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LEE NRW WARNT VOR FALSCHEM FOKUS DER BUNDESREGIERUNG

PB: EWI-GUTACHTEN ZU SYSTEMKOSTEN - LEE NRW WARNT VOR FALSCHEM FOKUS DER BUNDESREGIERUNG – SYSTEMKOSTEN MÜSSEN MASSSTAB DER ENERGIEPOLITIK WERDEN
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EWI-GUTACHTEN ZU SYSTEMKOSTEN – SYSTEMKOSTEN MÜSSEN MASSSTAB DER ENERGIEPOLITIK WERDEN

(WK-intern) – Eine kostenoptimierte Ausgestaltung des deutschen Stromsystems mit mehr Erneuerbaren Energien könnte bis 2045 rund 70 Milliarden Euro gegenüber den aktuellen Systemumbauplänen einsparen.

Zu diesem Ergebnis kommt ein neues Gutachten des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) im Auftrag des Landesverbandes Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW).

Die Ergebnisse stehen dabei im deutlichen Kontrast zum aktuellen Kurs der Bundesregierung beim kürzlich beschlossenen Netzpaket. Das Gutachten zeigt: Ein Stromsystem, das den Ausbau der Erneuerbaren Energien bremst und stattdessen stärker auf fossile Energien setzt verursacht langfristig deutlich höhere volkswirtschaftliche Kosten. Ab dem Jahr Jahr 2045 wäre die Kostendifferenz zum kostenoptimalen Szenario jedes weitere Jahr rund zwölf Milliarden Euro.

„Die Bundesregierung setzt auf der zum einen wieder verstärkt auf fossile Energieträger und Kraftwerke, ohne die dadurch anfallenden Kosten zu beziffern, während zum anderen insbesondere Kosten des Redispatch betrachtet werden, also Vergütung von aufgrund von Netzengpässen abgeregelten Strom. Die EWI-Ergebnisse zeigen aber: Wer nur einzelne Kostenpositionen betrachtet, läuft Gefahr, das Gesamtsystem teurer zu machen“, sagt Hans-Josef Vogel, Vorstandsvorsitzender des LEE NRW. „Entscheidend sind nicht einzelne Gigawattzahlen oder Abregelungsmengen, sondern die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten des neuen Stromsystems.“

Das EWI vergleicht in dem Gutachten drei Entwicklungspfade für ein klimaneutrales Stromsystem bis 2045. Im kostenoptimalen Szenario spielen Windenergie an Land und Freiflächen-Photovoltaik eine größere Rolle. Gleichzeitig werden Erzeugung und Netzinfrastruktur besser aufeinander abgestimmt sowie dezentrale Flexibilitäten stärker genutzt. Ein geringerer Ausbau der Erneuerbaren Energien führt dagegen mittel- bis langfristig zu höheren Kosten sowie steigenden Strom- und Wasserstoffimporten.

„Mehr Erdgas und perspektivisch importierter Wasserstoff sind keine Strategie zur dauerhaften Kostensenkung“, so Vogel. „Ein solches System verlagert Kosten von Investitionen hin zu Brennstoffen und Importen. Damit steigen zugleich die Abhängigkeit Deutschlands von internationalen Märkten und die langfristigen Kosten für Wirtschaft und Verbraucher.“

Gesamtkosten sind der richtige Maßstab, nicht einzelne Kostenbestandteile

Besonders kritisch bewertet der LEE NRW die aktuelle politische Konzentration auf Redispatchkosten. Die EWI-Modellierung zeigt zwar, dass ein verzögerter und langfristig geringerer Ausbau der Erneuerbaren Energien die Abregelungsmengen reduzieren kann, mittel- und langfristig würden dadurch jedoch die Gesamtsystemkosten deutlich steigen.

„Die entscheidende Frage ist nicht, wie wir kurzfristig Kostenpositionen minimieren. sondern vielmehr, wie wir auf längere Sicht die steigende Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien mit möglichst geringen Gesamtsystemkosten erzeugen und nutzen. Dafür müssen Erzeugung, Netze, Speicher und Flexibilitäten optimal zusammenspielen“, erklärt Christian Vossler, Geschäftsführer des LEE NRW.

Nach Auffassung des LEE NRW bleibt genau dieser ganzheitliche Ansatz im aktuellen Netzpaket noch auf der Strecke. Es sprichts nichts dagegen darüber nachzudenken, wie Anlagen erst dort gebaut werden können, wo die Netze schon vorhanden sind. Allerdings darf dabei nicht vergessen werden, dass die derzeitigen Redispatchkosten erst so hoch werden konnten, weil der Netzausbau entscheidend verschleppt wurde. Genau hier fehlen im Netzpaket konsequente Regelungen: Wirksame Anreize für einen schnelleren Netzausbau, bessere Auslastung der bestehenden Netze und mehr Transparenz fehlen leider genauso wie Sanktionen für einen verschleppten Netzausbau.

Stattdessen werden zusätzliche Pflichten und wirtschaftliche Risiken überwiegend den Betreibern der Erneuerbaren Energien auferlegt. Besonders zeigt sich dies beim Redispatchvorbehalt: Die Wirtschaftlichkeit neuer Projekte hängt dadurch künftig noch stärker von der Entwicklung der Netze ab – auf deren Ausbau und zeitliche Verfügbarkeit die Anlagenbetreiber selbst keinen Einfluss haben. Das schafft zusätzliche Unsicherheiten bei der Finanzierung und trifft insbesondere Bürgerenergiegesellschaften sowie kleine und mittelständische Projektierer, die gemeinsam mit regionalen Banken einen wesentlichen Teil der Energiewende vorantreiben. Werden diese Akteure durch zusätzliche Risiken aus dem Markt gedrängt, hat das langfristige Folgen: Regionale Wertschöpfung geht verloren und die Akteursvielfalt nimmt ab. Damit würden ausgerechnet diejenigen geschwächt, die den Ausbau der Erneuerbaren Energien bislang maßgeblich vorangetrieben und zugleich für eine hohe Akzeptanz der Energiewende vor Ort gesorgt haben.

„Das ist ein Bärendienst für die Energiewende. Die bestehenden Probleme werden lediglich verschoben und nicht gelöst“, erläutert Vossler. „Die Verantwortung für ein kosteneffizientes Stromsystem müssen Netzbetreiber und Betreiber der Erneuerbaren Energien gemeinsam verbindlich wahrnehmen.“

Netzpaket muss zum Zukunftspaket weiterentwickelt werden

Das aktuelle EWI-Gutachten bestätigt nochmals eine zentrale Aussage des Energiewende-Monitorings, das EWI und BET Consulting für das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie erstellt haben: Energiepolitische Entscheidungen müssen konsequent an den Gesamtsystemkosten ausgerichtet werden.

Dafür identifiziert das Gutachten einen großen Hebel: die systemdienlichere Ausgestaltung von Wind- und Photovoltaikanlagen. Die Wirkleistungsbegrenzung im aktuellen Entwurf des Netzpakets setzt daran an und stellt die Weichen für systemdienlichere Anlagen.

„Entscheidend ist jetzt, dieses Instrument geschickt auch in Kombination mit dem neuen EEG weiterzuentwickeln, um wirksam die Gesamtsystemkosten nachhaltig zu senken, ohne den erfolgreichen Ausbau der Erneuerbaren Energien in seiner jetzigen Form zu gefährden. Sehr wichtig ist darüber hinaus zu beachten, dass die im Netzpaket vorgeschlagenen Instrumente nicht kumulativ zulasten der Erneuerbaren Energien wirken, sondern sich gegenseitig ergänzen“, fordert Vossler.

Zu vergleichbaren Ergebnissen kommt auch eine aktuelle Studie von BET Consulting. Sie beziffert das Einsparpotenzial eines systemdienlichen Strommarktdesigns auf mehr als 120 Milliarden Euro bis 2045. Allein die Netzausbaukosten könnten demnach um rund 80 Milliarden Euro sinken, gleichzeitig ließe sich der Bedarf an Back-up-Kapazitäten um etwa 18 Gigawatt reduzieren.

Der LEE NRW fordert die Bundesregierung auf, das vom Bundeskabinett beschlossene Netzpaket im parlamentarischen Verfahren so zu justieren, dass langfristig die volkswirtschaftlich sinnvollste Lösung erreicht wird.

„Das EWI-Gutachten zeigt eindeutig, dass ein Stromsystem mit einem starken Ausbau der Erneuerbaren Energien mittel- und langfristig die geringsten volkswirtschaftlichen Kosten bei gleichzeitig höchster Unabhängigkeit verursacht“, erklärt Vossler. „Mit dem derzeit vom Bundeskabinett beschlossenen Netzpaket sowie den Plänen, mehr neue Gaskraftwerke auszuschreiben, steuert die Bundesregierung faktisch auf den Entwicklungspfad zu, den das EWI als deutlich teurer identifiziert.“

Hinzu kommt: Je schneller die Stromnachfrage in Deutschland wächst – etwa durch die zunehmende Elektrifizierung von Industrie, Wärme, Verkehr und den enorm steigenden Bedarf durch Rechenzentren –, desto früher zeigt sich der Kostenvorteil eines Stromsystems mit einem hohen Anteil Erneuerbarer Energien. Ein heute ausgebremster Ausbau lässt sich in einigen Jahren nicht einfach nachholen. Sind Investoren und regionale Akteure erst einmal aus dem Markt gedrängt und fossile Strukturen verfestigt, gehen wichtige Investitions- und Umsetzungskapazitäten dauerhaft verloren.

„Das parlamentarische Verfahren muss deshalb genutzt werden, um aus dem Netzpaket ein echtes Zukunfts- und Kostensenkungspaket zu machen. Dazu gehören verbindliche Ausbau- und Steuerungsvorgaben für Netzbetreiber sowie Rahmenbedingungen, die eine systemdienliche Auslegung der Erneuerbaren Energien fördern statt ausbremsen. Nur so lassen sich die Systemkosten nachhaltig senken und die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland stärken“, so Christian Vossler abschließend.

Gutachten_KosteneffizienzimStromsystem (PDF, 1,69 MB)

PM: LEE NRW

PB: EWI-GUTACHTEN ZU SYSTEMKOSTEN – LEE NRW WARNT VOR FALSCHEM FOKUS DER BUNDESREGIERUNG – SYSTEMKOSTEN MÜSSEN MASSSTAB DER ENERGIEPOLITIK WERDEN / ©: LEE NRW








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