Werbung DIW Modellanalyse: Höhere CO2-Steuernabgaben können Produktivität der grünen Wirtschaft stärken Erneuerbare & Ökologie Forschungs-Mitteilungen Ökologie 19. August 2026 Hinweis: Die Bildrechte zu den Beitragsfotos finden Sie am Ende des Artikels Modellanalyse zeigt: Höhere CO2-Steuer-Preise lenken Arbeit in klimafreundliche Bereiche, wo Expertise für grüne Transformation entsteht Einnahmen sollten genutzt werden, um Einkommensteuern zu senken und damit Arbeitsanreize zu erhöhen So ließen sich Klimaziele erreichen und zugleich die künftige Produktivität der Wirtschaft sichern (WK-intern) – Höhere CO2-Steuern können nicht nur Emissionen senken, sondern auch die klimaneutrale Wirtschaft fördern. Indem sie emissionsintensive Produktion verteuern, lenken sie Beschäftigung in klimafreundliche Bereiche. Dort sammeln Beschäftigte Erfahrung und bauen Wissen im Umgang mit grünen Technologien auf, wodurch deren Produktivität langfristig steigt. Trotz knapper öffentlicher Kassen kann es deshalb sinnvoll sein, den Staat stärker als bisher gedacht über CO2-Steuern und weniger über Einkommensteuern zu finanzieren. Das geht aus einer Modellanalyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auf Basis von US-Daten hervor. Der zugrunde liegende Mechanismus lässt sich auf andere Volkswirtschaften wie Deutschland übertragen. Hier gibt es zwar keine klassische CO2-Steuer; der CO2-Preis entsteht stattdessen über den Emissionshandel, also eine Mengensteuerung. Für die Lenkungswirkung entscheidend ist aber nicht die konkrete Ausgestaltung, sondern dass Emissionen einen Preis haben. DIW Berlin „Die Sorge, dass höhere CO2-Preise die Wirtschaft vor allem belasten, greift zu kurz. Wer nur die kurzfristigen Kosten der Klimapolitik im Blick hat, übersieht die Lernprozesse, die sie anstößt – und damit ihr Potenzial, die Wirtschaft langfristig zu stärken“, sagt Sonja Dobkowitz, Wissenschaftlerin in der Abteilung Makroökonomie im DIW Berlin. „Ein höherer CO2-Preis ist deshalb auch eine Investition in die Produktivität der Zukunft.“ Höherer CO2-Preis lenkt Arbeit in die grüne Wirtschaft Viele Staaten stehen vor einer großen Herausforderung: Die öffentlichen Mittel sind knapp, gleichzeitig müssen sie die Wirtschaft ankurbeln und das vorgegebene Klimaziel erreichen. Das klingt nach einem Dilemma, lässt sich aber lösen, wie die Studie zeigt. Einnahmen kann der Staat sowohl aus Einkommen- als auch CO2-Steuern generieren. Beide senken aber den Nettolohn und verringern damit die Anreize zu arbeiten. Die CO2-Steuer gilt dabei als weniger effiziente Einnahmequelle: Sie untergräbt nicht nur ihre eigene Grundlage, sondern auch die der Einkommensteuer: Je stärker sie den fossilen Verbrauch zurückdrängt, desto weniger bleibt zu besteuern. Zugleich verschiebt sie Arbeit in den heute noch weniger produktiven grünen Sektor, was den Lohn und damit auch das Arbeitseinkommen als zweite Steuerbasis senkt. „Die Sorge, dass höhere CO2-Preise die Wirtschaft vor allem belasten, greift zu kurz. Wer nur die kurzfristigen Kosten der Klimapolitik im Blick hat, übersieht die Lernprozesse, die sie anstößt – und damit ihr Potenzial, die Wirtschaft langfristig zu stärken.“ Sonja Dobkowitz Die Modellergebnisse zeigen aber, dass die Lenkungswirkung einer CO2-Steuer diese Nachteile mehr als aufwiegt: Ein höherer CO2-Preis verschiebt Arbeit in klimafreundliche Bereiche. Weil Beschäftigte dort Erfahrung mit grünen Technologien sammeln, steigt langfristig deren Produktivität. Die Modellergebnisse sprechen deshalb dafür, den CO2-Preis höher anzusetzen, als es allein aufgrund der sozialen Kosten der Emissionen geboten wäre. CO2-Einnahmen sollten für niedrigere Einkommensteuern genutzt werden Die zusätzlichen Einnahmen aus der CO2-Besteuerung sollten der Studie zufolge genutzt werden, um die Einkommensteuer zu senken. Das würde den Nettolohn erhöhen und somit die Arbeitsanreize stärken. So kann dem hemmenden Effekt der CO2-Steuer entgegengewirkt und der Wirtschaft ein weiterer Impuls gegeben werden. Da das Modell von einem durchschnittlichen Haushalt ausgeht, kann es keine Verteilungswirkungen abbilden. Weil höhere CO2-Preise Haushalte mit niedrigen Einkommen relativ stärker belasten, müssten solche Haushalte gezielt entlastet werden. Wie dies konkret ausgestaltet werden sollte, war aber nicht Gegenstand der Untersuchung. Das verwendete Modell berücksichtigt zudem nicht die denkbaren Folgen höherer CO2-Preise wie Produktionsverlagerungen energieintensiver Industrien ins Ausland. Langfristig spricht die Steigerung der Produktivität aber für einen Wettbewerbsvorteil. Der aufgezeigte Mechanismus bleibt in jedem Fall gültig: Höhere CO2-Steuern würden helfen, die grüne Transformation kostengünstiger zu gestalten. „Ein niedriger CO2-Preis mag mit Blick auf die kurzfristige wirtschaftliche Entwicklung zwar bequem erscheinen, ist aber nicht kostenlos“, betont Studienautorin Dobkowitz. „Mit ihm wird auf einen Teil des Wissens und der Produktivität verzichtet, die eine klimaneutrale Wirtschaft künftig tragen.“ Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) Das DIW Berlin (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) ist seit 1925 eines der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland. Es erforscht wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Zusammenhänge in gesellschaftlich relevanten Themenfeldern und berät auf dieser Grundlage Politik und Gesellschaft. Das Institut ist national und international vernetzt, stellt weltweit genutzte Forschungsinfrastruktur bereit und fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs. Das DIW Berlin ist unabhängig und wird als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft überwiegend aus öffentlichen Mitteln finanziert. PM: DIW PB: DIW Modellanalyse: Höhere CO2-Steuernabgaben können Produktivität der grünen Wirtschaft stärken / ©: DIW Weitere Beiträge:Verkehrsminister Dobrindt hat die Ergebnisse des so genannten Innovationsforums Planungsbeschleunigu...Schneller Ausbau der erneuerbaren Energien führt zu einer kräftigen KostenersparnisFraunhofer-Gesellschaft errichtet Zentrum für Energiespeicher und Brennstoffzellen