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Baden-Württemberg: 33 neue Windenergieanlagen im ersten Halbjahr errichtet

Windpark bei Vollmond / Foto: HB
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(WK-intern)Ausschreibungsbedingungen des Bundes verhindern schnelleren Ausbau – Branchenverbände fordern Änderungen im EEG

Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg legt vorläufige Auswertung vor. Die EEG-Novelle müsse dahingehend geändert werden.

Der Ausbau der Windenergie in Baden-Württemberg hat sich gegenüber dem Vorjahr beschleunigt – ist aber noch nicht auf dem erforderlichen Niveau angekommen. Im ersten Halbjahr 2026 wuchs der Bestand um 33 Windenergieanlagen mit einer insgesamt installierten Leistung von 169 Megawatt. Das sind zwar sechs Anlagen mehr, als im gesamten Jahr 2025 in Betrieb gingen. Von den erforderlichen 100 neuen Anlagen pro Jahr ist der Südwesten aber noch weit entfernt. Auf die neuen Zahlen weisen die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (PEE BW) und der BWE Landesverband Baden-Württemberg hin. Ein wichtiger Grund dafür, dass es nicht schneller vorangeht, liegt in den Ausschreibungsbedingungen der Bundesnetzagentur, die die Südbundesländer benachteiligen. Das erklärt Jürgen Scheurer, der Geschäftsführer der PEE BW. In den vergangenen zwölf Monaten kam der Südwesten lediglich auf 184 Megawatt Vergütungszusagen. Pro Jahr sind aber rund 600 Megawatt nötig. Scheurer fordert daher eine Neuordnung. Die am Freitag vorgelegte Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) enthalte hier leider keine ausreichende Regelung. Nach der Länder- und Verbändeanhörung müsse sich das ändern, so Scheurer.

Die Anzahl der im ersten Halbjahr neu errichteten Windenergieanlagen ist gewachsen, reicht aber noch nicht aus, um Baden-Württembergs Wirtschaft und die Verbraucher mit Strom zu versorgen. Dabei stehen viele Anlagen bereit, in Betrieb genommen zu werden. Allein im ersten Halbjahr haben die Landratsämter 57 Anlagen genehmigt. Die vorläufigen Zahlen basieren auf Daten des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur, Stand 17. Juli 2026. Insgesamt sind 224 Anlagen fertig genehmigt, eine Genehmigung beantragt ist bei 1.330 Anlagen, so der Daten- und Kartendienst der Landesanstalt für Umwelt BW (LUBW), Stand 17. Juli.

Warum die genehmigten Anlagen noch nicht in Betrieb sind, liegt an den bundesweiten Ausschreibungen. In den Ausschreibungen muss man sich durchsetzen, um eine feste Vergütung für den erzeugten Windstrom zu erhalten – ohne sie werden die Anlagen nicht errichtet. Das Problem: Die Ausschreibungsbedingungen sind so gestaltet, dass die Bundesländer im Süden mit weniger Windaufkommen das Nachsehen haben.

Zusagen für 184 Megawatt statt 600 Megawatt

Entsprechend gering sind die Zusagen in den Ausschreibungen. In der Mai-Ausschreibung 2025 gab es in Baden-Württemberg Zuschläge für rund 78 Megawatt installierte Leistung, im November 2025 für rund 22 Megawatt, im Februar 2026 für rund 24 Megawatt und in der Mai-Ausschreibung 2026 für rund 60 Megawatt. Zusammengenommen ist das nur geringfügig mehr als die Leistung der im ersten Halbjahr 2026 errichteten Anlagen.

Das ist deutlich zu wenig für den Südwesten. Derzeit drehen sich hier 850 Windräder mit einer installierten Leistung von 2.239 Megawatt. Bis zum Jahr 2040 sind insgesamt rund 12.000 Megawatt erforderlich. Pro Jahr muss in den kommenden 16 Jahren daher eine zusätzliche Leistung von über 600 Megawatt dazukommen, um Haushalte und Industrie günstig und sicher mit Strom zu versorgen. Das entspricht mehr als 100 modernen Windrädern jährlich.

Mehr Fairness: 10.000 Megawatt für Baden-Württemberg und Bayern

Die PEE BW fordert daher, gemeinsam mit dem LEE Bayern, mehreren Verbänden und den beiden Landesregierungen ein eigenes Ausschreibungsvolumen für Süddeutschland. Von dem gesamten Ausschreibungsvolumen sollte in diesem und den kommenden zwei Jahren insgesamt 10.000 Megawatt an Windenergieleistung in Süddeutschland ausgeschrieben werden. Das sind rund 20 Prozent der zu erwarteten Ausschreibungszuschläge. „Das würde erheblich zu fairen Ausschreibungsbedingungen beitragen“, so Scheurer.

Darüber hinaus plädiert Scheurer für eigene Ausschreibungsvolumina auch in den Folgejahren. „Die Industrie in Süddeutschland würde so endlich die dringend benötigten Strommengen aus Erneuerbaren Energien für ihre Produktionsstandorte erhalten. Das würde auch einen wertvollen Beitrag zur regionalen Wertschöpfung im Land leisten“, so der PEE BW-Geschäftsführer. Zudem könne es so besser gelingen, im Jahr 2030 die Zwischenziele im Klimaschutz zu erreichen.

Energieministerin Thekla Walker: „Wir brauchen Windenergie auch im Süden. Für unsere Klimaziele und für die Versorgung der industriellen Zentren mit günstiger, heimisch produzierter Energie. Das muss mit dem neuen EEG sicher gestellt werden in Form eines Südbonus. Sonst war es das mit dem Windausbau in Baden-Württemberg und Bayern. Mein Amtskollege Hubert Aiwanger und ich werden dazu gemeinsame Anträge im Bundesrat einbringen. Wir denken dabei nicht nur an die Interessen unserer Bundesländer. Denn je gleichmäßiger die Anlagen über das Land verteilt sind, umso geringer fallen die Kosten für Netzausbau und Netzeingriffe insgesamt aus.“

Fazit

Das Fazit: Der Ausbau der Windenergie geht in Baden-Württemberg voran, muss aber noch deutlich beschleunigt werden. Nur so wird es künftig eine krisensichere Energieversorgung für den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg geben. Hierfür braucht es eine Änderung in den bundesweiten Ausschreibungsbedingungen. Im aktuellen Entwurf der EEG-Novelle hat die Bundesregierung das leider nicht ausreichend berücksichtigt.

Über die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg

Die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg e.V. (PEE BW) ist eine Dachorganisation der Verbände, Unternehmen und Forschungsinstitute aus der Erneuerbaren-Energien-Branche in Baden-Württemberg. Der Verein wurde im März 2019 gegründet und setzt sich für den schnellen Ausbau der Erneuerbaren Energien und die sektorenübergreifende Umsetzung der Energiewende in Baden-Württemberg ein. Die Vereinszwecke der Plattform Erneuerbare Energien sind die klimapolitische, industriepolitische und volkswirtschaftliche Bedeutung der Erneuerbaren noch stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, den Vorteil für Verbraucher, Unternehmen und Kommunen darzustellen sowie die gesetzlichen Rahmenbedingungen zum Ausbau der Erneuerbaren aktiv mitzugestalten.

Foto: HB








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