Geplante Sektorkopplung droht in die Förderfalle zu laufen

Enerstorage erklärt, welche Folgen das EEG 2017 für den nachhaltigen Zubau von Power-to-Heat-Anlagen und die Zukunft der Stromheizung hat

(WK-intern) – Während die Bundesregierung den Ausbau erneuerbarer Energien vorangetrieben hat, wurde der rechtzeitige Netzausbau verschlafen.

Nun soll es die Sektorkopplung richten und eine weitere Kostenexplosion durch Redispatch-Maßnahmen und Einspeisemanagement verhindern.

Die wirkungsvollste und seit über 50 Jahren erprobte Technologie zur Nutzung von Überschussstrom in der Wärmeversorgung ist Power-to-Heat. Ihre Vorteile will jetzt auch die Bundesregierung in der Sektorkopplung nutzen, so wurde es im Rahmen der EEG-Novelle beschlossen. Doch mit der geplanten Ausgestaltung droht die Sektorkopplung in die Förderfalle zu laufen.

„Es werden hunderte kleiner, kommunaler Anlagen einen Förderantrag stellen“

Ab 2017 werden durch den neuen Paragraphen 13.6a im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) Power-to-Heat-Anlagen in Höhe von insgesamt 2.000 Megawatt gefördert. „Mit der Vergütungssystematik zur Power-to-Heat-Förderung ist jedoch nicht sichergestellt, dass die wirkungsvollsten und ökonomischsten Anlagen entstehen“, prognostiziert Philip Mayrhofer, Geschäftsführer von Enerstorage, ein Pionier für Power-to-Heat in der Industrie. Weil die meisten Standorte bei großen kommunalen Wärmenetzen bereits Power-to-Heat nutzten, würden vor allem hunderte kleiner Anlagen von bis zu fünf Megawatt bei städtischen Wärmenetzen, Schwimmbädern und Co. von meist kommunalen Betreibern einen Förderantrag stellen. Weil sie zudem aufgrund der Förderkriterien ausschließlich im Netzausbaugebiet liegen dürfen, kommt auf den regionalen Netzbetreiber Tennet ein gewaltiger Aufwand zu, um die technische Eignung der Standorte und eine angemessene Kostenerstattung zu prüfen.

Neue Power-to-Heat-Anlagen bei Industrieunternehmen

Das Interesse von Industrieunternehmen, einen Förderantrag zu stellen, wird hingegen gering sein. Schuld ist die Vergütungssystematik der Kostenerstattung sowie die fünfjährige Bindung nicht nur der Power-to-Heat-Anlage, sondern auch der komplementären KWK-Anlage. Dabei könnten industrielle Wärmenetze, die oftmals pro Standort einen ganzjährigen Wärmebedarf von über 100 Megawatt haben und entsprechend große Anlagen realisieren könnten, schnell und kostengünstig erschlossen werden. „Prüfungs- und Entscheidungsprozesse sind hier in der Regel konzentrierter und damit schneller als bei kommunalen Betrieben. Auch können die Kosten deutlich gesenkt werden, weil beim Bau größerer Anlagen Skaleneffekte realisiert werden“, weiß Philip Mayrhofer aus Erfahrung. „Zwar sind die Netzbetreiber angehalten, bei gleicher Eignung die günstigsten Standorte vertraglich zu binden, doch aufgrund falscher Anreize in der Vergütung, werden die am besten geeigneten und günstigsten Standorte vermutlich gar nicht zur Wahl stehen. Damit droht die geplante Sektorkopplung in die Förderfalle sowie in Bürokratismus und Kostenexplosion zu laufen.“

„Verzehnfachung industrieller Power-to-Heat-Kapazitäten bis 2020 ist möglich“

Schon heute stellen große Power-to-Heat-Anlagen in Deutschland mit jeweils über fünf Megawatt insgesamt rund 500 Megawatt Leistung. Etwa ein Viertel davon entfällt auf die Industrie, die ihre Flexibilitäten meist am Regelenergiemarkt nutzt. 37 Prozent von ihnen wurden von Enerstorage realisiert und werden heute durch das Unternehmen vermarktet. „Die installierte Leistung großer Power-to-Heat-Anlagen in der Industrie kann sich bis 2020 verzehnfachen“, sagt Tobias Assmann, Geschäftsführer von Enerstorage und verantwortlich für die Standortentwicklung. „Das ist vor allem dann realistisch, wenn Power-to-Heat-Anlagen in Zukunft nicht nur im Regelenergiemarkt, sondern auch als zuschaltbare Last vermarktet werden.“ Dazu müssten jedoch die rechtlichen Rahmenbedingungen angepasst werden. Es geht um die Einführung dynamischer Stromnebenkosten und eines wettbewerblichen Ausschreibungsmechanismus, vergleichbar zu dem im Markt der Regelleistung und der abschaltbaren Lasten. Aktuell decken energieintensive Unternehmen aufgrund der hohen Stromnebenkosten nur einen Bruchteil ihres Energiebedarfs mittels Überschussstrom.

Kommt die Stromheizung früher als gedacht?

Trotz aller alten und neuen Hürden in der Sektorkopplung besteht Hoffnung. Unterstützung kommt in den nächsten drei Jahren von Schaufensterprojekten des BMWi wie dem Sinteg-Projekt 50hT Windnode. Zudem kann sich in Einzelfällen bei Industriestandorten auch heute schon außerhalb dieser Projekte die Vermarktung von Power-to-Heat als zuschaltbare Last und damit die Stromheizung rechnen.

Auszuschließen ist auch nicht, dass der Paragraph 13.6a EnWG in naher Zukunft doch noch ein echter Impulsgeber in Sachen Sektorkopplung wird. Denn durch den genannten hohen Prüfungsaufwand und die Einordnung der umzulegenden Kosten als „beeinflussbare Kosten“ durch den Übertragungsnetzbetreiber wird es schwer, Power-to-Heat-Anlagen mit insgesamt 2.000 Megawatt schnell genug zu realisieren. In diesem Fall ist eine weitergehende Regelung in Form einer Verordnung schon innerhalb der nächsten drei Jahren zu erwarten. Die neuen Förderkriterien könnten dann gemäß der Philosophie einer „wettbewerblichen Ausschreibung“ angepasst werden. Das Interesse der energieintensiven Industrie an Power-to-Heat ist in jedem Fall groß angesichts der Möglichkeit, die eigenen Wärmekosten und gleichzeitig die CO2-Emissionen zu senken.

Über ENERSTORAGE

ENERSTORAGE ist Pionier für Power-to-Heat (PtH) im industriellen Maßstab. Seit 2012 konzipiert, finanziert und vermarktet das Unternehmen PtH-Anlagen an Industriestandorten mit großem Wärmebedarf von mindestens 10 Megawatt. Daneben realisiert ENERSTORAGE weitere Flexibilitätspotenziale von industriellen Kraftwerken und vermarktet sie in den Flexibilitätsmärkten. Neben Projektentwicklung, -umsetzung und Vermarktung von PtH-Anlagen, hat ENERSTORAGE mit seiner Dienstleistung als Projektinvestor ein Geschäftsmodell entwickelt, das im deutschen Markt bislang einzigartig ist. Über das ENERSTORAGE PtH-Contracting erzielen Unternehmen sofort nachhaltige Zusatzerlöse ohne eigenes Investment. Zudem sind sie mit ihrer PtH-Anlage ein wichtiges Bindeglied zwischen Wärmeversorgung und Stromnetz und tragen als industrieller Vorreiter zur Regelung der Stromnetze und zum Gelingen der Energiewende bei. Seit 2013 ist ENERSTORAGE Teil der mittelständischen Unternehmensgruppe Thyssen´schen Handelsgesellschaft (THG). Mehr unter http://ENERSTORAGE.de

PM: ENERSTORAGE GmbH

Weitere Beiträge:





Top