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WindSCORE-Projekt gestartet: 360°-Bewertungssystem für Offshore-Windenergieprojekte

PB: Beim Bau von Offshore-Windparks sollen mithilfe des WindSCORE-Bewertungstools künftig auch Kriterien wie Nachhaltigkeit, Innovation und Systemnutzen berücksichtigt werden. / ©: Fraunhofer IWES/Gerrit Wolken-Möhlmann
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Der europäische Offshore-Windenergiesektor steht vor komplexen Herausforderungen – von neuen Ausschreibungsdesigns und technischen Entwicklungen bis hin zu Standortbewertungen und gesellschaftlicher Akzeptanz.

(WK-intern) – Ein umfassendes Projektbewertungssystem, das all diese Punkte berücksichtigt, fehlt jedoch noch.

Das im Dezember 2025 gestartete EU-Projekt WindSCORE entwickelt innerhalb der nächsten drei Jahre eine wissenschaftlich fundierte 360°-Bewertungs-Toolbox, die wirtschaftliche, technische, nachhaltigkeitsorientierte und soziale Kriterien einbezieht und damit Investoren und Stakeholder unterstützt.

Zu diesem Zweck hat sich das Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES mit den Partnern Fondation Open-C, SINTEF, Statnett, TÜV SÜD, Bio-Littoral und Equinor zusammengeschlossen. Das Projekt wird von PTJ/BMWE, Deutschland, RPL Frankreich und RCN Norwegen im Rahmen der EU-Initiative Clean Energy Transition Partnership (CETP) kofinanziert.

Die Offshore-Windenergie spielt eine Schlüsselrolle für die nachhaltige Energieversorgung Europas. Immer mehr europäische Länder setzen mittlerweile auf Ausschreibungsmodelle, die nicht nur den niedrigsten Preis belohnen, sondern auch Kriterien wie Nachhaltigkeit, Innovation und Systemnutzen berücksichtigen. Gleichzeitig rücken neue Standorte, beispielsweise im Atlantik, in den Fokus und müssen angemessen bewertet werden. Derzeit gibt es kein umfassendes Bewertungssystem, das all diese Faktoren berücksichtigt und Investoren eine verlässliche Risikoanalyse liefert. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Schaffung von gesellschaftlicher Akzeptanz, die für den Erfolg solcher Projekte entscheidend ist.

Hier setzt das Forschungsprojekt WindSCORE (Sustainable Criteria and Overall Renewable Evaluation for Offshore Wind Energy) an: Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines Entscheidungsinstruments in Form einer 360°-KPI-Toolbox, um die Struktur und Gestaltung von Ausschreibungskriterien zu verbessern und eine ganzheitliche Bewertung von Offshore-Windparkprojekten zu ermöglichen. Damit soll nicht nur die gesellschaftliche Akzeptanz der Offshore-Windenergie gefördert, sondern auch die Akteure der Branche von der Ausschreibung bis zur Umsetzung gezielt unterstützt werden.

WindSCORE integriert Aspekte wie Nachhaltigkeit, technische Innovationen – darunter schwimmende Windenergieanlagen – sowie die Einbindung von Offshore-Windenergie in Energiesysteme und Netze, außerdem die Effizienz von Betrieb und Wartung (O&M). Auch soziale Auswirkungen, wie die regionale Wertschöpfung, sollen in die Bewertung einfließen. Für die praktische Anwendung bilden die entwickelten Bewertungskriterien und -methoden die Grundlage für den Entwurf eines Industriestandards.

Das Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES leitet das Projekt und übernimmt wichtige Aufgaben wie Standortanalyse, Modellierung der Stromerzeugungskosten und Bewertung technischer Konzepte. Mithilfe eines Kostenmodells und Lebenszyklussimulationen wird die technische und finanzielle Nachhaltigkeit von Offshore-Windparks quantifiziert.

»Die Entwicklung der Offshore-Windindustrie ist eine zentrale Säule der Energiewende. Um eine langfristige gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Akzeptanz sicherzustellen und Risiken in der Wertschöpfungskette zu minimieren, entwickelt das WindSCORE-Projekt ein transparentes, verständliches 360°-KPI-basiertes Bewertungssystem«, erklärt Prof. Marcel Wiggert, verantwortlich für die Projektkooperation am Fraunhofer IWES.

Der Vertreter des norwegischen Projektpartners SINTEF, Dr. Gard Hopsdal Hansen, Centre Director von FME NorthWind, sagt: »Um fundierte Entscheidungen über die Entwicklung der Offshore-Windenergie zu treffen, ist es unerlässlich, dass sowohl die Industrie als auch die Behörden Zugang zu Instrumenten haben, die die Komplexität der Offshore-Windenergie entwirren und ein möglichst ganzheitliches Bild der Chancen und Herausforderungen für Natur und Gesellschaft vermitteln. Das ist etwas, was viele unserer Industriepartner gefordert haben.«

Statnett und Equinor, die beiden weiteren norwegischen Partner, bringen ihre Betriebserfahrung mit Stromnetzen bzw. Offshore-Windparks ein und treiben damit die Energiewende in Norwegen weiter voran.

Die Fondation OPEN-C, einer der beiden beteiligten französischen Partner, wird die soziale Nachhaltigkeit von Offshore-Windprojekten bewerten, indem sie deren Wertschöpfungskette und die Auswirkungen auf lokale Inhalte untersucht. »Dabei werden wir unser sozioökonomisches Fachwissen, das wir durch unsere Arbeit im französischen Observatoire de l’énergie marine (Meeresenergie-Beobachtungsstelle) erworben haben, nutzen, um robuste Bewertungskriterien zu verfeinern und die Entwicklung zukünftiger Projekte in ganz Europa zu unterstützen«, fügt Stéven Curet, Geschäftsführer der Fondation OPEN-C, hinzu.

Bio-Littoral, der zweite französische Partner, wird an der Entwicklung eines ökologischen Indikators zur Bewertung der Auswirkungen von Windenergieanlagen auf verschiedene Meeresbereiche mitwirken.

Das innovative 360°-Bewertungssystem von WindSCORE legt den Grundstein für den weiteren Ausbau der Offshore-Windenergie und eine klimafreundliche Stromversorgung. Es bietet eine zuverlässige Grundlage für die Bewertung der Risiken und Chancen künftiger Projekte und Standorte – mit besonderem Fokus auf Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit.

Nach Abschluss des Projekts wird das Fraunhofer IWES die entwickelten Methoden und die Toolbox validieren und weiterentwickeln, bis sie marktreif sind. WindSCORE schafft damit eine wichtige Grundlage für die nachhaltige Zukunft der Offshore-Windenergie. TÜV SÜD strebt außerdem die Entwicklung von Industriestandards an: »Investitionen in die Forschung sind unerlässlich, um die Nachhaltigkeit zu stärken und internationale Standards zu entwickeln, die sicherstellen, dass die Offshore-Windenergie als zuverlässige und verantwortungsvolle Energiequelle weiter wächst«, erklärt Karlheinz Russ, Senior Vice President Infrastructure and Sustainability bei TÜV SÜD Energietechnik GmbH.

PM: Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES

PB: Beim Bau von Offshore-Windparks sollen mithilfe des WindSCORE-Bewertungstools künftig auch Kriterien wie Nachhaltigkeit, Innovation und Systemnutzen berücksichtigt werden. / ©: Fraunhofer IWES/Gerrit Wolken-Möhlmann








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