Überschüssiger Windstrom aus Dänemark kann in die Niederlande umgeleitet werden

Seekabelverlegeschiff „Giulio Verne“ von Prysmian / Pressebild: TenneT
Seekabelverlegeschiff „Giulio Verne“ von Prysmian / Pressebild: TenneT

Neues Seekabel entlastet deutsches Transportnetz

(WK-intern) – TenneT unterzeichnet Verträge mit Prysmian und Siemens für den Bau des Interkonnektors COBRAcable zwischen den Niederlanden und Dänemark

  • Förderung des Wettbewerbs im Energiemarkt für Nordwesteuropa

Der Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) TenneT und der dänische ÜNB Energinet.dk haben am 29.01.2016 in Berlin Verträge mit Siemens und Prysmian für den Bau von COBRAcable zwischen den Niederlanden und Dänemark unterzeichnet. Siemens wird je eine Konverterstation in Eemshaven (Niederlande) und in Endrup (Dänemark) für die Gleichstromleitung bauen. Prysmian liefert die Gleichstromkabel.

Lex Hartman, Mitglied der TenneT-Geschäftsführung, sagte: „COBRAcable wird positive Auswirkungen auf das deutsche Transportnetz haben. Solange der Netzausbau in Deutschland noch nicht vollständig abgeschlossen ist, kann überschüssige dänische Windenergie über  COBRAcable in die Niederlande umgeleitet und damit das deutsche Netz entlastet werden. Außerdem ergeben sich volkswirtschaftliche Vorteile durch COBRAcable für die Verbraucher in Deutschland.“

Mel Kroon, Vorstandsvorsitzender von TenneT, sagte: „Siemens und Prysmian sind hervorragende Partner für die Umsetzung dieses wichtigen Projekts. Ein Hauptziel von COBRAcable ist die Förderung des Wettbewerbs im Energiemarkt für Nordwesteuropa, was auch den Verbrauchern zugute kommt. Indem wir das niederländische und das dänische Stromnetz direkt miteinander verbinden, verbessern wir gleichzeitig die Versorgungssicherheit für Unternehmen und Privathaushalte in den beiden Ländern.“

COBRAcable soll im Jahr 2019 fertiggestellt werden. Zu der 325 Kilometer langen Hochspannungsgleichstrom-Übertragung (HGÜ), die eine direkte Verbindung zwischen dem niederländischen und dem dänischen Stromnetz herstellt, gehören 25 km Erdkabel auf der dänischen sowie 1 km Erdkabel auf der niederländischen Seite, wo jeweils küstennah die Konverterstationen errichtet werden. Dieser sogenannte Interkonnektor hat eine Gesamtkapazität von 700 Megawatt (MW).

Hintergrund

TenneT und Energinet.dk werden mehr als 600 Millionen Euro in das Projekt investieren. Die beiden ÜNB haben jeweils einen Anteil von 50 Prozent am COBRAcable-Projekt.

COBRA ist eine Abkürzung für “COpenhagen-BRussels-Amsterdam”. Die Europäische Kommission unterstützt das COBRAcable-Projekt mit einer Förderung von 86,5 Millionen Euro im Rahmen des Europäischen Energieprogramms zur Konjunkturbelebung (EEPR).  COBRAcable erhielt diese Förderung, weil sich das Projekt in ein zukünftiges Offshore-Elektrizitätsnetz in der Nordsee integrieren lässt, weil durch das Projekt der Wettbewerb auf dem Energiemarkt gefördert wird und weil es einen wichtigen Beitrag zur Integration großer Mengen von Windenergie in das Stromnetz leistet.

Weitere Seekabel-Interkonnektoren von TenneT

COBRAcable ist nicht der erste durch die Nordsee verlaufenden Interkonnektor von TenneT. Im Jahr 2008 stellte TenneT mit dem NorNed-Kabel zwischen den Niederlanden und Norwegen die bislang längste Gleichstromverbindung der Welt fertig (Kapazität: 700 MW, Länge: 580 km). Darauf folgte im Jahr 2011 das BritNed-Kabel zwischen den Niederlanden und Großbritannien (Kapazität: 1.000 MW, Länge: 260 km).

TenneT ist auch am NordLink-Projekt beteiligt, einem Meilenstein in der Realisierung der Energiewende. NordLink – das „grüne Kabel“ – schafft eine Verbindung zwischen den Kapazitäten der Wasserkraftwerke in Norwegen und der Windenergie in Deutschland und wird Engpässen im deutschen Übertragungsnetz entgegenwirken. Dieser Interkonnektor vergrößert die Möglichkeiten zum Austausch erneuerbarer Energien und leistet einen Beitrag zur Senkung der CO2-Emissionen und zum Erreichen der Klimaziele. Der Probebetrieb startet im 4. Quartal 2019, die Fertigstellung ist im Jahr 2020 geplant.
Alle Seekabelverbindungen verwenden HGÜ-Technologien.

Technische Fakten zu COBRAcable

Der durch die Nordsee verlaufende Interkonnektor wird als Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung zwischen Eemshaven (Niederlande) und Endrup (Dänemark) realisiert und wird eine Übertragungskapazität von 700 MW besitzen. Aufgrund der Streckenlänge wird zur Stromübertragung durch die beiden Kabel (Plus- und Minuspol), die mit Konverterstationen an jedem Ende verbunden sind, Gleichstrom  verwendet. Gleichstrom bietet sich vor allem bei langen Entfernungen und für große Übertragungsleistungen an.
Die Konverterstationen werden in an den beiden  Endpunkten errichtet. An diesen Standorten wird der Strom von Gleich- in Wechselstrom (bzw. umgekehrt, je nach Übertragungsrichtung) umgewandelt und in das niederländische bzw. dänische Übertragungsnetz eingespeist, um Haushalte und Unternehmen mit Strom zu versorgen.

PM: TenneT

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