Dialogverfahren Ostküstenleitung: Netzbetreiber wird einen Erdkabelteilabschnitt planen

Erdkabel / Foto: HB

Ergebniskonferenz für Dialogverfahren Ostküstenleitung

(WK-intern) – Abschnitte Raum Lübeck-Göhl / Raum Lübeck-Siems: Netzbetreiber wird einen Erdkabelteilabschnitt planen.

Minister Habeck: „Die geplante Strecke am Oldenburger Graben kann Anwohner entlasten und dem Vogelschutz dienen.“

KIEL/EUTIN. Mit einer Konferenz in Eutin (Ostholstein) hat Energiewendeminister Robert Habeck heute (7. Juni 2016) die Ergebnisse des „Erdkabeldialogs“ für die Planung der 380-kV-Ostküstenleitung zwischen Lübeck und Oldenburg i.H. vorgestellt. Demnach wird der zuständige Netzbetreiber TenneT auf dem nördlichen Teil der Leitung einen Erdkabelabschnitt planen, und zwar im Bereich des Oldenburger Grabens.

„Wir brauchen den Netzausbau. Aber es ist klar, dass er in die Lebensumwelt der Menschen und in die Natur eingreift. Das gilt auch für Erdkabel, die insbesondere in der Landwirtschaft oder bezüglich archäologischer Funde Fragen aufwerfen. Aber im Raum Göhl / Oldenburg kann die Erdkabeltechnik helfen, den Netzausbau verträglicher zu gestalten“, sagte Minister Habeck.

Der für die Planung zuständige Netzbetreiber TenneT hat auf dem nördlichen Abschnitt der Ostküstenleitung insgesamt drei Streckenabschnitte für eine Erdverkabelung geprüft. Im Ergebnis kommt sie im Kreis Ostholstein an einem Abschnitt in Frage: In Sebent / Göhl plant TenneT einen Kabelabschnitt von vier Kilometer Länge, der das Naturschutzgebiet Oldenburger Graben unterqueren soll.

Minister Habeck betonte: „Der Raum Oldenburg / Göhl in Holstein hat eine wichtige Bedeutung für die Windenergie und als Netzknoten in der Region. Hier können wir mit einem Erdkabel die Anwohner von weiterer Infrastruktur entlasten. Das hilft gleichzeitig dem Vogelschutz in einem sensiblen Gebiet.“

Lex Hartman, Mitglied der TenneT-Geschäftsführung, sagte: „Wir arbeiten intensiv daran, diesen Erdkabelteilabschnitt zu realisieren. Der Bürgerdialog hat geholfen, die Akzeptanz für die Ostküstenleitung in Schleswig-Holstein zu vergrößern. Wichtig ist, dass der Netzausbau in Deutschland insgesamt beschleunigt wird. Wir geraten immer mehr in eine Situation, in der wir Energie nicht mehr transportieren können. Dadurch steigen auch die Kosten für netzstabilisierende Maßnahmen immer stärker an.“

Habeck zur Frage einer Seebäderleitung: „Das würde die Menschen in der Region noch stärker belasten.“

Der von TenneT bevorzugte Korridor für die 380-kV-Leitung soll von Neustadt i.H. zunächst nach Westen und dann südlich Richtung Lübeck durch das Hinterland führen. „Der Korridor soll die Seebäder entlasten. Sie sind ohnehin schon von der geplanten Schienenanbindung der Fehmarnbeltquerung und der Erweiterung der Autobahn 1 arg betroffenen“, sagte Habeck. Die favorisierte Variante im Hinterland geht zwar durch freiere Landschaft, sie sei aber insgesamt gesehen für die Menschen in Ostholstein der geringere Eingriff und halte größerem Abstand zu Siedlungen ein als eine Leitung nahe den Seebädern.

Die ebenfalls geprüfte Seebädervariante, die im Dialogverfahren 2014/2015 als zweitbester Korridor abgeschnitten hatte, würde dagegen zu einer „Überbündelung“ führen und wäre wegen der Autobahn 1, vorhandener 110-kV-Leitungen und der Bahnstrecke für die Hinterlandanbindung mit Lärmschutz auf sehr engem Raum schwer zu realisieren. „Das gilt auch für ein Erdkabel. Die Hoffnung, dass die gesamte Leitung dort unter die Erde gebracht werden könnte, hat sich nicht erfüllt“, sagte Habeck.

Hintergrund zu den Voraussetzungen für Erdkabel

Für Erdkabelabschnitte gelten die neu entwickelten Planungsgrundsätze des Netzbetreibers auf der Grundlage der gesetzlichen Vorgaben. Die rechtliche Grundlage für die Planung von Erdkabelteilabschnitten an der Ostküstenleitung schafft das Anfang Januar 2016 geänderte Bundesbedarfsplangesetz, das unter bestimmten Voraussetzungen die Prüfung von Erdkabelteilabschnitten für das Pilotprojekt Ostküstenleitung erlaubt. Der Netzbetreiber kann danach die Erdkabeloption prüfen, wenn sich die geplante Freileitungstrasse innerorts 400 Meter und außerhalb von Ortschaften 200 Meter an Wohngebäude annähert. Die Erdverkabelung muss zudem auf technisch und wirtschaftlich effizienten Teilabschnitten zum Einsatz kommen und spürbare Entlastung schaffen. Dies ist auf der Teilstrecke Sebent / Göhl Nähe Oldenburg i.H. der Fall. Bei den anderen Prüfabschnitten wäre die Entlastungswirkung eines Erdkabels zu gering oder das Erdkabel im gegebenen Raum nicht zu realisieren.

Das Energiewendeministerium Schleswig-Holsteins hat die Erdkabelprüfoption für die Ostküstenleitung im März / April 2016 im Rahmen eines Dialogverfahrens mit vier Bürgerdialog-Veranstaltungen im Kreis Ostholstein sowie Fachdialogen zu den Themen Landwirtschaft, Bodenschutz und Naturschutz in enger Kooperation mit dem Netzbetreiber TenneT in der Region zur Diskussion gestellt. Nach der Diskussion beim Fachdialog Bodenschutz wurde zwischen TenneT und dem Archäologischen Landesamt verabredet, ein Prüfkonzept zur Vermeidung von Schäden durch die Unterdükerung des Gebiets mit einem Höchstspannungserdkabel im archäologisch bedeutsamen Raum Oldenburger Graben zu erarbeiten.

Im Fachdialog Landwirtschaft wurden Themen wie mögliche Ertragseinbußen und Drainageschäden sowie Entschädigungsfragen erörtert. Dabei wurde deutlich, dass viele Landwirte die Erdverkabelung ablehnen. Aber es hat sich auch gezeigt, dass sich für diese Probleme durchaus Lösungen entwickeln lassen. So wird der Netzbetreiber eine bodenkundliche Baubegleitung zur Vermeidung von Bodenschäden ausschreiben und hat sich bereit erklärt, den Leitfaden zum Bodenschutz auf Linienbaustellen der Obersten Bodenschutzbehörde LLUR anzuwenden.

Die Fragen, Hinweise und Anregungen aus dem Dialog werden in einem Ergebnisbericht präsentiert und beantwortet, der bei der heutigen Konferenz vorgestellt wird.

Ergebnisbericht zum Download:
www.schleswig-holstein.de/ostkuestenleitung


Die 380-kV-Ostküstenleitung

Die Ostküstenleitung soll als 380-kV-Wechselstromleitung Netzengpässe beheben und die wachsende Menge an Erneuerbaren Energien abtransportieren. So ist in den nächsten Jahren mit einem Zuwachs an Leistung aus Erneuerbaren Energien in der Region von 500 auf 1.500 Megawatt zu rechnen.

Für Planung und Bau der 380-kV-Höchstspannungsleitung haben sich die Landesregierung Schleswig-Holstein und die Netzbetreiber Schleswig-Holstein Netz AG und TenneT TSO GmbH in einer Realisierungsvereinbarung zur Ostküstenleitung auf einen Zeitplan zur Planung und Realisierung des Projekts geeinigt. Dieser Zeitplan wird nun nach der Identifizierung von Prüfabschnitten für Erdverkabelung angepasst. Die Ostküstenleitung soll ab 2019 abschnittsweise gebaut werden, beginnend beim Abschnitt Raum Segeberg nach Lübeck (Baubeginn 2019), gefolgt von den Abschnitten Raum Lübeck – Göhl (2020) und Raum Lübeck – Siems (Baubeginn 2020). Verantwortlich für Planung und Bau ist der zuständige Höchstspannungsnetzbetreiber TenneT.

Um Bürgerinnen und Bürgern, Verbänden und Kommunen frühzeitig in die Planungen mit einzubeziehen, hatte das Energiewendeministerium 2014 ein Dialogverfahren in der Region gestartet. Dabei hatten viele Gemeinden und Anwohner in den betroffenen Kreisen, Städten und Kommunen den Wunsch nach Erdverkabelung an den Minister herangetragen. Die Landesregierung unterstützte dieses Anliegen intensiv. Gemeinsam gelang es, eine Pilotregion zur Erprobung von Erdverkabelung auf bestimmten Streckenabschnitten zu werden. So können wir an besonders sensiblen Stellen, insbesondere wenn die Annäherung an Wohnansiedlung nicht zu vermeiden ist, unter bestimmten Voraussetzungen Belastungen vor Ort verringern.

PM: Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Schleswig-Holstein

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