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Schleswig-Holstein soll wieder Auenland werden – Minister Habeck bringt Auenprogramm auf den Weg

Wuchsgebiete sind Landschaftsräume mit vergleichbaren Wuchsbedingungen, die sich besonders gut für räumliche Darstellungen zu Waldwachstum sowie Stoff- und Wasserflüssen in Wäldern eignen. / Foto: HB

Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck will die Renaturierung der Auenlandschaft vorantreiben.

(WK-intern) – Das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR) hat dafür ein entsprechendes Programm aufgestellt und heute (6. Oktober 2016) veröffentlicht.

„Über Jahrzehnte sind Flüsse begradigt worden. Natürliche Auen, in denen Flüsse und Bäche ab und an über die Ufer treten können, sind eine Seltenheit geworden. Dabei sind sie ganz besondere Lebensräume. Wir wollen, dass Schleswig-Holstein wieder Auenland wird“, sagte Habeck anlässlich des Naturschutztages heute in Neumünster.

Ziel des Programms ist es, bis 2027 an mindestens 5 Prozent der Streckenlänge von Vorranggewässern oder Natura 2000-Fließgewässern – zusätzlich zu den bereits heute naturnahen Auen – Auen zu renaturieren oder die Planungen hierzu soweit voranzutreiben, dass sie umgesetzt werden können. Dafür sollen in den nächsten Jahren auf freiwilliger Basis und mit örtlicher Trägerschaft Projekte zur Auenrenaturierung in Schleswig-Holstein identifiziert und durchgeführt werden. „Viele der Flächen werden derzeit intensiv genutzt. Eine Renaturierung lässt sich daher nur in Abstimmung mit den Beteiligten, insbesondere der Landwirtschaft, umsetzen. Der enge Austausch von Naturschutz, Wasserwirtschaft und Landwirtschaft ist hier unabdingbar, um Konflikte auszuräumen. Es ist ein Generationenprojekt, das nur gemeinsam geht“, sagte Habeck.

Die Flächen für die Auen können unter anderem über Flächenkauf oder Flächentausch, z.B. über Flurbereinigungsverfahren, gesichert werden. Wie sich die zukünftige Aue entwickelt, soll im Einzelfall entschieden werden: Möglich sind zum Beispiel extensive Grünlandnutzung oder eine natürliche Auwaldentwicklung.

Das Programm wurde gemeinsam von Wasserwirtschaft und Naturschutz aufgestellt. Damit werden auch die bisherigen Bemühungen zur Wiederherstellung naturnaher Gewässer- und Auenlebensräume gebündelt. Die Renaturierung der Auen dient auch dazu, zwei EU-Richtlinien umzusetzen – die Natura 2000-Richtlinie zur Schaffung des Schutzgebietssystems und die europäische Wasserrahmen-Richtlinie (WRRL).
Hintergrund

Naturnahe Auen – die Überflutungsbereiche von Fließgewässern – sind wertvolle Lebensräume für heimische Tier- und Pflanzenarten, sie tragen zur natürlichen Wasserreinigung, zum Klimaschutz und Hochwasserrückhalt bei und sind attraktive Erholungslandschaften. Insbesondere im letzten Jahrhundert wurden die Gewässer jedoch mit erheblichen Anstrengungen begradigt, befestigt, vertieft und von ihren Auen abgetrennt, um diese für die Menschen nutzbar zu machen. Seit Jahren bemüht sich das MELUR durch die Schaffung des Schutzgebietssystems Natura 2000 sowie die Umsetzung der europäischen Wasserrahmen-Richtlinie (WRRL) naturnahe Gewässer- und Auenlebensräume wiederherzustellen.

Für die Planung und Umsetzung der Auenprojekte im Rahmen des Auenprogramms bedarf es kompetenter und engagierter Projektträger wie der Wasser- und Bodenverbände, Naturschutzverbände und Stiftungen, die sich vor Ort für ihr Projekt einsetzen und sich in die komplexen Planungs-, Genehmigungs- und Bau-Verfahren einbringen. Einen besonderen Fokus legt das Auenprogramm zwar auf die Projektumsetzung an sogenannten Vorranggewässern der WRRL und Natura 2000-Gebieten, aber auch an anderen Gewässern können Projekte initiiert werden. Entscheidend werden vielfach die Flächenverfügbarkeit und das Vorhandensein eines engagierten Projektträgers sein. Daher verzichtet das Auenprogramm auf eine Projektliste oder eine Gebietskulisse, sondern lässt viel Raum für örtliche Initiativen.

Das Programm finden Sie unter: www.schleswig-holstein.de/Auenprogramm

PM: Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein

Auenwald in S-H / Foto: HB

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