Ergebniskonferenz für Dialogverfahren Ostküstenleitung

Pressebild: Robert Habeck © Staatskanzlei

Abschnitt Kreis Segeberg – Raum Lübeck:

(WK-intern) – Netzbetreiber wird zwei Erdkabelteilabschnitte planen.

Minister Habeck: „Der Netzausbau ist dringend erforderlich. Die geplanten Strecken können helfen, Anwohner zu entlasten.“

KIEL/BAD OLDESLOE. Mit einer Konferenz in Bad Oldesloe, Stormarn, hat Energiewendeminister Robert Habeck heute die Ergebnisse des „Erdkabeldialogs“ für die Planung der 380-kV-Ostküstenleitung zwischen Henstedt-Ulzburg und Lübeck vorgestellt. Demnach wird der zuständige Netzbetreiber TenneT auf dem ersten Abschnitt der Leitung zwei Erdkabelteilabschnitte planen, und zwar in den Gemeinden Henstedt-Ulzburg und Kisdorferwohld.

„Der Netzausbau ist dringend erforderlich, aber ohne Zweifel ein Eingriff in die Lebensumwelt und die Natur. Und auch Erdkabel werfen Fragen auf, insbesondere in der Landwirtschaft. In den Bereichen Henstedt-Ulzburg und Kiesdorferwohld können sie aber helfen, zahlreiche Anwohner zu entlasten. Das hat sich im Dialogverfahren deutlich gezeigt“, sagte Minister Habeck heute in Bad Oldesloe.

Der für die Planung zuständige Netzbetreiber TenneT hat auf dem ersten Abschnitt der Ostküstenleitung insgesamt fünf Streckenabschnitte geprüft. Im Ergebnis kommt die Erdverkabelung in den Kreisen Segeberg und Stormarn an zwei Streckenabschnitten in Frage: In Kisdorferwohld plant TenneT einen Kabelabschnitt von ca. 4 Kilometer Länge in offener Grabenbauweise; in Henstedt-Ulzburg prüft der Netzbetreiber derzeit einen Erdkabelabschnitt von ca. 5 Kilometer Länge, der zum einen Teil in offener Grabenbauweise vorgesehen ist und zum anderen einen Teil der Pinnauwiesen unterqueren soll.

Minister Habeck betonte: „Damit ist die Option gefunden, die der Gemeinde eine Entlastung bringt. Ich hoffe sehr, dass es hier einen gemeinsamen konstruktiven Weg gibt, denn wir laufen sonst Gefahr, dass nur schlechtere Lösungen umgesetzt werden können.“ Lex Hartman, Mitglied der TenneT-Geschäftsführung, sagte: „Auch wenn letzte Prüfungen noch ausstehen, arbeiten wir intensiv an der Umsetzung, in diesem dicht besiedelten Gebiet von Henstedt-Ulzburg eine gute Streckenführung für den Erdkabelteilabschnitt zu realisieren und damit die Akzeptanz für die Ostküstenleitung bei den Bürgern zu vergrößern.“

Die Erdkabelabschnitte wurden nach den neu entwickelten Planungsgrundsätzen des Netzbetreibers auf der Grundlage der gesetzlichen Vorgaben ermittelt. Die rechtliche Grundlage für die Planung von Erdkabelteilabschnitten an der Ostküstenleitung schafft das Anfang Januar 2016 geänderte Bundesbedarfsplangesetz, das unter bestimmten Voraussetzungen die Prüfung von Erdkabelteilabschnitten für das Pilotprojekt Ostküstenleitung erlaubt. Der Netzbetreiber kann danach die Erdkabeloption prüfen, wenn sich die geplante Freileitungstrasse innerorts 400 Meter und außerhalb von Ortschaften 200 Meter an Wohngebäude annähert. Die Erdverkabelung muss zudem auf technisch und wirtschaftlich effizienten Teilabschnitten zum Einsatz kommen und spürbare Entlastung schaffen. Dies ist auf den beiden Teilstrecken in Kisdorferwohld und Henstedt-Ulzburg der Fall. Bei den anderen Prüfabschnitten wäre die Entlastungswirkung eines Erdkabels einfach zu gering. Weitere Erdkabelabschnitte werden deshalb zwischen Henstedt-Ulzburg und Lübeck nicht weiter verfolgt.

Das Energiewendeministerium Schleswig-Holstein hat die Erdkabelprüfoption für die Ostküstenleitung im März / April 2016 im Rahmen eines Dialogverfahrens mit fünf Bürgerdialog-Veranstaltungen in den Kreisen Segeberg und Stormarn sowie Fachdialogen zu den Themen Landwirtschaft, Bodenschutz und Naturschutz in enger Kooperation mit dem Netzbetreiber TenneT in der Region zur Diskussion gestellt.
Im Fachdialog Landwirtschaft wurden Themen wie mögliche Ertragseinbußen und Drainageschäden sowie Entschädigungsfragen erörtert. Dabei wurde deutlich, dass viele Landwirte die Erdverkabelung ablehnen. Aber es hat sich auch gezeigt, dass sich für diese Probleme durchaus Lösungen entwickeln lassen. So wird der Netzbetreiber eine bodenkundliche Baubegleitung zur Vermeidung von Bodenschäden ausschreiben und hat sich bereit erklärt, den Leitfaden zum Bodenschutz auf Linienbaustellen der Obersten Bodenschutzbehörde LLUR anzuwenden.

Die Fragen, Hinweise und Anregungen aus dem Dialog werden in einem Ergebnisbericht präsentiert und beantwortet, der bei der heutigen Konferenz vorgestellt wird.

Ergebnisbericht zum Download, ab Freitag, 3. Juni, 9 Uhr:
www.schleswig-holstein.de/ostkuestenleitung

Die 380-kV-Ostküstenleitung

Die Ostküstenleitung soll als 380-kV-Wechselstromleitung Netzengpässe beheben und die wachsende Menge an Erneuerbaren Energien abtransportieren. So ist in den nächsten Jahren mit einem Zuwachs an Leistung aus Erneuerbaren Energien in der Region von 500 auf 1.500 Megawatt zu rechnen.

Für Planung und Bau der 380-kV-Höchstspannungsleitung haben sich die Landesregierung Schleswig-Holstein und die Netzbetreiber Schleswig-Holstein Netz AG und TenneT TSO GmbH in einer Realisierungsvereinbarung zur Ostküstenleitung auf einen Zeitplan zur Planung und Realisierung des Projekts geeinigt. Dieser Zeitplan wird nun nach der Identifizierung von Prüfabschnitten für Erdverkabelung angepasst. Die Ostküstenleitung soll ab 2019 abschnittsweise gebaut werden, beginnend beim Abschnitt Raum Segeberg nach Lübeck (Baubeginn 2019), gefolgt von den Abschnitten Raum Lübeck – Göhl (2020) und Raum Lübeck – Siems (Baubeginn 2020). Verantwortlich für Planung und Bau ist der zuständige Höchstspannungsnetzbetreiber TenneT.

Um Bürgerinnen und Bürgern, Verbänden und Kommunen frühzeitig in die Planungen mit einzubeziehen, hatte das Energiewendeministerium 2014 ein Dialogverfahren in der Region gestartet. Dabei hatten viele Gemeinden und Anwohner in den betroffenen Kreisen, Städten und Kommunen den Wunsch nach Erdverkabelung an den Minister herangetragen. Die Landesregierung unterstützte dieses Anliegen intensiv. Gemeinsam gelang es, eine Pilotregion zur Erprobung von Erdverkabelung auf bestimmten Streckenabschnitten zu werden. So können wir an besonders sensiblen Stellen, insbesondere wenn die Annäherung an Wohnansiedlungen nicht zu vermeiden ist, unter bestimmten Voraussetzungen Belastungen vor Ort verringern.

PM: Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume

Pressebild: Robert Habeck © Staatskanzlei

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