Strom- und Wärmegewinnung: Neues Forschungszentrum für Nachbergbau

Projekte des Forschungszentrums nehmen z.B. alte Erbstollen in den Blick - und führen an ungewöhnliche Orte / Foto: HB
Projekte des Forschungszentrums nehmen z.B. alte Erbstollen in den Blick - und führen an ungewöhnliche Orte / Foto: HB
Projekte des Forschungszentrums nehmen z.B. alte Erbstollen in den Blick – und führen an ungewöhnliche Orte / Foto: HB

Was bleibt, wenn der Bergmann geht?

(WK-intern) – Was passiert mit brachliegenden Zechengeländen oder dem Grubenwasser unter Tage?

Macht der Letzte das Licht aus und es ist Schicht im Schacht? Nein, an der Technischen Fachhochschule (TFH) Georg Agricola geht die Arbeit dann erst richtig los: Das weltweit einzigartige Forschungszentrum Nachbergbau, das am 22. Oktober auf dem TFH-Campus eröffnet wurde, bündelt erstmals das nötige Know-how , um die Folgen des Bergbaus technisch, ökonomisch und umweltverträglich zu gestalten.

Denn was die einst knochenharte Arbeit im Bergwerk hinterließ, liefert heute genügend Stoff für spannende, ingenieurwissenschaftliche Forschung. Aktuell liegt der Fokus auf den so genannten Ewigkeitsaufgaben des Steinkohlenbergbaus – also den Fragen, die sich dauerhaft stellen: Wie lässt sich der Grubenwasseranstieg optimieren? Was passiert mit austretenden Grubengasen? Wie können stillgelegte Bergwerke saniert und intelligent genutzt werden? „Wir sprechen bewusst von Ewigkeitsaufgaben und eben nicht von -lasten. Denn für Aufgaben gibt es Lösungen, die wir in Bochum entwickeln“, sagte Prof. Dr. Christian Melchers, wissenschaftlicher Leiter des Forschungszentrums Nachbergbau. Dazu arbeiten Experten aus Bergbau, Geologie und Geotechnik, Hydrogeologie und Markscheidewesen in einem interdisziplinären Team zusammen – kompetent und unabhängig.

Der Standort der neuen Einrichtung im Herzen des Ruhrgebiets könnte nicht besser gewählt sein: 1816 als Bildungseinrichtung für den damals boomenden Steinkohlenbergbau gegründet, kümmert sich die TFH Georg Agricola nun um ihr Erbe: „Voneinander zu lernen und überliefertes Wissen weiterzuentwickeln, gehörte schon immer zu den wesentlichen Aspekten der Bergbaukultur“, sagte Hochschulpräsident Prof. Dr. Jürgen Kretschmann in der feierlichen Eröffnung. „Wir setzen diese Tradition auf wissenschaftlicher Ebene fort und tragen so aktiv dazu bei, das wertvolle Know-how über das Jahr 2018 hinaus zu bewahren und weiterzuentwickeln.“

An dem Festakt nahmen auch wichtige Akteure aus Politik, Bergwerks- und Altgesellschaften, Behörden, Wasser- und Regionalverbänden, Industrieunternehmen, Ingenieurdienstleistern und Hochschulen teil, darunter zahlreiche Kooperationspartner des Forschungszentrums Nachbergbau. Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Vorstandsmitglied der RAG-Stiftung betonte: „Die Erkenntnisse, die das Forschungszentrum Nachbergbau hervorbringen wird, werden uns helfen, die Herausforderungen der Nachbergbauzeit in den Revieren an Ruhr, Saar und in Ibbenbüren in Zukunft noch besser zu meistern.“ Ziel müsse sein, in wenigen Jahren der internationale Ansprechpartner und das Wissenszentrum für Nachbergbau weltweit zu sein.

Gemeinsam mit der RAG-Stiftung richtete die TFH Georg Agricola bereits 2012 eine Stiftungsprofessur für „Geoingenieurwesen und Nachbergbau“ ein. Im gleichnamigen Masterstudiengang lernen seither Ingenieurinnen und Ingenieure, mit den Hinterlassenschaften des Bergbaus verantwortungsvoll umzugehen. So entstehen im angeschlossenen Labor auf dem Bochumer Campus Studien zu Gas- und Wassermigration, zum Grubenwasseranstieg in den deutschen Steinkohlerevieren oder zu innovativen Monitoringsystemen. „Wir sehen nicht nur die Risiken, sondern auch die Chancen, die der Nachbergbau bietet. Unsere Arbeit schafft die Voraussetzungen für den Einsatz von erneuerbaren Energien auf alten Flächen – wie etwa die Strom- und Wärmegewinnung aus Grubenwasser“, erklärt Prof. Melchers.

Spitzenforschung im Bereich Nachbergbau ist auch international gefragt: Immer mehr Länder interessieren sich für einen nachhaltigen Umgang mit ehemaligen Lagerstätten. Technologien für Folgenutzungen lassen sich künftig global vermarkten. Die Untersuchungen des Forschungszentrums Nachbergbau beschränken sich deshalb nicht auf die Steinkohle, sondern nehmen jede Art der Rohstoffgewinnung unter die Lupe – vom Braunkohletagebau bis zur Gold- oder Urangewinnung. Dabei sollen neben technischen Fragen langfristig auch sozialökonomische Aspekte dazukommen, um den Strukturwandel in ehemaligen Bergbauregionen zu begleiten und beispielsweise die Ansiedelung von Zukunftstechnologien zu unterstützen.

PM: Technische Fachhochschule Georg Agricola Bochum

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