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Neues Seekabel zwischen Lüttmoorsiel und Nordstrandischmoor

Schleswig-Holstein Netz AG / Foto: HB

Schleswig-Holstein Netz investiert über zwei Millionen Euro in Stromversorgung der Hallig.

(WK-intern) – „Nessie im Wattenmeer gesichtet“, werden Wattwanderer zwischen Lüttmoorsiel und Nordstrandischmoor in den nächsten Tagen berichten können.

Damit ist nicht das Seeungeheuer aus Schottland gemeint, sondern ein 18 Meter langes, über zehn Meter breites, 91 Tonnen schweres und mit einem 1214 PS starkem Motor ausgerüstetes Raupenfahrzeug des Typs Nessie V.

Ausgestattet mit einem Vibrations-Pflugschwert kommt Nessie im Wattenmeer zum Einsatz, um ein neues Seekabel von Schleswig-Holstein Netz (SH Netz) zwischen Lüttmoorsiel und Nordstrandischmoor rund 1,7 Meter tief ins Watt „einzurütteln“. Abhängig von Wind, Wetter und Wellengang wird Nessie voraussichtlich zwei bis vier Tage unterwegs sein, um das Kabel auf der rund 4,3 Kilometer langen Strecke zu legen.

„Das Besondere an diesem raupengesteuerten Verlegeverfahren ist, dass Nessie das Kabel laden kann und somit kein zusätzliches Fahrzeug für den Transport und das Abrollen des Kabels notwendig ist. Damit fällt die Belastung des Wattbereiches deutlich geringer aus als bei traditionellen Verlegeverfaheren. Durch die extrem breiten Antriebsketten fällt die Bodenbelastung pro Quadratzentimeter von Nessie sogar geringer aus als bei einem durchs Watt spazierenden Erwachsenen“ sagt Karsten Reimer, Projektleiter von SH Netz. Dieser technische Aufwand ist notwendig, um den Eingriff ins Weltnaturerbe Wattenmeer so gering wie möglich zu halten. Das neue Verfahren ist mit den zuständigen Behörden eng abgestimmt und wird dort mit großem Interesse verfolgt.

Zur Versorgung der nordfriesischen Inseln und Halligen mit Strom betreibt SH Netz zwölf Seekabel unter der Nordsee; zwei davon nach Nordstrandischmoor. Sollte eines der beiden Seekabel einmal ausfallen, würde das andere die Stromversorgung aufrechterhalten. Das 1975 gelegte Kabel steht nun zum Ersatz an. SH Netz investiert 2,15 Millionen Euro, um die gewohnt hohe Versorgungssicherheit von Nordstrandischmoor aufrechtzuerhalten.

„Die Versorgung der Inseln und Halligen mit Strom ist und bleibt für uns eine besondere Aufgabe. Die SCHLESWAG – ein Vorgängerunternehmen von SH Netz – hat die Seekabel gelegt, um den Bewohnern das Leben auf den Inseln und Halligen so weit wie möglich zu erleichtern und weitere Abwanderungen von den küstenschutztechnisch so wichtigen Eilanden zu verhindern“, erklärt Netzcenterleiter Jörg Rohwer, der mit seinem Team in Friedrichstadt für den Betrieb des Seekabels verantwortlich ist.

Der eigentlichen Legung des Seekabels sind umfangreiche Planungen vorausgegangen, so beträgt allein die Lieferzeit für das Seekabel sechs Monate. Außerdem mussten die verschiedenen Behörden und Ämter für Naturschutz, Küstenschutz sowie Wasser- und Schifffahrtsverwaltung nicht nur der Verlegung sondern auch dem neuen raupengesteuerten Verfahren zustimmen. Aus Rücksicht auf Brutzeiten darf die Verlegung zudem nur in der Zeit von Mitte Juli bis Ende September erfolgen.

SH Netz wird das neue Seekabel voraussichtlich Anfang August in Betrieb nehmen.

Technischer Hintergrund:

Das neue 20.000-Volt-Seekabel ist rund 4,3 Kilometer lang und verbindet Lüttmoorsiel mit Nordstrandischmoor. Das Seekabel wird auf beiden Seiten an eine Ortsnetzstation angeschlossen, die die Spannung aus dem Mittelspannungsnetz auf 400 Volt Niederspannung transformiert, mit der das Hallignetz betrieben wird. Über ein weiters Seekabel ist Nordstrandischmoor über Pellworm an das Versorgungsnetz des Festlands angeschlossen.

Hersteller: NEXANS
Typ: NA2XS(FL)2Y 1×300 RE/25
Länge: ca. 4,3 Kilometer
Durchmesser: 113 Millimeter
Gewicht: 11.900 Kilogramm/Kilometer
Einspültiefe: ca. 1,7 Meter
Spannungsebene: 20.000 Volt
Übertragungskapazität: 15,8 MVA

Im Vergleich zu einem auf dem Festland gelegten Mittelspannungskabel werden bei einem Seekabel die drei Adern der Leitung unter einem gemeinsamen Außenmantel gebündelt. Auf dem Festland werden die drei Adern einzeln nebeneinander gelegt. Das Seekabel hat in der Regel außerdem eine zusätzliche Bewehrung, die das Kabel vor mechanischen Beschädigungen und vor den Einwirkungen durch die Strömung im Wattenmeer schützt. Sie besteht aus Stahldrähten, die zusätzlich zu der Schutzfunktion das Kabel rund machen. Oftmals sind in Seekabeln zusätzlich Fernmeldeleitungen zur Datenübertragung eingebracht. Diese werden benötigt, um die größeren Anlagen auf den Inseln zu überwachen und zum Teil auch vom Festland aus, genauer aus der zentralen Netzleitstelle von SH Netz in Rendsburg aus, zu bedienen.

PM: Schleswig-Holstein Netz AG

Schleswig-Holstein Netz AG, Ortsnetzstation / Foto: HB

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