EEX: Der Wind Power Future wird im Frühjahr 2016 eingeführt

Die Windpotentialunsicherheit an Standorten auf bewaldeten Hügeln ist deutlich höher als beispielsweise im Flachland oder an den Küsten. / Foto: HB
Der Wind Power Future wird im Frühjahr 2016 eingeführt / Foto: HB
Der Wind Power Future wird im Frühjahr 2016 eingeführt / Foto: HB

Börsenrat befürwortet Einführung weiterer Energiewendeprodukte

  • Windstrom-Futures in Vorbereitung
  • Weitere kurzfristige Fälligkeiten am Strom-Terminmarkt
  • Diskussion zu Preiszonen und Finanzmarktregulierung

(WK-intern) – Am 4. Dezember 2015 fand in Wien die letzte Börsenratssitzung der European Energy Exchange (EEX) des Jahres 2015 statt.

Die Hauptthemen der Sitzung unter dem Vorsitz von Peter Heydecker, Vitol SA, waren der geplante Windstrom-Future, neue Fälligkeiten am Strom-Terminmarkt in fünf Marktgebieten sowie regulatorische Entwicklungen.

In der Sitzung stellte die EEX die Kontraktspezifikationen für einen Windstrom-Future vor. Mit der steigenden Menge an fluktuierendem Windstrom im Stromnetz wächst die Anzahl der Unternehmen, die sich aufgrund der wachsenden Größe ihres Windenergie-Portfolios zunehmend einem Volumenrisiko ausgesetzt sehen. Das neue Produkt soll Marktteilnehmern die Absicherung der Windstromproduktion auf Basis eines Indexes, der die tatsächliche Windstromeinspeisung abbildet, ermöglichen. Die EEX wird das Produkt für das deutsch-österreichische Marktgebiet anbieten und die Fälligkeiten werden Wochen, Monate, Quartale und Jahre abdecken. Der Börsenrat begrüßte die Produkteinführung und stimmte der Aufnahme der Kontraktspezifikationen ins Regelwerk zu. Der „Wind Power Future“ wird im Frühjahr 2016 eingeführt und ist nach den Cap-Futures das zweite Produkt, das die EEX in der Reihe der so genannten „Energiewendeprodukte“ einführt. Bereits im September startete die EEX den Börsenhandel mit Cap-Futures, einem Terminkontrakt, der auf den deutschen Intraday-Markt der EPEX SPOT referenziert.

Weiterhin beabsichtigt die EEX, die Ergänzung der bestehenden Produkte im Stromterminmarkt um kurzfristige Fälligkeiten fortzusetzen. Seit Februar 2015 sind in den Marktgebieten Frankreich und Italien Tages- und Wochenendkontrakte für die Grundlastlieferung Strom handelbar. Aufgrund der positiven Volumenentwicklung der vergangenen Monate und dem anhaltenden Trend zum kurzfristigeren Handel sollen für beide Marktgebiete im Laufe des ersten Quartals 2016 zusätzlich Spitzenlast-Tages- und Wochenendfälligkeiten eingeführt werden. Zeitgleich plant die EEX, auch in den Marktgebieten Niederlande und Schweiz sowie im nordischen Markt Wochen-Futures für die Grundlastlieferung Strom einzuführen, die das bestehende Produktangebot von Monats-, Quartals- sowie Jahres-Futures in den genannten Marktgebieten ergänzen. Der Börsenrat stimmte den Produkterweiterungen zu, die dazu beitragen, die Liquidität in den „neuen“ Regionen zu erhöhen und weitere Handelsteilnehmer anzuziehen.

Der Börsenrat hat sich zudem mit der vom österreichischen Energieregulierer E-Control eingereichten Beschwerde bei der europäischen Energieregulierungsagentur ACER sowie der eingereichten Klage beim Europäischen Gericht auseinander gesetzt. Diese richten sich gegen den Vorschlag von ACER, die deutsch-österreichische Strompreiszone aufzuspalten. Der Börsenrat, der wiederholt vor einer Aufteilung der Preiszone gewarnt hat, begrüßte ausdrücklich die Intentionen der Beschwerde sowie der Klage, die gemeinsame Preiszone zu erhalten und diesbezüglich Klarheit zu erlangen. In der Diskussion wurde jedoch auch explizit darauf hingewiesen, dass eine Beibehaltung einer deutsch-österreichischen Preiszone nicht durch eine Aufteilung der Preiszone innerhalb Deutschlands erkauft werden dürfte. Die negativen Konsequenzen wären die gleichen. Der europäische Terminmarkt und insbesondere die hohe Liquidität in der deutsch-österreichischen Preiszone würden durch eine Teilung jedweder Art unmittelbar gefährdet. Der Börsenrat ruft alle Beteiligten der Diskussion auf, gemeinsam fachgerechte Lösungen zu erarbeiten und insbesondere die Anforderungen des Terminmarktes in der Debatte zu berücksichtigen. Dazu könnte ein „Runder Tisch“ eingerichtet werden, an dem neben den betroffenen Regulierern und Netzbetreibern auch die Handels- und Börsenseite teilnehmen sollte.

Schließlich beschäftigte der Börsenrat sich mit den Auswirkungen der Finanzmarktregulierung MiFID II/MiFIR auf den Energiemarkt. Er begrüßte die von der Europäischen Kommission und von der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA vorgeschlagene Verschiebung der Anwendung von MiFID II/MiFIR um ein Jahr auf Januar 2018. Dadurch wird den Behörden und Marktteilnehmern mehr Zeit gegeben, Klarheit über die konkrete Ausgestaltung der MiFID Gesetzgebung zu erhalten und sich auf die neuen Anforderungen einzustellen. Im Fokus der Debatte stand neben der Frage, wohin sie die Energiemärkte insgesamt entwickeln, erneut die Nebentätigkeitsausnahme für den Warenderivatehandel. Wird diese Ausnahme nicht sachgerecht ausgestaltet, kann dies erhebliche negative Effekte auf die Liquidität am Großhandelsmarkt und damit auf die Energiekosten insgesamt haben. Eine solche Entwicklung stünde in völligem Kontrast zum Ziel eines effizienten und integrierten Energiemarkts, so der Börsenrat.
Der Börsenrat der EEX ist ein Börsenorgan im Rahmen des Börsengesetzes. Er besteht aus insgesamt 24 Mitgliedern, die die verschiedenen Interessenverbände und Wirtschaftskreise angemessen repräsentieren: Neben den Handelsteilnehmern mit 19 gewählten Mitgliedern aus fünf verschiedenen Wahlgruppen gehören vier Verbandsvertreter sowie ein Vertreter der Energiewissenschaft dem Börsenrat an. Der Börsenrat verabschiedet vor allem das Regelwerk der Börse und seine Änderungen. Darüber hinaus bestellt und überwacht das Gremium die Börsengeschäftsführung und beruft den Leiter der Handelsüberwachungsstelle.

PM: EEX

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