Werbung CO₂-Entnahme muss womöglich schneller wachsen als Solarenergie, um Klimaziele erreichbar zu machen Behörden-Mitteilungen Ökologie Technik 2. Juni 2026 Hinweis: Die Bildrechte zu den Beitragsfotos finden Sie am Ende des Artikels Die dritte Ausgabe des Berichts „State of Carbon Dioxide Removal“ zeigt: Die bisherigen nationalen Zusagen zur CO₂-Entnahme aus der Atmosphäre bleiben bis 2050 um mehr als 5 Milliarden Tonnen pro Jahr hinter den Mengen zurück, die in Szenarien zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5°C benötigt werden. (WK-intern) – Um diese Lücke zu schließen, müsste die CO₂-Entnahme laut dem Bericht ähnlich schnell wachsen wie derzeit stark expandierende Technologien wie Solarenergie und Elektroautos oder sogar noch schneller. An dem Bericht waren auch Forschende des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) beteiligt. „Bis 2035 haben Länder rund 2,7 Milliarden Tonnen CO₂-Entnahme zugesagt, bis 2050 etwa 3,6 Milliarden Tonnen. Klimaszenarien, die die Erwärmung wieder auf 1,5°C senken, brauchen aber deutlich mehr, vor allem langfristig“, sagt William Lamb, PIK-Forscher und Mitautor des Berichts. „Die Lücke wächst deshalb mit der Zeit stark an. Die meisten Zusagen setzen auf Wälder und andere landbasierte Maßnahmen, während neue Technologien bislang nur eine kleine Rolle spielen. Wenn Emissionen nicht schneller sinken, wird die Lücke noch größer.“ Derzeit werden jedes Jahr etwa 2,2 Milliarden Tonnen CO₂ aus der Atmosphäre entfernt, fast ausschließlich durch landbasierte Maßnahmen wie Wiederaufforstung. Neue Technologien, die CO₂ etwa mithilfe von Maschinen oder Mineralien dauerhaft binden, machen bislang nur etwa 0,1 Prozent der gesamten Entnahmen aus. Allerdings wachsen sie derzeit um rund 40 Prozent pro Jahr. Emissionen senken bleibt oberste Priorität Das Autorenteam betont, dass schnelle Emissionsminderungen weiterhin oberste Priorität haben. Gleichzeitig brauche es zusätzliche Kapazitäten zur CO₂-Entnahme, um Emissionen auszugleichen, die sich nur schwer vermeiden lassen. Außerdem sei CO₂-Entnahme entscheidend, um die Erwärmung nach einer Überschreitung wieder auf 1,5°C oder darunter zu senken. Dafür müssten die globalen Emissionen zeitweise netto negativ werden. Bereits vor dem Erreichen von Netto-Null könne CO₂-Entnahme helfen, den Höhepunkt der Erwärmung niedriger zu halten. „Wir können uns nicht auf eine einzige Methode zur CO₂-Entnahme verlassen“, sagt Sabine Fuss, PIK-Forscherin und Mitautorin des Berichts. „Konservative Schätzungen gehen für einzelne Methoden von Potenzialen von jeweils etwa einer Milliarde Tonnen CO₂ pro Jahr aus. Deshalb brauchen wir einen breiten Mix verschiedener Ansätze, die zu unterschiedlichen Regionen und Anwendungen passen. Das schafft Flexibilität und senkt Kosten und Risiken für Nachhaltigkeit.“ Trotz der erwarteten Lücke nimmt die Aktivität im Hintergrund zu: Fördermittel für Forschung, Pilotprojekte und Start-ups im Bereich CO₂-Entnahme wachsen. Inzwischen entfallen rund 3 Prozent der weltweiten Investitionen in Klimatechnologien auf diesen Bereich. Nach einem Rückgang der allgemeinen Klimainvestitionen stiegen die Investitionen in CO₂-Entnahme zuletzt wieder an. Aktivitäten konzentrieren sich auf wenige Länder Die Autorinnen und Autoren geben jedoch zu bedenken, dass das heutige System zur CO₂-Entnahme noch fragil ist. In den vergangenen Jahren wurden nur etwa 20 Prozent der geplanten Kapazitäten für neue CO₂-Entnahme-Technologien tatsächlich umgesetzt. Das zeigt, wie schwierig es ist, Projekte bis in den Betrieb zu bringen. „Ob mehr in CO₂-Entnahme investiert wird, hängt stark davon ab, ob Unternehmen künftig eine stabile Nachfrage erwarten können“, sagt Morgan Edwards, Hauptautorin des Berichts und Assistenzprofessorin an der University of Wisconsin-Madison. „Im Moment ist diese Nachfrage aber noch sehr unsicher. Viel passiert nur in wenigen Ländern und bei wenigen Technologien. Das macht den Bereich anfällig: Wenn sich politische Regeln oder finanzielle Anreize ändern, kann das den Fortschritt weltweit ausbremsen.“ Ohne schnellere Emissionsminderungen und eine stärkere, verlässlichere Nachfrage nach hochwertiger CO₂-Entnahme wird die Lücke zwischen der heutigen und der für die Klimaziele benötigten Kapazität weiter wachsen. Dadurch werden die Klimaziele deutlich schwieriger und teurer zu erreichen. Über den Bericht „State of Carbon Dioxide Removal“ Der Bericht ist die erste unabhängige globale Bestandsaufnahme zur CO₂-Entnahme. Er wird von Fachleuten der University of Oxford, des German Institute for International and Security Affairs, des PIK, der University of Wisconsin–Madison und der University of Maryland erstellt. Der Bericht analysiert Fortschritte, identifiziert Lücken und liefert wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse für politische und gesellschaftliche Entscheidungen. Weitere Informationen: www.stateofcdr.org Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ist ein unabhängiges, gemeinnütziges Forschungsinstitut, das 1992 gegründet wurde. Es hat sich zum Ziel gesetzt, die wissenschaftlichen Grenzen der interdisziplinären Klimaforschung für globale Nachhaltigkeit zu erweitern und Wissen und Lösungen für eine sichere und gerechte Klimazukunft beizusteuern. Die rund 500 Beschäftigten des Instituts sind hauptsächlich in Potsdam tätig. Das PIK ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Bericht Edwards, M., Geden, O., Gidden, M., Lamb, W., Minx, J., Nemet, G., Smith, S., Bellamy, R., Brutschin, E., Diaz Anadon, L., Fuss, S., Grassi, G., Johnstone, I., Lebling, K., Lunstrum, A., Müller-Hansen, F., Portugal-Pereira, J., Probst, B., Vaughan, N. (2026): State of Carbon Dioxide Removal, 3. Ausgabe Weblink: https://www.stateofcdr.org/report/3rd-edition PM: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) CO₂-Entnahme muss womöglich schneller wachsen als Solarenergie, um Klimaziele erreichbar zu machen / Foto: HB Weitere Beiträge:Bis zu 80 Prozent weniger Stromverbrauch durch effiziente HeizungspumpenHydrogenious LOHC Emirates startet in Abu DhabiForscher arbeiten an der Rückgewinnung von Rohstoffen aus Elektromotoren und Batterien