Landesverband NRW fordert schnelleren Netzausbau und Sektorenkopplung

Gemeinden vergeben Rechte zur Nutzung von öffentlichen Verkehrswegen zum Bau und Betrieb von Strom- und Gasnetzen / Foto: HB

LEE NRW fordert schnelleren Netzausbau und stärkere Sektorenkopplung, um weniger Strom zu verschenken!

(WK-intern) – In der aktuellen Diskussion zur Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) verwahrt der LEE NRW sich dagegen, den versäumten Netzausbau pauschal als Verhinderungsgrund für den weiteren ambitionierten Ausbau Erneuerbarer Energien in allen Teilen Deutschlands anzuführen.

„Nordrhein-Westfalen verfügt als Industrie- und Wirtschaftsstandort über eine gute Netzinfrastruktur und somit noch hohe Aufnahmekapazitäten für Erneuerbare Energien.

In diesem Sinne kann und muss gerade hier, in direkter räumlicher Nähe zu den Verbrauchszentren, künftig ein verstärkter Zubau erfolgen. Denn eine erfolgreiche Energiewende braucht einen breiten dezentralen und verbrauchsnahen Ausbau aller Erneuerbaren Energien. Vereinfachte Zielbeschreibungen zur Energiewende – wie ´Windenergie im Norden, Solarstrom im Süden´ – schlagen da fehl“, so der Geschäftsführer des LEE NRW, Jan Dobertin.

Leider werden derzeit im künftigen Ausschreibungsdesign für die Windenergie weder die Systemdienlichkeit einer Windenergieanlage noch die richtigen Korrekturfaktoren berücksichtigt, um einen bundesweiten Ausbau der Windenergie sicherzustellen. Deswegen begrüßt der LEE NRW, im Sinne eines verstärkten Ausbaus der Windenergie im Binnenland, zumindest vorläufig die geplante Einführung einer so genannten „Netzausbauregion“ im neuen EEG. In dieser soll der Zubau der Windenergie künftig auf knapp 60 Prozent des durchschnittlichen Ausbaus der drei Vorjahre begrenzt werden.

Als völlig abwegig sieht der LEE NRW allerdings erste veröffentlichte Karten an, in denen beispielsweise östliche Teile Nordrhein-Westfalens und Gesamthessen mit in diese geplante Netzausbauregion einbezogen werden, während beispielsweise Mecklenburg-Vorpommern dort gänzlich ausgenommen ist: „Nordrhein-Westfalen ist für rund 25 Prozent des bundesdeutschen Strombedarfs verantwortlich. Gerade Ostwestfalen mit seinen industriellen und gewerblichen Verbrauchszentren kennzeichnet eine Region, in der es keine Einspeiseüberschüsse aus Erneuerbaren-Anlagen gibt. Zugleich durchqueren bereits zwei große Übertragungsleitungen die Region. Diese Gegend als Netzausbauregion zu definieren, wäre geradezu absurd.“, so Dobertin weiter.

Gleichzeitig weist der LEE NRW aber auch darauf hin, dass mit der Definition der Netzausbaugebiete ein gefährlicher Paradigmenwechsel erfolge. So orientiere sich der Ausbau der Erneuerbaren Energien damit erstmals an der Netzsituation. Dabei war der bisherige Erfolg der Energiewende vor allem von dem Prinzip getragen, dass der Ausbau der Netze dem Ausbau der Erneuerbaren Energien zu folgen habe, und nicht umgekehrt. Dieses Prinzip dürfe nun nicht weiter ausgehöhlt werden.

Zugleich müsse mit den jetzt vorgenommenen Einschränkungen auch zwingend der Druck auf die Netzbetreiber zu einer fristgerechten Fertigstellung von Übertragungsleitungen steigen. So sei es beispielsweise nicht einzusehen, dass Netzbetreiber absolut marktunüblich keine Vertragsstrafen bei nicht fristgerechter Fertigstellung der Netze zu zahlen hätten. Darüber hinaus seien dringend Vorgaben notwendig, die die Abregelung von Windstrom in angespannten Netzregionen Norddeutschlands verhindere. Denn die zunehmende Abschaltung von Windenergieanlagen, die trotzdem vergütet werden, komme einer Verschwendung von Strom gleich und gefährde die gesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende. Dafür gelte es endlich, den Wärme-, Mobilitäts- und Speichermarkt in den angespannten Netzregionen für regenerativen Strom zu öffnen und durch diese Sektorenkopplung lokale Verbrauchsoptionen zu schaffen. Hierfür seien unter anderem auch unternehmerische Eigenversorgungslösungen hilfreich.

PM: Landesverband Erneuerbare Energien NRW e. V.

Foto: HB

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