Werbung KIT wird Forschungshub für Fusionstechnologie Erneuerbare & Ökologie Forschungs-Mitteilungen Technik 31. Juli 2026 Hinweis: Die Bildrechte zu den Beitragsfotos finden Sie am Ende des Artikels Beim Aufbau eines Fusionsreaktors setzt die Bundesregierung auf die Expertise des KIT (WK-intern) – Für den geplanten Bau eines Fusionsreaktors in Deutschland richtet die Bundesregierung neue Forschungshubs ein. Eine zentrale Rolle übernimmt dabei das Karlsruher Institut für Technologie (KIT): Forschende entwickeln dort Schlüsseltechnologien für den Brennstoffkreislauf, leistungsfähige Materialien sowie zentrale Reaktorkomponenten. Damit bringt das KIT seine Expertise in die Umsetzung der Fusionstechnologie ein und gestaltet den Weg von der Grundlagenforschung zur Anwendung maßgeblich mit. Mit dem Aktionsplan Fusion treibt die Bundesregierung den Bau eines ersten Fusionsreaktors in Deutschland voran und richtet dafür drei Forschungshubs ein. Diese bündeln Kompetenzen aus Wissenschaft und Industrie, um zentrale technologische Herausforderungen der Fusionsenergie zu bewältigen. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) hatte die drei Hubs zur Förderung ausgeschrieben. Heute, am 29. Juli 2026, hat das BMFTR die Entscheidung bekannt gegeben: Einer der Hubs wird am KIT angesiedelt. Die Forschung konzentriert sich dort auf die Entwicklung des Brennstoffkreislaufs, neuer Materialien sowie die technische Umsetzung im Kraftwerk. Die Entscheidung des BMFTR stärke die deutsche Fusionsforschung sowie den Wissenschafts- und Innovationsstandort Baden-Württemberg, sagte die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Petra Olschowski. „Wie schnell die Fusion im Energiemix der Zukunft eine Rolle spielen kann, hängt maßgeblich von technologischen Fortschritten in der Materialforschung und der Entwicklung des Brennstoffkreislaufes ab. Und genau hier spielen die Karlsruher Forschenden in der globalen Spitzenklasse: Für Fusionsreaktoren geeignete Materialien sind ein entscheidender Baustein bei der Ermöglichung der Fusion. Gleichermaßen relevant ist die Schlüsselkompetenz des KIT eines sicher und nachhaltig funktionierenden Brennstoffkreislaufes, einschließlich der Erzeugung des für den Fusionsprozesses notwendigen Tritiums. Der Zuschlag für einen der drei Hubs festigt die führende Rolle Baden-Württembergs in der Fusionsforschung nun dauerhaft. Es ist ein klarer Beleg dafür, dass wir mit unserem Fokus auf Zukunftstechnologien und der Ausrichtung auf die High Tech Agenda Deutschland erfolgreich sind.“ Karlsruhe als idealer Standort „Die Entscheidung des Bundesministeriums freut mich sehr“, sagt Professor Jan S. Hesthaven, Präsident des KIT. „Wir gehören beim Thema Fusionstechnologie zur Weltspitze. Unsere Expertise und unsere einzigartigen Infrastrukturen machen das KIT zu einem idealen Standort. Mit dem Fusions-Hub in Karlsruhe können wir unsere Forschung an den zentralen Voraussetzungen künftiger Fusionskraftwerke gezielt weiter vorantreiben.“ „Die Fusionsenergie hat das Potenzial, enorm viel Energie bereitzustellen. Am KIT arbeiten wir daran, diese möglichst rasch praktisch nutzbar zu machen“, sagt Professor Christoph Kirchlechner, Sprecher des Programms Fusion am KIT. „Gemeinsam mit unseren Partnern entwickeln wir deshalb Technologien, die sichere, zuverlässige und wirtschaftlich tragfähige Fusionskraftwerke ermöglichen sollen.“ Eine zentrale Rolle spielen dabei auch Unternehmen. Ziel der Hubs sei es, so Kirchlechner, diese in die Entwicklung der Technologien einzubinden und gemeinsam die Grundlagen für eine leistungsfähige Lieferkette der Fusionswirtschaft aufzubauen. Als Schnittstelle zwischen der Magnet- und Laserfusion bringt der Karlsruher Hub die Unternehmen Proxima Fusion und Gauss Fusion sowie Focused Energy und Marvel Fusion zusammen. Insgesamt sind mehr als 30 Partner beteiligt. Dazu zählen Universitäten, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und etablierte Industrieunternehmen. Drei Hubs für den Weg zum Fusionsreaktor Während sich zwei Hubs auf Magnet- und Laserfusion konzentrieren, widmet sich der dritte dem Brennstoffkreislauf, der Entwicklung neuer Materialien und der technischen Umsetzung im Kraftwerk. Für diesen Hub hat sich das KIT beworben, um seine langjährige Expertise einzubringen und den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in industrielle Anwendungen zu beschleunigen. In diesen Themenfeldern gehört das KIT international zu den führenden Einrichtungen. Die Forschenden entwickeln unter anderem Brutblankets, mit denen sie den Fusionsbrennstoff Tritium erzeugen können, arbeiten an Technologien für dessen sicheren Kreislauf und erforschen Materialien, die den extremen Temperaturen und hohen Neutronenflüssen dauerhaft standhalten. Darüber hinaus entwickelt das KIT Schlüsseltechnologien wie Hochfrequenzsysteme zur Plasmaheizung sowie Komponenten für den kontinuierlichen Betrieb künftiger Anlagen. „Entscheidend ist, dass wir all diese Technologien integriert denken und zusammenführen“, sagt Kirchlechner. „Nur so entstehen Lösungen, die im Kraftwerk zuverlässig funktionieren und wirtschaftlich betrieben werden können.“ Von der Großforschung zur industriellen Anwendung Bis ein Fusionskraftwerk Strom ins Netz liefert, sind noch erhebliche wissenschaftliche und technische Herausforderungen zu bewältigen. Gleichzeitig gewinnt die Fusion weltweit als strategische Zukunftstechnologie an Dynamik. Am KIT fließen deshalb Grundlagenforschung, Technologieentwicklung und Ausbildung eng zusammen – von spezialisierten Versuchsanlagen bis hin zur Qualifizierung von Fachkräften für den Umgang mit komplexen Systemen wie dem Brennstoff Tritium. Ziel ist es, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Fusionstechnologie langfristig eine verlässliche Ergänzung zu erneuerbaren Energien werden kann. PM: KIT PB: Querschnitt eines künftigen Fusionskraftwerks mit dem mehr als 100 Millionen Grad Celsius heißen Plasma. Grafik ©: ITER Weitere Beiträge:Datenanalyse zeigt: Dunkelflauten werden sichtbarerBundestag beschließt Atomgesetznovelle: Übertragung von Atomstrommengen verschärft Engpass-Situation...Jeder vierte Absolvent ist nach dem Studium in die Erneuerbare-Energien-Branche gewechselt