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Dynamische Netzentgelte entlasten Stromnetze und reduzieren Kosten

Europäische Öffnung der Erneuerbaren-Ausschreibung, Finanzierung der Stromnetze und des Kernenergieausstiegs / Foto: HB
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Pilotprojekt zeigt: Dynamische Netzentgelte entlasten Stromnetze und reduzieren Kosten für Endkund:innen

(WK-intern) – Grids & Benefits präsentiert Ergebnisse zur Abschlussveranstaltung im Munich Urban Colab

Wie können Kund:innen dazu beitragen, Stromnetze effizienter zu nutzen? Genau das zeigt das Co-Innovationsprojekt Grids & Benefits.

In einem Pilotvorhaben wurde erstmals praxisnah demonstriert, wie dynamische Netzentgelte im Verteilnetz umgesetzt werden können – und wie sie markt- und netzdienliches Laden von Elektrofahrzeugen ermöglichen.

Stromnetze sind das Rückgrat des Energiesystems. Mit dem Hochlauf erneuerbarer Energien sowie der zunehmenden Elektrifizierung von Mobilität und Wärme geraten sie jedoch zunehmend unter Druck. Vor diesem Hintergrund gewinnen neue Instrumente für eine effizientere Netzauslastung an Bedeutung. Auch die Bundesnetzagentur reformiert derzeit im Rahmen des AgNes-Prozesses die Netzentgeltsystematik – genau hier setzt das Projekt Grids & Benefits an.

Partner und Umsetzung

Zwischen März und Dezember 2025 entwickelte ein interdisziplinäres Konsortium aus Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern, Energieversorgern, Aggregatoren, Fahrzeugherstellern, Wissenschaft und Beratung ein grundlegendes Konzept zur Berechnung dynamischer Netzentgelte und erprobte dieses in einem Feldtest. Ziel war es, das damit verbundene Lastverschiebepotenzial sowie mögliche Kosteneinsparungen für Endkund:innen zu bewerten. Unter der Leitung von UnternehmerTUM waren beteiligt: Bayernwerk Netz GmbH, BMW AG, LEW Verteilnetz GmbH, EWE NETZ GmbH, TransnetBW GmbH, MAINGAU Energie GmbH, Neon Neue Energieökonomik, Octopus Energy, The Mobility House Energy GmbH, TenneT Germany sowie die RWTH Aachen Universität.

Entlastung der Stromnetze durch markt-und netzdienliche Preisanreize

Mit der zunehmenden Elektrifizierung von Mobilität und Wärme steigt die Belastung der Verteil- und Übertragungsnetze deutlich. Für eine breite Marktdurchdringung der Elektromobilität ist daher eine intelligente Steuerung von Ladevorgängen entscheidend. Elektrofahrzeuge sollten bevorzugt dann laden, wenn Strom aus erneuerbaren Energien in großer Menge verfügbar ist oder das Netz über freie Kapazitäten verfügt.

Bislang fehlte jedoch ein wirksames Signal für die aktuelle Netzauslastung sowie ein Anreiz für Endkund:innen, sich netzdienlich zu verhalten – also dann zu laden, wenn erneuerbare Energien andernfalls abgeregelt würden. Grids & Benefits schließt diese Lücke: Erstmals wird der Netzzustand mithilfe dynamischer Netzentgelte transparent abgebildet.

Die Wirkung eines solchen Netzentgelts auf Verbraucher:innen in der Niederspannung wurde anhand von Elektrofahrzeugen untersucht.

Das Preissignal leitete sich aus der Netzlast beziehungsweise spezifischen Engpasskosten (Redispatch) auf Höchst-, Hoch- und Mittelspannungsebene ab. Ziel ist es, Anreize für netzdienliches Verhalten zu schaffen, Engpasskosten zu senken und den Netzausbau langfristig effizienter zu gestalten.

Mit Grids & Benefits zeigen wir, wie Flexibilität auf der Nachfrageseite gezielt aktiviert werden kann – technisch machbar, automatisiert und mit echtem Mehrwert für Netzinfrastruktur und Kund:innen sagt Veronika Brandmeier, Head of UnternehmerTUM Energy

Dynamische Netzentgelte können dazu beitragen, die vorhandene Netzkapazität effizienter zu nutzen und Investitionen volkswirtschaftlich sinnvoll zu steuern.

Grids & Benefits zeigt am Beispiel der Elektromobilität, wie sich Flexibilität auf Kundenseite aktivieren lässt – automatisiert, marktorientiert und mit Mehrwert für das Gesamtsystem. Damit leisten wir unseren Beitrag zu einem effizienten Energiesystem. ergänzt Dr. Markus Binder, CFO von TenneT Germany

Pilotierung und Ergebnisse

Im Rahmen des Pilotprojekts wurden 10.600 Kund:innen von MAINGAU an öffentlichen Ladepunkten durch vergünstigte Ladepreise dazu angereizt, in netzdienlichen Zeitfenstern zu laden. Zusätzlich nahmen rund 500 Kund:innen der Aggregatoren The Mobility House Energy und Octopus Energy beim Laden zu Hause mit dynamischen Netzentgelten am Pilot teil.

Hierfür berechneten EWE NETZ, LEW Verteilnetz, Bayernwerk Netz und TransnetBW netzgebietsspezifische, viertelstundenscharfe Netzentgelte, die jeweils am Vortag um 10:00 Uhr veröffentlicht wurden. Die Aggregatoren integrierten diese Netzentgelte in ihre bestehenden Optimierungslogiken und machten die Netzauslastung damit erstmals zu einem wirksamen Preissignal für Kund:innen.

Die Wirkung war deutlich: Über 70 % der Ladevorgänge sowie rund 20 % der geladenen Energie wurden im Anwendungsfall der Aggregatoren The Mobility House Energy und Octopus Energy netzdienlich verschoben. Insgesamt zeigte sich eine klare Verlagerung der Ladevorgänge in Zeiten geringerer Netzauslastung. Für Verbraucher:innen bedeutete das im Pilot umgesetzte Konzept eine durchschnittliche Reduktion der Netzentgelte um 2 Cent pro Kilowattstunde, in der Spitze sogar bis zu 10 Cent pro Kilowattstunde.

Beim öffentlichen Laden informierte die MAINGAU Autostrom App über vergünstigte Zeitfenster. Ab einer Preisreduzierung von 20 Cent pro Kilowattstunde zeigten Kund:innen eine erkennbare Bereitschaft zur aktiven Anpassung ihres Ladeverhaltens; wodurch 10 % der Ladevorgänge in netzdienliche Zeitfenster verschoben werden konnten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass beim öffentlichen Laden grundsätzlich eine geringere Flexibilität hinsichtlich des Ladezeitpunkts besteht als beim Laden an der heimischen Ladestation.

Die systemischen und volkswirtschaftlichen Effekte sowie das langfristige Einsparpotenzial dynamischer Netzentgelte für Netzbetreiber wurden im Projekt nicht abschließend untersucht.

Vollautomatisierte, skalierbare Technologiekette

Technisch umgesetzt wurde das Projekt über die IT-Infrastruktur der StromGedacht-App des Übertragungsnetzbetreibers TransnetBW. Das Konsortium zeigt damit, wie dynamische Netzentgelte netzebenenübergreifend, automatisiert sowie zeitlich und räumlich aufgelöst von Verteilnetzbetreibern an Marktteilnehmer übermittelt werden können.

Für eine flächendeckende Skalierung gilt es nun, die im Projekt pilotierte, provisorische Prozesskette in die bestehende Marktkommunikation zu integrieren, sodass dynamische Netzentgelte künftig von Verteilnetzbetreibern bundesweit effizient angewendet werden können.

Ausblick

Die Ergebnisse von Grids & Benefits werden am 29.01.2026 im Munich Urban Colab vorgestellt und vor dem Hintergrund der aktuellen laufenden Netzentgelt-Reformen der Bundesnetzagentur (AgNes) mit einem Fachpublikum aus Energiewirtschaft, Politik und Wissenschaft diskutiert. Neben den Erfahrungen aus der Pilotierung sowie der Bedeutung dynamischer Netzentgelte für eine effizientere, netzdienliche Nutzung der Stromnetze, stehen praxisnahe Umsetzungsvorschläge für die Dynamisierung von Netzentgelten aus dem Projektkonsortium im Fokus.

Über UnternehmerTUM Energy

UnternehmerTUM Energy ist ein branchenübergreifendes Innovations- und Kooperationsformatinnerhalb des UnternehmerTUM-Ökosystems, das Unternehmen, Start-ups, Technologiepartner und Forschungseinrichtungen zusammenbringt, um gemeinsam die Energiewende voranzutreiben. Es zielt darauf ab, die Sektorenkopplung zwischen Energie, Mobilität, Industrie und Technologie zu beschleunigen und praktikable, nachhaltige Lösungen für aktuelle Herausforderungen der Energieversorgung zu entwickeln.

PM: TenneT

Dynamische Netzentgelte entlasten Stromnetze und reduzieren Kosten / Foto: HB








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