Grundsatzurteil: Flugsicherung kann Bau von Windenergieanlagen ohne fachlich fundierte Bewertung verhindern

Radarsystem im Bürgerwindpark Ockholm-Langenhorn / Bild: HB
Radarsystem im Bürgerwindpark Ockholm-Langenhorn / Bild: HB

Bundesverwaltungsgericht entscheidet: Flugsicherung kann Bau von Windenergieanlagen ohne fachlich fundierte Bewertung verhindern

(WK-intern) – Oberstes Verwaltungsgericht fällt Grundsatzurteil zur rechtlichen Beurteilung der Störung von Drehfunkfeuern durch Windenergieanlagen

Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung muss fachlich fundierte Gutachten nicht in Bewertung einbeziehen

  • Bis zu 2,3 Gigawatt zusätzliche Windenergie-Leistung blockiert
  • Windpark Meerberg 2 in der Region Hannover kann nicht weitergeplant werden

Hannover/Leipzig –  Das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) in Leipzig hat in einer für die weitere Entwicklung der Windenergie bedeutenden Entscheidung am  Donnerstag, den 7. April 2016 die Errichtung von vier weiteren Windenergieanlagen durch die Windwärts Energie GmbH im Windpark Meerberg in der Region Hannover verhindert. Das Gericht hatte zu prüfen, ob die geplanten Windenergieanlagen den Betrieb des Drehfunkfeuers ,,Leine“ und damit unter anderem den geordneten Flugbetrieb am Flughafen Hannover gefährden.

Der vierte Senat des Bundesverwaltungsgerichts hat nun das Urteil des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Lüneburg vom  Januar 2015 bestätigt und die im  Genehmigungsverfahren getroffene Entscheidung des Bundesaufsichtsamts für Flugsicherung (BAF)  zur störenden Wirkung der geplanten Windenergieanlagen auf das Drehfunkfeuer rechtlich nicht beanstandet. Das Gericht hat den §18a Luftverkehrsgesetz (LuftVG) so ausgelegt, dass der fachlichen Stellungnahme der Deutschen Flugsicherung GmbH (DFS) kraft gesetzlicher Aufgabenzuweisung ein besonderes Gewicht zukommt. Vorliegende Gutachten anderer anerkannter Fachleute, die dem international anerkannten Stand der Technik genügen, müssen deshalb auch weiterhin nicht in die Bewertung einbezogen werden.

Im vorliegenden Verfahren war der international renommierte Experte Dr. Gerhard Greving zu dem Ergebnis gekommen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Störung des Navigationssystems sehr gering und damit zu vernachlässigen sei. Aufgrund des Urteils kann das BAF dieses und ähnliche Gutachten auch in Zukunft ignorieren.

Urteil mit weitreichenden Folgen für die Windenergie insgesamt

Das Urteil hat weitreichende Folgen für den weiteren Ausbau der Windenergie in Deutschland. Laut Bundesverband Windenergie (BWE) wird derzeit durch die kompromisslose Haltung von BAF und DFS die Planung von etwa 800 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 2,3 Gigawatt blockiert.

,,Dieses Urteil trägt dazu bei, den zukünftigen Ausbau der Windenergie in Deutschland auszubremsen „, so Lothar Schulze, Geschäftsführer von Windwärts anlässlich des Urteils. Dabei geht es der Branche aber nicht darum, dass die Flugsicherung bei der Planung von Windparks in Zukunft vernachlässigt werden soll. ,,Wir wissen, dass die Methodik der Deutschen Flugsicherung nicht dem Stand der Technik entspricht. Zwischen Windenergienutzung und Flugsicherung bestehen weit weniger Konflikte, als uns hierzulande weisgemacht wird. Dass das in dem Urteil nicht berücksichtigt wurde, bedauern wir sehr.“

So werden in allen Ländern außer Deutschland die von der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO empfohlenen Computersimulationen zur Berechnung der Störungen eingesetzt. Darüber hinaus werden von der DFS viel zu hohe Vorbelastungen im Anlagenschutzbereich angenommen. Zudem ist die Analogtechnik der meist mehrere Jahrzehnte alten Drehfunkfeuer technisch überholt und wird im Luftverkehr kaum noch eingesetzt.

,,Wir hätten uns eine andere Entscheidung im Sinne des weiteren Ausbaus der Windenergie gewünscht“, so Rechtsanwalt Jann Berghaus, der Windwärts in dem Verfahren vertritt. ,,Wir halten es nach wie vor für bedenklich, dass die DFS GmbH die Funknavigationsanlagen privatwirtschaftlich betreibt und ihre Stellungnahmen zur Zulässigkeit von Bauwerken nur eingeschränkt gerichtlich überprüfbar sein sollen.“

Nun sieht Windwärts den Gesetzgeber am Zug, um eine Lösung zu finden, die einen Ausgleich zwischen den Zielen des Windenergieausbaus und der Flugsicherung herstellt. ,,Der Ball liegt nun beim Bundesverkehrsministerium“, so Lothar Schulze.

Mit dem Urteil hat das Bundesverwaltungsgericht einen mittlerweile sechs Jahre andauernden Rechtsstreit beendet. Ursprünglich hatte Windwärts gegen die Region Hannover auf Erteilen eines Vorbescheids geklagt. Unmittelbar am Verfahren vor dem BVerwG beteiligt waren die Region Hannover als Beklagte sowie Prof. Dr. Volker Römermann als Insolvenzverwalter über das Vermögen der früheren Windwärts Energie GmbH.

PM: Windwärts Energie GmbH

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