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Unterschriften gegen Ölbohrungen im Wattenmeer

Die umstrittene Erdölplattform im Naturerbe Wattenmeer / Foto: HB

Keine Ölbohrungen im Nationalpark – Schutz fürs Wattenmeer

(WK-intern) – Der Nationalpark, gleichsam UNESCO-Welterbe, ist von der Ölindustrie bedroht.

Lebensraum in Gefahr

Das Wattenmeer der südlichen Nordsee ist weltweit einzigartig: Die Landschaft ist fest im Griff der Gezeiten – nicht Land, aber auch kein Meer. Im Spiel von Ebbe und Flut haben sich eine unverwechselbare Flora und Fauna gebildet. Dennoch will der Erdölkonzern Dea hier nach Öl bohren.

Wattwürmer bewegen sich unter dem Sand, auf Sandbänken ruhen Seehunde vor dem nächsten Beutezug. Auf den anliegenden Salzwiesen haben sich Pflanzen an das Meerwasser, den Wind und die Temperaturschwankungen angepasst. Seit 1985 ist das Wattenmeer in Schleswig-Holstein Nationalpark, 1986 folgte Niedersachsen, und 1990 erklärte Hamburg seinen Teil des Wattenmeeres zum Nationalpark. 2009 hat die UNESCO das Wattenmeer zu Recht zum Weltnaturerbe erklärt: ein Ort von außergewöhnlicher Naturschönheit sowie ursprünglicher Lebensraum von mehr als 10.000 Arten. Rund 250 sind ausschließlich hier zu finden: in der größten zusammenhängenden Wattlandschaft der Welt.

Der deutsche und niederländische Teil gehört seit 2009 zum Welterbe, 2014 kam das dänische Wattenmeer dazu. Zum Titel gehört auch ein Schutz- und Erhaltungsplan der Gebiete. Doch die unberührte Naturlandschaft Wattenmeer ist bedroht. Die Deutsche Erdöl AG, kurz Dea, verfolgt seit Jahren ihre Pläne, im Wattenmeer nach Öl zu bohren.

Wie ist das möglich, wenn das Gebiet unter Schutz steht? Der Grund sind drei für die Ölindustrie geschaffene Enklaven – Teilgebiete des Wattenmeers, die noch vom UNESCO-Welterbe ausgeschlossen sind, um laufende und geplante Arbeiten zu ermöglichen.

Bleibt noch die nationale Gesetzgebung. Die Nationalparkgesetze der Länder geben dem Gebiet zwar einen sehr hohen Schutz, doch hat Dea trotzdem Anträge auf eine Genehmigung für Probebohrungen im niedersächsischen und schleswig-holsteinischen Wattenmeer gestellt. Ein Ölunfall in dieser nahezu unberührten Naturlandschaft würde kaum beherrschbare Folgen für das einzigartige Ökosystem bedeuten.

Ölbohrungen, wo die Natur Vorrang hat

Schon seit 1987 fördert der Ölkonzern Dea (damals noch RWE Dea) im Wattenmeer Öl, mit der nach dem Ölfeld benannten Plattform Mittelplate. Möglich ist diese Förderung, weil die Genehmigung und Erschließung des Ölfeldes vor der Einrichtung des Nationalparks stattgefunden hat. Es soll aber die Ausnahme bleiben. Mit einer jährlichen Förderung von 1,4 Millionen Tonnen ist die Mittelplate das größte deutsche Ölfeld. Doch die geförderte Menge genügt Dea nicht: Geplant sind vier weitere Bohrstellen, drei davon liegen sogar in besonders ausgewiesenen Schutzzonen. Diese Schutzzonen sollen der Natur Vorrang vor menschlicher Nutzung einräumen. Mit den Probebohrungen will Dea etwa 20 Millionen Tonnen Öl erschließen, die sich unter dem Wattenmeer befinden sollen. Eine spätere Förderung soll dann von Land aus erfolgen, so die bisherigen Pläne.

Doch nicht nur die Förderung von Öl schafft Probleme. Auch Probebohrungen sind mit einem Risiko behaftet, wie der Unfall der Deepwater Horizon im Golf von Mexiko erschreckend deutlich gemacht hat. Ein Ölunfall hätte für das Wattenmeer katastrophale Folgen, selbst vergleichsweise kleine Ölmengen können den sensiblen Lebensraum zerstören: 100 Tonnen ausgelaufenen Öls töteten 1998 rund 16.000 Seevögel vor Amrum, als das Frachtschiff Pallas vor der Küste Schleswig-Holsteins auf Grund lief. Ganz ausschließen lassen sich solche Unfälle bei Bohrungen niemals – für den Nationalpark Wattenmeer ist ein solches Wagnis viel zu riskant.

Hohes Risiko für geringen Ertrag

Dea behauptet, die vermuteten Vorkommen seien ein wesentlicher Beitrag zur Sicherung der deutschen Energieversorgung. Die Zahlen sprechen allerdings dagegen: Bei einem Jahresverbrauch von etwa 112 Millionen Tonnen in Deutschland würde das in den Reservoirs vermutete Öl gerade einmal für zwei Monate ausreichen.

Der Schaden, der durch die Ölförderung entstehen könnte, steht in keinem Verhältnis zum Nutzen und zu der Gefahr für Pflanzen und Tiere. Bereits durch das erhöhte Schiffsaufkommen und die erforderlichen Sicherungsmaßnahmen werden natürliche Abläufe im Watt gestört. Das ist alles andere als ein wirksamer Schutz für das UNESCO-Erbe.

Dea darf nicht im Wattenmeer nach Öl bohren – damit das Wattenmeer in seiner ganzen Artenvielfalt für kommende Generationen erhalten bleibt. Unser neues Plakat im DIN A1-Format stellt Ihnen die Vielfalt rund um die Nordsee anhand einiger auffallender Lebewesen vor – egal ob sie an Land, im Watt, zu Wasser oder in der Luft vorkommen.

PM: Greenpeace

Die umstrittene Erdölplattform im Naturerbe Wattenmeer / Foto: HB

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