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Offshore-Windindustriestandort gerät in Seenot

Factsheet: Status des Offshore-Windenergieausbaus in Deutschland, 1. Halbjahr 2016

Ausbau Windenergie auf See zum Halbjahr 2016 in Deutschland – Windindustriestandort gerät in schwere See

(WK-intern) – Der Zubau der Offshore-Windenergie in Deutschland fällt im ersten Halbjahr, wie abzusehen war, mit 258 Megawatt maßvoll aus.

Zum Jahresende erwartet die Branche einen Zubau von etwa 700 Megawatt auf See.

Mit dem jüngst beschlossenen EEG gerät die Offshore-Windindustrie Deutschlands in schwere See. Geringe Ausschreibungsvolumen werden den Standort insgesamt teurer zu stehen kommen und Arbeitsplätze kosten. Im Sinne der Energiewende muss der Netzausbau an Land beschleunigt werden.

Berlin, 19. Juli 2016 – Im ersten Halbjahr 2016 gingen 43 Offshore-Windenergieanlagen mit einer Leistung von 258 Megawatt neu ans Netz. Auf See speisten damit zum 30. Juni 2016 insgesamt 835 Anlagen mit einer Leistung von 3.552,2 Megawatt Strom ein. Zudem sind 54 Anlagen mit einer Leistung von 324 Megawatt bereits errichtet und stehen vor ihrem Netzanschluss. Für 142 weitere Anlagen wurden bereits Fundamente errichtet. Die Branche rechnet damit, dass in Deutschland im Jahresverlauf insgesamt Offshore-Windenergieanlagen mit einer Leistung von etwa 700 Megawatt erstmals ins Netz einspeisen. In der deutschen Nord- und Ostsee werden zum Jahresende demnach Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung knapp 4 Gigawatt am Netz sein. Die durchschnittlich ans Netz angeschlossene Leistung pro Anlage ist von gut 4 auf 6 Megawatt gestiegen. Effizientere Anlagen mit längeren Rotorblättern setzen sich durch.

Die Branchenorganisationen und Verbände, welche die Zahlen durch die Deutsche WindGuard zusammenstellen ließen, werten den Ausbau 2016 als maßvollen Beitrag für einen steten Ausbau. Die Stetigkeit des Offshore-Windenergie-Ausbaus auf substanziellem Niveau hat weiterhin die höchste Priorität, auch um Kostensenkungen durch Skaleneffekte zu erreichen. Die niederländischen Ausschreibungen machen die Möglichkeiten zur Kostensenkung klar, auch wenn die Bedingungen dort nicht eins-zu-eins auf Deutschland zu übertragen sind: Für Projekte mit finaler Investitionsentscheidung im Jahr 2020 ist das Ziel von 10 Cent je Kilowattstunde erreichbar über 20 Jahre gerechnet , exklusive der Netzanbindung. Die Ergebnisse zeigen, dass große Volumen zu deutlichen Kostensenkung führen. Demgegenüber fallen die mit dem EEG 2017 beschlossenen jährlichen Ausbaumengen weit hinter die Möglichkeiten zurück. Die für die Jahre 2021 und 2022 in Deutschland vorgesehenen Mengen von je 500 Megawatt sind viel geringer als die jährliche Ausbaumenge von 700 Megawatt der vergleichsweise kleinen Niederlande. Die mit dem EEG 2017 gekappte Ausbaumenge in den frühen 2020erjahren ist daher – auch angesichts stetig wachsender Turbinen- und Windparkgrößen – schlichtweg unsinnig und teuer. Es liegt auf der Hand, dass sich mit einem um ein Drittel geschrumpften Markt die aktuell rund 20.000 Arbeitsplätze bei Herstellern, Zulieferern und Dienstleistern für die Offshore-Windindustrie nicht erhalten lassen. Zumal der größte Exportmarkt nach dem Brexit erheblich weniger sicher erscheint.

Für die Offshore-Windbranche steht fest: Wenn der schleppende Netzausbau den Ausbau der Windenergie auf See und anderer erneuerbaren Energien weiterhin bremst, wird die Energiewende scheitern. Der bisher sträflich vernachlässigte Ausbau der Übertragungsnetze an Land muss beschleunigt werden, anstatt als Begründung für das Bremsen des Offshore-Windenergie-Ausbaus zu dienen. Es ist belegt, dass erhebliche Beschleunigungs- und Kostensenkungspotenziale bei Offshore-HGÜ-Netzanbindungen (Hochspannungsgleichstromübertragung) bestehen. Zur kurzfristigen Überbrückung von Netzengpässen an Land sollten Verfahren und technische Innovationen zur besseren Netzauslastung genutzt werden. Die Offshore-Organisationen und Verbände verweisen in diesem Zusammenhang auf die im Juni veröffentliche Branchenstudie „Beschleunigungs- und Kostensenkungspotenziale bei HGÜ-Offshore-Netzanbindungsprojekten“.

Die Organisationen und Verbände fordern, mit Blick auf die in letzter Minute des Gesetzgebungsverfahrens und ohne ausreichenden Diskurs getroffenen Änderungen, Korrekturen vorzunehmen bezüglich der Ausschreibungsmodalitäten der Jahre 2021 und 2022. So muss die Stichtagsregelung für die anspruchsberechtigten Projekte im Übergangssystem für die Ausschreibungen auf Ende 2016 verschoben werden, um ausreichend Wettbewerb zu gewährleisten. Nach der aktuellen EEG Novelle müssen die Projekte bis zum 1. August dieses Jahres eine Planfeststellung, eine Genehmigung oder eine Erörterung erreicht haben, um an Ausschreibungen in 2017 und 2018 teilnehmen zu können.
Factsheet: Status des Offshore-Windenergieausbaus in Deutschland, 1. Halbjahr 2016

PM: Arbeitsgemeinschaft Offshore-Windenergie

Factsheet: Status des Offshore-Windenergieausbaus in Deutschland, 1. Halbjahr 2016

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