Werbung Plötzliches Umdenken beim DIW Berlin: Forschungspolitik hat ihr Energieversprechen verfehlt Erneuerbare & Ökologie Forschungs-Mitteilungen Technik 17. Februar 2026 Hinweis: Die Bildrechte zu den Beitragsfotos finden Sie am Ende des Artikels Ein unabhängiges Monitoring für Forschung zur Kernfusion wird unverzichtbar (WK-intern) – Anhänger der Kernfusion, bei der Atomkerne miteinander verschmolzen werden, werden seit den 1950er Jahren nicht müde zu versprechen, dass diese Technologie für saubere, sichere und nahezu unerschöpfliche Energie sorgen könnte. Kernfusion bleibt trotz jahrzehntelanger Investitionen energiewirtschaftlich irrelevant Privatwirtschaftliche Unternehmen fokussieren zunehmend auf Nischenprodukte mit kurzfristigen Anwendungspotenzialen Deutsche Forschungspolitik sollte öffentlich finanzierte Großforschung evaluieren und stärker auf innovationsnahe Teiltechnologien setzen DIW Berlin entwickelt Methodik für Kernfusions-Monitoring Doch trotz jahrzehntelanger öffentlicher Investitionen in die Grundlagenforschung rückt die energiewirtschaftliche Nutzung nicht näher. Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zeigt: Während öffentliche Großforschungseinrichtungen weiterhin an langfristigen energiewirtschaftlichen Zielen festhalten, konzentrieren sich privatwirtschaftliche Unternehmen zunehmend auf Teilkomponenten wie Magnetentwicklung und Lasertechnik, die kurz- und mittelfristig kommerziell nutzbar sind. „Die Kernfusion ist kein energiewirtschaftliches, sondern ein innovationspolitisches Thema“, betont Studienautor Christian von Hirschhausen, DIW Fellow in der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt, sowie Forschungsdirektor für Internationale Infrastrukturpolitik und Industrieökonomie im DIW Berlin und Leiter des Fachgebiets Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik an der Technischen Universität Berlin. „Die meisten privatwirtschaftlichen Unternehmen arbeiten nicht an der Realisierung eines Fusionskraftwerks, sondern an der Kommerzialisierung von Nischenprodukten.“ Diese Produkte weisen bereits heute höhere technologische Reifegrade auf und bieten klare industrielle Anwendungsfelder, zum Beispiel in der Magnet- und Lasertechnik, Medizin oder im Bausektor. Ob diese Produkte noch staatlicher Förderung bedürfen, muss kritisch geprüft werden. Strukturwandel erfordert Neuausrichtung der Forschungspolitik Mithilfe eines eigens entwickelten Bewertungsverfahren werden vier privatwirtschaftliche Unternehmungen mit öffentlich finanzierten Großforschungsprojekten verglichen. Während die Erwartungshorizonte der Großforschung weit jenseits der 2050er Jahre liegen, setzen private Akteure auf schnellere Innovationszyklen. Angesichts dieser Entwicklung empfehlen die Autor*innen, die bestehenden Strukturen und den energiewirtschaftlichen Fokus der öffentlich finanzierten Forschung grundlegend zu prüfen. „Die deutsche Forschungspolitik sollte sich nicht am Ziel des ersten Fusionskraftwerks der Welt orientieren, sondern die Innovationskraft privater Unternehmen fördern“, meint Studienautorin Charlotte Dering von der Technischen Universität (TU) Berlin. Co-Autor Alexander Wimmers, Gastwissenschaftler in der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt im DIW Berlin empfiehlt zudem: „Öffentliche Mittel sollten gezielt in Technologien mit kurzfristigem Nutzungspotenzial fließen – unabhängig von der energetischen Nutzung der Kernfusion“. Die Diskrepanz zwischen öffentlicher Grundlagenforschung und privatwirtschaftlicher Innovationsdynamik dürfte weiter wachsen. Ein jährliches „Fusion Monitoring“ könnte helfen, Chancen und Risiken der umfangreichen geplanten Forschungsmittel objektiv zu beurteilen – ein Ansatz, der bisher weitgehend fehlt. Für Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt im DIW Berlin zeigt das Bewertungsverfahren bereits jetzt deutlich: „Die Kernfusion wird seit Jahrzehnten für ‚in einigen Jahren‘ angekündigt, liefert aber absehbar keinen Beitrag zur Energieversorgung oder zur Energiewende. Der Sektor ist längst ein innovationsgetriebenes Technologiefeld, dessen wirtschaftliche Perspektive eher auf spezialisierten Nischenprodukten als auf einem funktionierenden Kraftwerk beruht – und damit vor allem auf dem Wettbewerb um Forschungsmittel.“ LINKS: Studie im DIW Wochenbericht 8/2026 Interview mit Studienautor Christian von Hirschhausen Audio-Interview mit Christian von Hirschhausen Veranstaltung heute um 11:30 Uhr: Hype oder Realität – Forschungspolitische Implikationen Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) Das DIW Berlin (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) ist seit 1925 eines der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland. Es erforscht wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Zusammenhänge in gesellschaftlich relevanten Themenfeldern und berät auf dieser Grundlage Politik und Gesellschaft. Das Institut ist national und international vernetzt, stellt weltweit genutzte Forschungsinfrastruktur bereit und fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs. Das DIW Berlin ist unabhängig und wird als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft überwiegend aus öffentlichen Mitteln finanziert. PM: DIW Berlin PB: Ein unabhängiges Monitoring für Forschung zur Kernfusion wird unverzichtbar / ©: DIW Berlin Weitere Beiträge:Stromintensive Industrien müssen in den wind-stromreichen Norden verlegt werdenKernschmelze: Drees & Sommer SE bauen seit Fukushima erfolgreich Atomkraftwerk zurückPV- Kooperation zwischen SMA, ison und LichtBlick entwickeln dynamischen Stromtarif für mehr grüne E...