Wiederholter Kontrollverlust in deutschen AKWs

Für drei Jahre sind alle Fässer vom Hersteller als sicher erklärt ... Pressebild: Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein
Für drei Jahre sind alle Fässer vom Hersteller als sicher erklärt ... Pressebild: Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein
Für drei Jahre sind alle Fässer vom Hersteller als sicher erklärt …
Pressebild: Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft,
Umwelt und ländliche Räume
des Landes Schleswig-Holstein

Korrosion an weiterem Fass im Kernkraftwerk Brunsbüttel – Ursache wird untersucht

(WK-intern) – Im Kernkraftwerk Brunsbüttel (KKB) sind bei Untersuchungen Korrosionserscheinungen an einem weiteren Fass mit schwach radioaktiven Abfällen festgestellt worden.

Das für den Abtransport vorgesehene Fass befand sich unter insgesamt 171 vergleichbaren Fässern in der Transportbereitstellungshalle 1 (TBH1), in der schwach- bis mittelradioaktive Abfälle untergebracht sind.

Dies teilte die Atomaufsicht heute (21. April 2016) mit.

Unter Lackaufblähungen waren etwa münzgroße Korrosionsstellen entdeckt worden. Gesundheitsgefährdende Strahlung geht von dem Fass nicht aus. Die Ortsdosisleistung an dessen Oberfläche ist deutlich geringer als 1 Mikrosievert pro Stunde.

Ähnliche Befunde sind auch an weiteren Fässern zu erwarten. Die beiden Transportbereitstellungshallen des Kernkraftwerks werden für die längerfristige Aufbewahrung von schwach- und mittelradioaktiven Rest- und Abfallstoffen genutzt, die seit Ende der 1970er Jahre im KKB angefallen sind. Sie sollen in wenigen Jahren von einem neuen Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle (LasmA) abgelöst und geleert werden. Hierfür läuft derzeit das Genehmigungsverfahren.

Das von Korrosion befallene 400 l-Fass enthält nach Angaben der Betreibergesellschaft schwach radioaktiven Bauschutt, der gut 30 Jahre alt ist. Zuletzt war die TBH 1 im 4. Quartal 2015 inspiziert worden. Bei dieser visuellen Inspektion, die aufgrund der örtlichen Gegebenheiten nur mit einigen Metern Abstand möglich ist, waren noch keine Auffälligkeiten festgestellt worden. In der Halle stehen die Fässer dicht gestapelt.

Die Betreibergesellschaft hatte als vorbereitende Maßnahme für die Leerung der TBH beabsichtigt, das Fass als eines von insgesamt 20 Fässern an eine Konditionierungsanlage für radioaktive Stoffe in Duisburg zu liefern. Deshalb war von der Atomaufsichtsbehörde (Energiewendeministerium) angeordnet worden, die Fässer zunächst auf mögliche bislang unentdeckte Beschädigungen zu untersuchen und die Dosisleistung zu messen. Nachdem die ersten drei Fässer auch bei näherer Betrachtung unauffällig waren, wurden an dem vierten Fass die Lackaufblähungen festgestellt. Mindestens eine Blase enthält Flüssigkeit. An einer anderen Stelle führte leichtes Kratzen zu einer wanddurchdringenden Öffnung mit einem Durchmesser von ca. 20 Millimeter. Die Betreiberin hat daraufhin vorschriftsmäßig die weitere Handhabung eingestellt und die Atomaufsicht informiert.

„Es zeigt sich, dass inzwischen alle Beteiligten für den Umgang mit Rostschäden sehr sensibilisiert sind. Mit Korrosion muss man nach jahrzehntelanger Lagerung rechnen. Deshalb ist es wichtig, sie früh zu erkennen“, sagte Energiewendeminister Robert Habeck. Die Ursachen der Korrosion sollen nun geprüft werden.

Die Arbeiten sind derzeit gestoppt, die vier Fässer (einschließlich des beschädigten Fasses) wurden zunächst mit Zustimmung der Atomaufsicht in einem Container in den Kontrollbereich des Kernkraftwerks überführt. Die Atomaufsicht hat von der Betreiberin zum einen ein Konzept zur sicheren Handhabung der weiteren 16 Fässer verlangt, das von unabhängigen Sachverständigen geprüft wird und der Zustimmung der Behörde bedarf. Auch die weiteren Fässer sollen gezielt geprüft werden.

Zum anderen ist von der Betreiberin ein Konzept zur Untersuchung des Schadensmechanismus vorzulegen. Insbesondere soll festgestellt werden, ob es sich um Korrosion von außen nach innen oder – was wahrscheinlicher ist – um Korrosion von innen nach außen handelt. Danach wird darüber befunden werden, auf welche Weise die übrigen Fässer in der Transportbereitstellungshalle zu inspizieren sind. Hinweise, dass die Handhabbarkeit eingeschränkt sein könnte, gibt es bislang nicht.

Hintergrund:
Das Kernkraftwerk Brunsbüttel ist bereits seit 2007 dauerhaft abgeschaltet und befindet sich im Nachbetrieb. Die Betreibergesellschaft hat die Stilllegung und den Abbau beantragt.
Das gleichzeitig für die Aufnahme aller nicht Wärme entwickelnden Abfallstoffe beantragte neue Lager (LasmA), soll neben den bereits in den TBH lagernden Abfällen auch die im Zuge des Rückbaus weiter anfallenden radioaktiven Abfallstoffe aus dem KKB aufnehmen. Das Genehmigungsverfahren für das LasmA wird parallel zum Stilllegungsgenehmigungsverfahren betrieben.

Vor gut vier Jahren waren in unterirdischen Kavernen des Kernkraftwerks Brunsbüttel bereits korrodierte Fässer mit Filterharzen und Verdampferkonzentraten entdeckt worden. Die Bergung und Neuverpackung dieser Fässer hat am 29. Februar 2016 begonnen.

Korrosionserscheinungen an den z.T. seit mehreren Jahrzehnten lagernden Behältern mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen sind ein bundesweit zunehmend an Bedeutung gewinnendes Thema. Nähere Informationen dazu finden sich unter anderem im Bericht „Vermeidung von Korrosionsschäden an Fässern für nicht Wärme entwickelnde radioaktive Abfallstoffe in Schleswig-Holstein einschließlich Lagerstättenkataster“, abrufbar auf der Homepage des MELUR. Ein Endlager für schwach- und mittelradioaktive Stoffe steht nach wie vor nicht zur Verfügung. Das Endlager Schacht Konrad in Salzgitter soll nach gegenwärtigem Stand seinen Betrieb im Jahr 2022 aufnehmen.

PM: Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft,
Umwelt und ländliche Räume
des Landes Schleswig-Holstein

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