Höhere Kosten für erneuerbare Energien durch instabile Energiepolitik

Höhere Kosten für erneuerbare Energien durch instabile Energiepolitik / Foto: HB
Höhere Kosten für erneuerbare Energien durch instabile Energiepolitik / Foto: HB

In der Europäischen Union unterscheiden sich die Kapitalkosten für Investitionen in Onshore-Windenergie stark von Land zu Land.

(WK-intern) – Hauptgrund ist das unterschiedliche Risiko für Investoren, das unter anderem durch die unterschiedliche Ausgestaltung der Politiken für erneuerbare Energien bedingt ist.

Bei einheitlich geringen Risiken könnte die EU die Förderkosten der Windenergie um rund 15 Prozent reduzieren.

Dies geht aus einer Studie hervor, die das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, Ecofys, die Eclareon GmbH und die Nationale Technische Universität von Athen im Rahmen des Projekts DiaCore durchgeführt haben.

Die Europäische Union hat sich das Ziel gesetzt, im Jahr 2020 mindestens 20 Prozent ihres Energieverbrauchs aus erneuerbaren Energiequellen zu beziehen. Laut Schätzung des Fraunhofer ISI, Ecofys sowie der Technischen Universität Wien werden dafür etwa 60 bis 70 Milliarden Euro pro Jahr benötigt. Da erneuerbare Energietechnologien durch hohe Anfangsinvestitionen charakterisiert sind, spielen die Kapitalkosten eine wichtige Rolle sowohl bei der Entscheidung für oder gegen Investitionen als auch bezüglich des notwendigen Förderbedarfs.

Die Kapitalkosten setzen sich aus den Kosten für die Beschaffung von Fremdkapital (beispielweise Kreditzinsen) und den Kosten für den Einsatz von Eigenkapital (beispielweise weniger Ausschüttung an Aktionäre) zusammen – und diese unterscheiden sich in jedem EU-Land: Die DiaCore-Studie zeigt exemplarisch für das Jahr 2014 auf, dass die Eigenkapitalkosten für Investitionen in Onshore-Windenergie-Projekte von 6 Prozent (Deutschland) bis 15 Prozent (Estland, Griechenland, Lettland, Litauen, Rumänien, Slowenien) reichen. Die Fremdkapitalkosten liegen zwischen 1,8 Prozent (Deutschland) und 12,6 Prozent (Griechenland). Daraus ergeben sich gewichtete durchschnittliche Kapitalkosten (weighted average cost of capital = WACC) zwischen 3,5 bis 4,5 Prozent für Deutschland und 12 Prozent für Griechenland und Kroatien. Ähnlich niedrige Zinssätze wie Deutschland weisen Frankreich (5,7 Prozent), Belgien (5 bis 6 Prozent) und Dänemark (5 bis 6,5 Prozent) auf, im hohen Bereich finden sich neben Griechenland und Kroatien auch Ungarn (11,3 Prozent), Rumänien (11,1 Prozent) und Slowenien (11 Prozent). Die anderen EU-Mitgliedsstaaten liegen im Mittelfeld.

Die Zahlen basieren auf Interviews mit mehr als 110 Banken und Entwicklern von Onshore-Windenergie-Projekten in der EU. Sind Einzelwerte angegeben, antworteten alle Befragten in dem Land ähnlich. Waren die Angaben in den Interviews sehr unterschiedlich, sind Spannen aufgeführt. Die Ergebnisse der Interviews zur Onshore-Windenergie lassen sich bedingt auf andere erneuerbare Energiequellen übertragen, vor allem auf Solaranlagen.

Prof. Dr. Mario Ragwitz, der das Projekt DiaCore am Fraunhofer ISI koordiniert hat, betont: „Diese Ungleichheit bei den Finanzierungsmöglichkeiten resultiert vor allem aus den je nach Land unterschiedlichen Risiken für Investoren – wenn ein Projekt riskant scheint, steigen die Kapitalkosten. Ein entscheidendes Risiko für Investitionen in erneuerbare Energien ist die Unsicherheit über die langfristig verlässliche Förderung, etwa durch instabile Energiepolitik mit häufigen plötzlichen Änderungen. Herrscht diese vor, steigen automatisch die Kosten für Investitionen in erneuerbare Energien.“

Der Abstand zwischen den Ländern mit geringen und hohen Kapitalkosten wird laut der Studie voraussichtlich sogar noch zunehmen. Dabei würde es sich lohnen, die Unterschiede zu verringern: Wenn alle 28 EU-Länder eine Politik für erneuerbare Energien hätten, die ein ähnlich geringes Risiko für Investoren bietet, wie es in Deutschland, Frankreich, Belgien und Dänemark der Fall ist, würde das pro Jahr etwa fünf Milliarden Euro an Kapitalkosten einsparen. Dr. Barbara Breitschopf, die die Arbeiten zur Finanzierung erneuerbarer Energien am Fraunhofer ISI koordiniert, sagt dazu: „Am wichtigsten hierfür sind zuverlässige Politiken, das heißt ohne rückwirkende oder kurzfristige Änderungen, so dass Investoren durch Politik beeinflusste Risiken abschätzen und einplanen können. Darüber hinaus sollten Risiken, die nicht marktbedingt sind, beispielsweise Verzögerungen durch administrative Prozesse oder Netzanschlüsse, durch eine entsprechende Politikausgestaltung übernommen oder zumindest reduziert werden.“

Die Studie „The impact of risks in renewable investments and the role of smart policies“ kann unter http://www.diacore.eu/results/item/enhancing-res-investments-final-report/ heruntergeladen werden.

Über DiaCore
Das Projekt DiaCore (Policy Dialogue on the assessment and convergence of RES policy in EU Member States) wird im Rahmen des Programms „Intelligent Energy Europe“ von der Europäischen Union gefördert. Projektleiter sind das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, Ecofys, die Eclareon GmbH und die Nationale Technische Universität von Athen. Ziel des Projekts ist die kontinuierliche Bewertung der Politik zur Förderung erneuerbarer Energien und die Etablierung eines Dialogs über zukünftige politische Bedürfnisse.

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der fundierten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.

PM: Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI

Weitere Beiträge:



Diesen Artikel weiterempfehlen:






Top