Studie: Kommunale Finanzprobleme zehren an Energieversorgern

Studie: Finanzierungsfähigkeit kommunaler Energieversorger

Strukturierung von Finanzierungen gewinnt an Bedeutung

  • Konzernfinanzierung durch Daseinsvorsorge immer komplexer
  • Hohe Ausschüttungen schwächen die Finanzkraft
  • Kennzahlen bei fast jedem Vierten deutschen EVU in kritischem Bereich

(WK-intern) – Die vielerorts übliche Subventionierung anderer kommunaler Betriebe wird für viele kommunale Energie- und Versorgungsunternehmen (EVUs) zu einer ernsthaften Belastung:

Aufgrund geringerer Margen im Strom- und Gasgeschäft, weniger Liquidität und höherer Verschuldung nimmt der Bedarf, Finanzierungen zu strukturieren, deutlich zu. Energieversorger, die Aufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge übernehmen, stehen dabei erheblich schlechter da als andere Versorger.

Das zeigt die aktuelle PwC-Studie „Finanzierungsfähigkeit kommunaler Energieversorger“, für die 300 Jahresabschlüsse von 2014 analysiert wurden. Die Rentabilität (EBITDA-Marge) der Versorger, Energieversorger, die Aufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge übernehmen, lag in 2014 nur bei 11,8 Prozent. Zum Vergleich: Die übrigen EVUs kamen durchschnittlich auf 15,3 Prozent. Das gleiche Bild zeigte sich beim Verschuldungsgrad: Auch hier schnitten kommunale EVUs, die beispielsweise die Verluste des öffentlichen Nahverkehrs auffangen, mit einem Wert von 2,8 deutlich schlechter ab die reinen Versorger (1,8).

„Es hat in vielen Städten Tradition, Aufgaben der Daseinsvorsorge aus den Gewinnen des kommunalen Energieversorgers zu finanzieren. Solange die meisten EVUs hohe Gewinne erwirtschafteten, war das kein großes Problem – da nahmen die Versorger es fast selbstverständlich hin, den ÖPNV oder den Bäderbetrieb zu subventionieren. In den vergangenen Jahren sind die Margen vieler EVU aber zusehends geschrumpft. Darum müssen die Kommunen sich allmählich fragen, was sie ihren Versorgern noch zumuten dürfen, ohne deren finanzielle Basis weiter auszuhöhlen“, sagt Bernd Papenstein, Finanzierungsexperte bei PwC im Bereich öffentlicher Sektor.

Dasselbe gelte für die Ausschüttung von Gewinnen an die kommunalen Träger. So lag die Ausschüttungsquote der untersuchten Versorger 2014 im Median bei 92,7 Prozent. Das bedeutete nochmals einen Anstieg von 0,7 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Bei den Energie- und Versorgungsunternehmen, die sich nicht unmittelbar an der Daseinsvorsorge beteiligen, lag die Quote sogar bei 99,6 Prozent – was darauf hindeutet, dass auch diese EVUs indirekt kommunale Finanzlöcher schließen müssen. „Viele Kommunen leiden unter finanziellen Problemen. Die Ausschüttungen zu erhöhen, mag darum naheliegend sein. Es ist aber auch kurzsichtig. Denn ohne ausreichende Finanzmittel wird es für viele kommunale Versorger auf lange Sicht schwierig zu überleben“, so Papenstein.

Bei rund 22 Prozent aller EVU ist die Finanzierungssituation schon jetzt kritisch. Als Maßstab dient das Verhältnis der Nettofinanzverschuldung zum EBITDA. Es weist bei diesen Versorgern mindestens einen Wert von 4,0 auf. Nicht nur die in der Daseinsvorsorge engagierten EVUs liegen übrigens überdurchschnittlich oft über dieser Schwelle. Sondern auch jene kommunalen Versorger, die eigene konventionelle Kraftwerke betreiben oder an solchen beteiligt sind.

Auf der anderen Seite zeigt die PwC-Studie allerdings auch, dass sich die Finanzkraft vieler Energie- und Versorgungsunternehmen in 2014 stabilisiert hat. So sank beispielsweise die Verbindlichkeitenquote – also das Verhältnis der Bruttofinanzverschuldung zum eingesetzten Gesamtfinanzierungskapital – auf durchschnittlich 42,1 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr (43,1 Prozent) bedeutete das eine geringfügige Verbesserung. Und: Trotz der hohen Ausschüttungen lag die Eigenmittelquote im Schnitt noch immer bei 40,7 Prozent und damit auf Vorjahresniveau. Von Vorteil waren für die EVUs dabei die positiven Rahmenbedingungen an den Finanzmärkten.

„Ein Grund für die erkennbare Stabilisierung ist aus unserer Sicht auch die zunehmende Veränderungsbereitschaft. Zahlreiche Diskussionen in den vergangenen Monaten zeigen uns, dass die Entscheidungsträger die immensen finanzwirtschaftlichen Herausforderungen offensiv annehmen. Die Branche ist längst weiter als häufig angenommen“, sagt Norbert Schwieters, Leiter Energiewirtschaft bei PwC.

Bei der Finanzierung kommt es nicht unbedingt darauf an, möglichst innovative Instrumente einzusetzen. „Wichtiger wird es in den kommenden Jahren sein, die verschiedenen Optionen bei der Finanzierung möglichst passgenau aufeinander abzustimmen“, so Papenstein. „Das gilt zum Beispiel im Hinblick auf Laufzeiten, Zinsbindungen, Abrufstrukturen und Sicherheiten sowie in puncto Diversifikation und Selektion der Bankpartner.“ Darüber hinaus werde es immer wichtiger, den kommunalen Energieversorger nicht isoliert zu betrachten, sondern seine Finanzierungsstrategie in den „Gesamtkonzern Stadt“ einzubetten.

Über PwC:
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PM: PwC

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