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Verendeter Seeadler auf Rügen starb an Pflanzenschutzmittel Carbofuran

Seeadler/ Foto: HB

Im September 2015 wurde bei Granskevitz auf Rügen ein junger Seeadler aufgegriffen.

(WK-intern) – Das Tier verendete wenige Stunden später im Tierpark Stralsund.

Wie toxikologische Untersuchungen des Instituts für Zoo- und Wildtierforschung jetzt ergaben, war eine Vergiftung mit Carbofuran die Todesursache.

Bei den Untersuchungen wurden in dem Magen des Seeadlers Reste von einem Kolkraben gefunden.

Der Seeadler hatte offensichtlich den an Carbofuran verendeten Kolkraben gefressen und war daraufhin selbst an dem hochtoxischen Wirkstoff gestorben.

Bei Carbofuran handelt es sich um eine Verbindung mit hoher Toxizität für Warmblüter, die als insektizider Wirkstoff in der EU zeitweise zugelassen war. Wegen der beträchtlichen Risiken für Anwender und den Naturhaushalt verloren in Deutschland Pflanzenschutzmittel mit diesem Wirkstoff bereits 2005 ihre Zulassung. Aus gleichen Gründen untersagte die EU-Kommission im Juni 2007 den Einsatz von Carbofuran grundsätzlich für alle Mitgliedstaaten. Sie wurden verpflichtet, erteilte nationale Zulassungen bis Ende 2007 zu widerrufen und die Anwendung des Mittels bis spätestens Ende 2008 zu beenden.

Vergiftungsfälle von Greifvögeln durch Carbofuran werden europaweit immer wieder gemeldet. In Mecklenburg-Vorpommern wurden in den Jahren 2003 und 2004 im Raum Demmin insgesamt 8 Seeadler aufgefunden, von denen 4 nachweislich und 4 wahrscheinlich an einer Carbofuranvergiftung verendet waren. Die Ausbringung von Giftködern erfolgt offensichtlich mit dem Ziel, Raubsäuger oder Greifvögel zu töten. Dabei werden auch Gefährdungen von Menschen oder Haustieren in Kauf genommen.

Auch die beabsichtigte Vergiftung von Hunden und Katzen durch Carbofuran-Köder ist europaweit durch zahlreiche Fälle belegt. Da Carbofuran in Deutschland nicht mehr gehandelt wird, lässt sich das Gift nur auf illegalem Weg beschaffen.

Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus weist deshalb ausdrücklich darauf hin, auffällige Todesfälle von Greifvögeln oder auch Raubsäugern an die zuständigen Naturschutzbehörden zu melden. „Der Vertrieb, Verkauf und Besitz von Carbofuran sind in Deutschland nach dem Chemikaliengesetz verboten. Die Ausbringung von Giftködern zur Beseitigung von Wildtieren, seien es Raubsäuger oder Vögel, ist eine Straftat! Gleiches gilt auch für Haustiere!“.

Hintergrund:

Das Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) führt seit vielen Jahren im Auftrag des Landes Mecklenburg-Vorpommern Untersuchungen zur Ermittlung der Todesursachen von Greifvögeln durch. Sie dienen dem besseren Verständnis von Gefährdungen der Arten und sind damit eine Voraussetzung für die Verbesserung ihres Schutzes. Durch diese Untersuchungen werden auch Straftaten wie Vergiftungen oder Abschüsse von Greifvögeln aufgedeckt.

PM: Regierung Mec-Pom

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