE NRW nicht nachvollziehbar: So ist mit der Wasserkraftnutzung an bestehenden Wehren meist eine ökologische Aufwertung des entsprechenden Flussabschnittes verbunden. Wasserkraftwerke zeichnen sich durch eine äußerst attraktive Erzeugungskurve aus, die sich als Ergänzung für die Wind- und Solarenergieeinspeisung anbietet. „Mit der meist dezentralen Stromnutzung entlastet die gleichmäßige Produktion von Wasserkraftwerken die lokalen und regionalen Stromnetze, was in den heutigen Zeiten ein besonderes Plus ist“, betont Hans-Josef Vogel. Als eine der prägenden Energiequellen der Industrialisierung NRWs des 18./19. Jahrhunderts steht die Wasserkraft bis heute für eine verlässliche und systemdienliche Form der Energieerzeugung.

Zusätzliche Potentiale sieht der LEE NRW in der Kombination von Wasserkraft mit der Nutzung von Gewässerwärme. Durch den Einsatz von Wärmepumpen kann die Aquathermie die dezentrale Strom– und Wärmeerzeugung miteinander verbinden und einen wichtigen Beitrag zur kommunalen Wärmewende leisten.

Schlagzeilen machen derzeit erste Großprojekte wie beispielsweise das des Kölner Regionalversorgers RheinEnergie, wo dem Rhein die notwendige Wärme entzogen werden soll. „Für die Wärmeplanung sind Städte und Gemeinden, die an einem Fluss liegen, gut beraten, zu prüfen, inwieweit sie Aquathermie für die lokale Wärmewende nutzen können“, blickt der LEE NRW-Vorsitzende nach vorne. „Insbesondere Wasserkraft-Standorte bieten ein nicht zu verachtendes Potenzial“. Notwendig seien daher aktuell erste Pilotprojekte, um zu zeigen, dass diese Anwendung funktioniert. „Die Landesregierung täte gut daran, schnell erste Vorhaben finanziell zu unterstützen.“

Einen Hoffnungsschimmer für die Wasserkraftnutzung im Land gibt es: Die NRW-Landeswasserstrategie, die aktuell in der Entwurfsfassung vorliegt, beschreibt ausdrücklich auch das Ziel, die sich in Planung befindlichen Wasserkraftanlagen in NRW zu realisieren und die aktuelle Blockadesituation aufzuheben.

Gleichzeitig enthält der Entwurf auch Aussagen zum „forcierten Rückbau von Querbauwerken“ sowie Regelungsansätze, die das gesetzlich verankerte „überragenden öffentliche Interesse“ am Ausbau der Erneuerbaren Energien in NRW relativieren können. Dazu der LEE NRW-Vorsitzende Hans-Josef Vogel: „Der erste Entwurf der Wasserstrategie ist in zentralen Punkten ambivalent. Einzelne Zielsetzungen stehen offensichtlich im Widerspruch zu geltendem Recht und erschweren den Ausbau der Wasserkraft zusätzlich. Erforderlich sind klare und verlässliche Rahmenbedingungen, die das überragende öffentliche Interesse der Erneuerbaren Energien konsequent zur Anwendung bringen.“

PM: Landesverband Erneuerbare Energien NRW e.V.

PB: Ausbau der Wasserkraft kommt komplett zum Erliegen / ©: LEE NRW








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