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Servicesektor, High-Tech-Flügel, Stillstandszeiten, Fundamente, Seekabel, … -Windenergie

Frauen in einer Männerdomäne

WindEnergy Hamburg: Servicesektor im Aufwind

(WK-intern) – Voller Einsatz mit Industriekletterern, Kameradrohnen und Tauchrobotern

Vom 27. bis 30. September 2016 auf dem Gelände der Hamburg Messe

Jessica Neumann hängt in der Luft, genauer: vor einem 45 Meter langen Rotorblatt einer Windenergieanlage, fast 80 Meter über dem Erdboden in Frankreichs Norden. Nur mit Seilen und Gurt gesichert, prüft sie die Oberfläche des High-Tech-Flügels auf Risse und repariert es bei Bedarf auch. Sie ist Freelancerin und die einzige Frau im Servicetechniker-Team von Windigo, einem Spezialanbieter für die Windenergie, und eine der wenigen Frauen in einer Männerdomäne. Der Servicesektor innerhalb der Windindustrie gewinnt derzeit immer mehr an Bedeutung. Mit dem großen Bestand an bereits installierten Anlagen wird die Instandhaltung, Wartung und der Weiterbetrieb zum stark wachsenden Geschäft für Spezialfirmen ebenso wie für die Hersteller selbst. Die Bandbreite der Angebote reichen von der Überwachung der riesigen Getriebe bis zum Industrietaucher-Einsatz im Atlantik. Welche neuen Geschäftsmodelle und Techniken auf dem internationalen Markt zu finden sind, zeigt die WindEnergy Hamburg 2016. Auf der Weltleitmesse für  Windenergie stellen vom 27. bis 30. September mehr als 1200 Unternehmen ihre Innovationen für Onshore und Offshore vor, ein Großteil davon im Servicesektor.

Der Job kostet Kraft, Fachkenntnis und Kondition, egal ob Frau oder Mann. Aber Jessica Neumann (31) möchte mit niemandem tauschen: „Ein Bürojob würde mich viel mehr anstrengen“, betont die Industriekletterin aus Hamburg. „Wenn ich oben am Rotorblatt hänge und in einer Arbeitspause die Welt um mich herum auf mich wirken lasse, dann ist das das größte Geschenk.“

Windigo ist ein Beispiel für eine ganze Reihe von Unternehmen, die die wachsende Bedeutung des Servicesektors innerhalb der Windindustrie deutlich spüren. „Die Nachfrage ist so groß, dass wir dringend mehr kompetente Fachkräfte bräuchten, um für alle Anfragen eine Lösung bieten zu können“, bestätigt Ingo Laabs, Geschäftsführer von Windigo. Auf der WindEnergy Hamburg stellt das Unternehmen sein ganzes Portfolio vor, von der Begutachtung und Reparatur von Rotorblättern bis zur Fahrstuhlwartung in Türmen, und präsentiert sich im Recruiting Day Forum.

Neue Services für High-Tech-Flügel

Die imposanten Flügel der Windenergieanlagen sind ein gutes Beispiel für die Bandbreite der Serviceangebote. Bevor Menschen „ins Seil“ müssen, gibt es viele Möglichkeiten, den Zustand zu prüfen. Der Einsatz von Drohnen, in der Branche UAV (Unmanned Aerial Vehicles) genannt, für Rotorblattinspektionen ist ein wichtiger Trend. UAV-Inspektionen werden am Markt als Dienstleistung hoch spezialisierter Einzelanbieter oder im Service-Paket mit Rotorblattreparaturen mit Seilunterstützung und Arbeitsbühnen angeboten. Der WindEnergy-Hamburg-Aussteller Vspect bietet beispielsweise beides an. Der Aussteller Reetec ist auf Rotorblattprüfungen von innen und außen sowie auf Reparaturen und den Austausch von Rotorblättern spezialisiert. Der dänische Spezialist AtSite bietet verschiedene Inspektionsverfahren an, auch mit Drohnen, wofür sich AtSite mit dem führenden Schweizer Spezialisten Visual Working zusammengetan hat. „In den letzten drei Jahren haben wir mehr als 2000 Rotorblätter an Offshore-Turbinen mit Hilfe von Drohnen kontrolliert“, sagt Firmenchef Mads Rasmussen. „Ein Team kann im Schnitt zehn Windturbinen pro Tag überprüfen. Vor kurzem gelang es uns, 80 Meter lange Rotorblätter an Offshore-Anlagen in jeweils unter sieben Minuten zu inspizieren. Beide Verfahren können durch direkte Sichtprüfungen ergänzt werden.“ AtSite wird an seinem Stand auf der WindEnergy Hamburg eine Drohne zeigen.

Das deutsche Unternehmen Gebr. Käufer Befahrtechnik ist Marktführer in der Entwicklung und Herstellung kompakter, hoch spezialisierter Befahranlagen für die Wartung von Rotorblättern an Onshore- und Offshore-Windturbinen. Auf der WindEnergy Hamburg zeigt Käufer eine solche Arbeitsbühne für Techniker samt Gerät in voller Größe. „Wir erklären den Besuchern, wie unser neuestes Ergänzungsmodul funktioniert, das eine vollständig witterungsgeschützte Arbeitsumgebung um das Rotorblatt herum schafft, so dass Reparaturen mit Verbundwerkstoffen durchgeführt werden können“, so Geschäftsführer Dirk Käufer.

Geringstmöglicher Stillstand

Vestas setzt seine Sonderprojektteams für komplexe Austauschmaßnahmen an Hauptkomponenten ein, beispielsweise Rotorblätter und Getriebe von Offshore-Turbinen. Dabei wird besonders auf Kostenminimierung, Arbeitsschutz und geringstmögliche Stillstandszeit der Windturbine geachtet. In diesem Jahr schloss Vestas die Akquisition des bislang unabhängigen deutschen Service-Anbieters Availon ab. Availon ist für seine intern entwickelten Nachrüstsysteme für Windturbinentechnik bekannt und bietet für spezifische Modelle Lösungen zur Senkung der Betriebs- und Wartungskosten (O&M) sowie der Stromgestehungskosten (LCOE) an. Auf der Weltleitmesse informieren beide Aussteller über ihre kombinierten Dienstleistungsangebote.

Ein weiterer wichtiger Trend im Dienstleistungssegment sind Reparaturen von Hauptkomponenten, insbesondere Getrieben und Generatoren, in der Gondel anstelle eines Komplettaustauschs. Die Aussteller Eickhoff, Moventas und Winergy bieten solche spezialisierten Standortreparaturdienste samt komplizierter Reparaturen von Planetengetrieben an. Multigear fertigt neue Getriebe an, generalüberholt gebrauchte und bietet Nachrüstgetriebe für ältere Windturbinenmodelle. Gamesa entwickelt komplette Nachrüstsysteme für ältere Windturbinenmodelle anderer Anbieter, beispielsweise zur Erhöhung der Nennleistung durch eine neue Steuerung oder die Umrüstung von fixierter auf variable Drehzahl. Der Aussteller informiert in Hamburg auch über Lösungen zur Verlängerung der Laufzeit, Austausch- und Nachrüstangebote für Hauptkomponenten sowie die Gamesa-Reparaturzentren für kleinere Komponenten.

Tauch-Roboter prüfen Fundamente oder Seekabel und bergen Minen

Weitere Beispiele für die große Bandbreite des Servicesektors bietet der maritime Bereich. Stählerne Gründungskonstruktionen wie Monopiles, Jackets, Tripods und Tripiles erfordern regelmäßige Inspektionen. Neben Industrie-Tauchern werden hier zunehmend ferngesteuerte Unterseefahrzeuge (ROVs) für die Kontrolle von Statik und Oberflächen eingesetzt, aber auch von J-Rohren und Kabeldichtungen bis hin zur Überprüfung von Gesteinsschüttungen zum Schutz gegen Durchscheuern. Ein weiterer Bereich sei die Bergung von Blindgängern aus Küstengewässern vor dem Bau von Windparks, erläutert Alexandra Mills, kaufmännische Leiterin beim britischen ROV-Dienstleister ROVOP. „Der Einsatz von ferngesteuerten Unterwasserfahrzeugen an Stelle von Tauchern ist sicherer und erlaubt den längeren Betrieb, auch bei schlechter Sicht und starken Strömungen. Die verlängerte Einsatzzeit senkt die Gesamtkosten für die Betreiber der Anlage erheblich.“ ROVOP stellt in Hamburg ein Unterwasserfahrzeug aus.

Auch auf dem WindEurope Summit werden Servicethemen wie der Einsatz von Drohnen sowie Lösungen zur Kostensenkung diskutiert. Die Konferenz findet erstmals parallel zur WindEnergy Hamburg im CCH (Congress Center Hamburg) statt. Informationen zum Programm unter https://windeurope.org/summit2016/conference/programme/

WindEnergy Hamburg und HUSUM Wind

Die WindEnergy Hamburg findet vom 27. bis 30. September 2016 auf dem Gelände der Hamburg Messe statt. Die Weltleitmesse für die Onshore- und Offshore-Windbranche bildet den internationalen Markt mit der gesamten Wertschöpfungskette ab. Sie ist der Treffpunkt für Entscheider der Energiewirtschaft aus aller Welt. Die HUSUM Wind wird vom 12. bis 15. September 2017 im Windpionierland Schleswig-Holstein an der deutschen Nordseeküste ausgerichtet. Die Messe legt ihren Schwerpunkt auf den deutschsprachigen Markt. Sie steht als traditionsreicher Treffpunkt für einen intensiven Austausch der Branche und für praxisorientierten Mehrwert. Weitere Informationen finden Sie unter windenergyhamburg.com und husumwind.com

PM: WindEnergy Hamburg 2016

Pressebild: Jessica Neumann, Frau in einer Männerdomäne / Foto: J. Neumann

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