Aufwärtstrend bei Energiepreisen vorerst gestoppt

ISPEX-Energiepreisindex zeigt: Preise bei Strom und Gas bleiben fast auf dem Niveau des Vormonats

(WK-intern) – Die Einkaufskonditionen für Industrie und Gewerbe blieben im Juli sowohl im Strom- als auch im Gassegment stabil.

Der Aufwärtstrend der Energiepreise in den vergangenen Wochen und Monaten wurde dadurch zunächst gestoppt.

ISPEX ermittelt auf Basis der von Energieanbietern in bundesweiten Ausschreibungen und Auktionen abgegebenen Angebote monatlich den Energiepreisindex. Dieser spiegelt für den Juli auch die Preissituation an den Energiebörsen wider.

Strompreisindex: Strompreis exakt derselbe Wert wie im Juni

Der durchschnittlich angebotene Preis für Stromlieferungen als Vollversorgung der kommenden Jahre lag im Juli in den elektronischen Ausschreibungen und Auktionen bei 3,13 Cent je Kilowattstunde. Damit entspricht der Strompreis im Juli fast exakt dem Strompreis im Juni und stoppt hiermit den seit Jahresbeginn andauernden Aufwärtstrend.

Trotz der momentanen Preisstabilität ist eine gewisse Zurückhaltung der Unternehmen bei der Energiebeschaffung zu beobachten. Die Gründe dafür sieht Stefan Arnold, Vorstandsvorsitzender der ISPEX AG, erstens in den stetigen Preisanstiegen der letzten Monate, die die Unternehmen abwarten lassen. Zweitens macht er die alljährliche Urlaubszeit im Sommer für die Zurückhaltung verantwortlich. Arnold empfiehlt den Unternehmen dringend, ihre Stromlieferverträge nach dem Urlaub zu überprüfen: “Gerade direkt nach der Urlaubszeit kann es besonders sinnvoll sein, die bestehenden Stromlieferverträge zu überprüfen und neu zu verhandeln. Die Kündigungsfrist vieler Lieferverträge endet zum 30. September und sollte insbesondere in diesem Jahr nicht verpasst werden.“ Der ISPEX-Energieexperte ergänzt dazu: „Aufgrund der vor allem im zweiten Halbjahr 2015 und zu Beginn des Jahres 2016 stark gesunkenen Preise sind in vielen Fällen günstigere Preise zu erzielen. Keinesfalls sollte aber vorschnell ein Angebot angenommen werden. Das ganze Einsparpotenzial kann in der Regel nur über eine breit angelegte Ausschreibung am besten im Online-Auktionsverfahren ausgeschöpft werden.“

An den Börsen fallen die Strompreise überwiegend

Die stabilen Endkundenpreise sind das Ergebnis der Preisnotierungen an den Strombörsen. An den Börsenpreisen ist für die Lieferjahre 2018 und 2019 bereits wieder eine fallende Tendenz zu erkennen. Lediglich das Lieferjahr 2017 ist derzeit preislich noch stabil.

Eine unmittelbare Auswirkung auf den Strompreis hat der Kohlepreis. Dieser folgt zwar seinerseits regelmäßig dem Ölpreis, hat sich im Juli jedoch noch behauptet. Hierin vermutet Stefan Arnold den Grund, warum bei den Strompreisen das Kalenderjahr 2017 im Vergleich zu den folgenden Lieferperioden noch stabil geblieben ist. „Bei den entfernteren Lieferjahren ist bereits die Erwartung eingepreist, dass der Kohlepreis dem Ölpreis folgend ebenfalls wieder fallen wird und dann die Strompreise drückt“, erläutert der Energieexperte.

Gaspreisindex: Auch die Gaspreise bleiben stabil

Auch die Gaspreise bleiben nahezu unverändert. Die von den Gasanbietern abgegebenen Angebote zur Belieferung mit Erdgas in den kommenden Jahren stimmten ebenfalls fast mit dem Niveau des Vormonats überein. Der von ISPEX ermittelte Durchschnittspreis für Gaslieferverträge sank sogar ganz leicht. Er betrug im Juli 1,78 Cent je Kilowattstunde. Im Juni lag er noch bei 1,79 Cent je Kilowattstunde.

Wie bei den Strompreisen zeichneten die gebotenen Endpreise auch im Gassegment die Entwicklung der Preise an den Großhandelsplätzen nach. Obwohl die Bewegung der Gaspreise in den letzten beiden Monaten minimal war, darf nicht außer Acht gelassen werden, dass es seit Ende 2015 durchaus erhebliche Schwankungen gab.

„Wer hier den falschen Einkaufszeitpunkt gewählt hat, hat sich schnell zumeist auf mehrere Jahre hinweg an einen zu hohen Gaspreis gebunden“, erklärt Stefan Arnold. Er rät Unternehmen: „Dem kann durch Rahmenverträge mit flexiblen Beschaffungsmodellen wie Teiltranchen, die zum jeweils aktuellen Börsenpreis beschafft werden, entgegengewirkt und das Risiko minimiert werden. Jedes Unternehmen mit erhöhtem Gasbedarf sollte diese Option zumindest prüfen lassen.“

Anstieg des Gaspreises an den Großmärkten gestoppt

Die sich stabilisierenden Endpreise beim Gas sind unmittelbare Folge der Preisentwicklung an den Großmärkten. Nach dem deutlichen Anstieg der Gaspreise im Juni wurde hier der Aufwärtstrend im Juli abgebremst. Ende Juli und zum Wochenstart in den August gaben die Preis dann sogar nochmals deutlich nach.

Ausschlaggebend für den Gaspreis ist derzeit der Ölpreis: Einerseits drücken die niedrigen Notierungen des Vorjahres noch immer internationale Gaslieferabkommen, die ölgebundene Preisformeln beinhalten und sich erst jetzt auf die Preise auswirken. Aber auch kurzfristig reagiert der Gaspreis auf das jeweilige Ölpreisniveau.

„Darüber hinaus wird der Gaspreis aber auch unabhängig vom Ölpreis belastet. Dafür sorgen Revisionsarbeiten an einem wichtigen Gasspeicher im UK. Diese führen dazu, dass dort kein Gas eingelagert werden kann und damit zu einer gesenkten Nachfrage“, erläutert Arnold die Lage. „Da die Revisionsarbeiten länger dauern werden als zunächst angenommen, wird der Speicher erst zur nächstjährigen Speichersaison wieder zur Verfügung stehen. Das bedeutet, dass die Nachfrage noch einige Monate verringert sein wird. Bei einem gleichzeitig stabilen Angebot drückt das zusätzlich den Preis. Derzeit spricht also vieles dafür, dass die Gaspreise im August sinken werden“, ergänzt der Energieexperte.

Zur Methodik

Die ISPEX AG berechnet monatlich den ISPEX-Energiepreisindex Industrie für Strom und Gas. ISPEX analysiert die aktuellen Preisentwicklungen beim Strom- und Gaseinkauf für Industrie- und Gewerbebetriebe. Für den ISPEX-Energiepreisindex Industrie werden die jeweils besten abgegebenen Gebote für Sondervertragskunden im Rahmen von Auktionen und Ausschreibungen für Industriekunden zur Strom- und Gasbeschaffung auf der unabhängigen Plattform energie-handelsplatz.de erfasst. Sie werden anonymisiert und aggregiert monatlich ausgewertet.

Der Preisindex stellt den Mittelwert aller im jeweiligen Monat abgegebenen Gebote dar, unabhängig vom zu Grunde liegenden Zeitraum der Belieferung. Es w

ird ausschließlich der Preis für Lieferstellen von Sondervertragskunden und nur das jeweils beste Angebot der teilnehmenden Energielieferanten für eine Lieferstelle berücksichtigt. Zusätzlich wird der Preisindex für jedes Kalenderjahr berechnet. Dabei gehen nur Preisstellungen in die Berechnung ein, die scharf abgegrenzt für das bestimmte Lieferjahr gültig sind und im entsprechenden Monat des Index abgegeben wurden.

PM & Grafik: ISPEX AG

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