Werbung EEG & Netzanschlusspaket: „Abschöpfung bestraft Stromanbieter mit eigenen Ökostromanlagen“ Erneuerbare & Ökologie Verbraucherberatung 22. Juli 2026 Hinweis: Die Bildrechte zu den Beitragsfotos finden Sie am Ende des Artikels (WK-intern) – Die naturstrom AG begrüßt, dass die langerwarteten Gesetzentwürfe zu EEG und Netzpaket endlich in den politischen Prozess kommen. Der Öko-Energieversorger hat Stellungnahmen zu den Entwürfen eingereicht und sieht noch viel Verbesserungspotenzial. Vorstandsvorsitzender Oliver Hummel kommentiert: „Es war allerhöchste Zeit, dass die Regierung endlich ihre Pläne zur Weitergestaltung der Energiewende vorgelegt hat. Die Entwürfe zu EEG und Netzanschlusspaket enthalten einige gute Ansätze, es gibt aber auch noch Leerstellen – und vor allem drohen größere neue Hemmnisse. So werden die Erneuerbaren Energien nicht wie notwendig für Klimaschutz, Wirtschaft und Resilienz entfesselt, sondern eher eingebremst! Ich hoffe, dass es zu den Vorschlägen in den nächsten Wochen noch viel Austausch gibt, nachdem in der vorherigen monatelangen Wartezeit nur begrenzt auf die Einschätzungen aus der Praxis eingegangen wurde und die Zeit für eine offizielle Beteiligung über eine Stellungnahme nun extrem kurz gesetzt wurde.“ Ausgestaltung der Abschöpfung verhindert günstigen Grünstrom Neu eingeführt wird etwa eine Erlösabschöpfung bei EEG-geförderten Anlagen, was den Abschluss von direkten Lieferverträgen, sogenannten PPAs, und damit die Belieferung von Haushalten und Unternehmen mit Grünstrom aus Wind- und Solaranlagen in Deutschland erschwert. Hummel begrüßt zwar grundlegend die Förderumstellung, sieht aber noch konkreten Anpassungsbedarf: „Es ist richtig, dass der Staat bei geförderten Anlagen die Erlöse begrenzt und mit der Abschöpfung Verbraucher:innen in Hochpreiszeiten entlastet. Aber es sollte weiter die Möglichkeit geben, den Ökostrom aus unternehmenseigenen Wind- und Solaranlagen direkt zu günstigen Preisen an die Kund:innen zu liefern, ohne dann hohe Abschöpfungsbeträge zu bezahlen. Die Regelung im aktuellen EEG-Entwurf bestraft Stromanbieter, die vorausschauend in eigene Ökostromanlagen investiert haben.“ Ein Marktwertkorridor bei der Abschöpfung könnte PPAs besser ermöglichen und würde so das angestrebte marktnahe, effiziente Refinanzierungssystem voranbringen. Helfen würden hierbei zudem Vorschläge zu einer einfacheren Direktversorgung oder zu einer praxisnahen Nutzen-statt-Abregeln-Option – beide schon im Koalitionsvertrag genannte Themen wurden bisher nicht aufgegriffen. Auch mit Blick auf das Projektierungsgeschäft des Unternehmens zieht Hummel eine eher gemischte Bilanz und warnt vor neuen Hürden: „Mit dem EEG 2027 werden die Ausbaupfade für die nächsten Jahre erst einmal fortgeschrieben, das ist ein richtiges Signal. Die zusätzlichen Windenergiemengen und die Verbesserung beim Referenzertrag für Wind im Süden sind ebenfalls sehr zu begrüßen und absolut nötig als Grundlage und Impuls für neues Wirtschaftswachstum. Dass beim Referenzertragsmodell aber nicht nur Verbesserungen im Süden, sondern gleichzeitig Verschlechterungen für die nördliche Hälfte Deutschlands vorgesehen sind, ist nicht nachvollziehbar. Die Energiewende braucht Rückenwind statt neuer Bremsen!“ Redispatch-Vorbehalt bleibt ein Risiko Ähnliche Bedenken weckt auch das Netzanschlusspaket, in dem der viel diskutierte Redispatch-Vorbehalt zwar nicht mehr so genannt wird, aber grundsätzlich enthalten bleibt. Hummel warnt: „Die Unsicherheiten für Projektierer sind durch die verringerten Schwellenwerte beim Redispatch-Vorbehalt zwar etwas gemildert, bleiben aber grundsätzlich erhalten. Der Ansatz des Wirtschaftsministeriums verlagert die Verantwortung für den zu langsamen Netzausbau einseitig auf die Projektierer und ist zudem potenziell europarechtswidrig. Das ist unpassend für das eigentlich angestrebte moderne und flexible Energieversorgungssystem. Eine bessere Verknüpfung von Netz und Erzeugung ist zwar nachvollziehbar, die ebenfalls vorgesehene Einführung der systemdienlichen Anschlussleistung ist hier aber ein deutlich zielführender Weg. Allerdings braucht es auch für diesen Vorschlag noch passende Übergangsregelungen für weit fortgeschrittene Projekte, die Leistungsbegrenzung kann nicht pauschal ab 2027 und damit auch für längst fertiggeplante Projekte kommen.“ Als weitere potenzielle Energiewende-Bremse sieht Hummel zudem den geplanten Förderentfall für PV-Kleinanlagen. Trotz des auch bei diesem Thema nachvollziehbaren Ziels einer stärker marktorientierten Nutzung des Solarstroms empfiehlt er eine praxisnähere Lösung: „Mehr Preissignale auch für Solarstrom vom Dach ist das richtige Zielbild. Aber damit Direktvermarktung wirklich massentauglich mit Kleinanlagen funktioniert, braucht es andere Prozesse und ein viel besser digitalisiertes Energiesystem. Dies sollte die Regierung zuerst umsetzen, anstatt die Menschen flächendeckend zum Versuchskaninchen zu machen. Die Ausweitung der Direktvermarktung oder gar der Förderentfall wären nämlich nicht nur im Einfamilienhaus ein Problem, sondern auch für Mieterstromangebote im Mehrfamilienhaus. Daher gilt die klare Devise: Erst muss es funktionierende Angebote geben, dann kann die PV-Förderung umgestellt werden. Ansonsten droht ein massiver Markteinbruch in diesem Segment und damit erhebliche Arbeitsplatz- und Wertschöpfungsverluste.“ Die naturstrom AG wurde 1998 in Düsseldorf gegründet und versorgt über 300.000 Haushalte, Unternehmen und Institutionen mit Ökostrom, Ökogas und Wärme aus Erneuerbaren Energien. Als größter unabhängiger Ökostromanbieter Deutschlands treibt naturstrom mit mehr als 500 Mitarbeitenden an 17 Standorten den Ausbau dezentraler Erneuerbarer Energien voran und hat bereits über 350 Öko-Kraftwerke mit realisiert. Das Unternehmen projektiert und betreibt Wind- und Solarparks, entwickelt verbrauchsnahe Versorgungslösungen für Quartiere, Betriebe sowie Kommunen und ist auch als innovativer Mobilitätsdienstleister aktiv. Foto: Windenergie und Photovoltaik in Ramsthal, Bayern. Bildrechte: naturstrom AG Weitere Beiträge:Das Internationale Geothermiezentrum (GZB) an der Hochschule Bochum hat ihre Erdwärmeanlage fertigge...RWE eröffnet Nordex-Windpark Beg Ar C’Hra in der französischen BretagneFrei Energieübertragung: Batterielose Energie für das Internet der Dinge