Dreidimensionalität in der nachhaltigen Fassade

Mit dem Versatz einzelner Steine haben die Planer eine bewegte Dreidimensionalität in der nachhaltigen Fassade erreicht. Fotos: RALF HEIDENREICH/Hagemeister
Mit dem Versatz einzelner Steine haben die Planer eine bewegte Dreidimensionalität in der nachhaltigen Fassade erreicht.  Fotos: RALF HEIDENREICH/Hagemeister
Mit dem Versatz einzelner Steine haben die Planer eine bewegte Dreidimensionalität in der nachhaltigen Fassade erreicht.
Fotos: RALF HEIDENREICH/Hagemeister

Ganzheitlich verbunden Sekundarschule erhält nachhaltige Klinkerfassade

(WK-intern) – Zusammenhalt und Vielfältigkeit charakterisieren das mehrfach ausgezeichnete Schulkonzept der integrativen Sophie-Scholl-Schulen in Gießen.

Schüler mit unterschiedlichen Förderschwerpunkten werden hier inklusiv und klassenübergreifend unterrichtet.

Für den Neubau der Sekundarschule hat das Gießener Architekturbüro Diehl ein Gebäudekonzept entwickelt, das in Form, Funktion und Materialsprache den Gemeinschaftsgedanken stützt und gleichzeitig Raum für Individualität lässt. Die Fassaden der drei Hauptgebäude sind als Verblendmauerwerk ausgeführt. Jeder Trakt erfüllt eine andere innere Funktion. Zur Orientierung haben die Architekten die drei Kuben mit verschiedenen, farblich harmonierenden Klinkersortierungen gestaltet. „Esbjerg“, „Arhues“ und „Visby“ von Hagemeister geben dem Komplex ein einheitliches Gesicht, wirken aber dennoch für sich. Mit dem Versatz einzelner Steine haben die Planer zudem eine spannende Dreidimensionalität in der nachhaltigen Fassade erreicht.

Der Neubau der Sekundarschule am Stadtrand von Gießen knüpft an den Erfolg der bestehenden Sophie-Scholl Grundschule an und antwortet auf die hohe Nachfrage dieser Schulform bis zur 10. Klasse. 300 Schülerinnen und Schüler haben nun Raum zum klassenübergreifenden, integrativen Lernen. Durch die direkte Lage an einem Wald, können die Kinder und Jugendlichen ohne störendes Umfeld arbeiten.

Drei kubische Baukörper sind durch einen zentral angeordneten Erschließungstrakt verbunden. Haus A bietet Räume für Naturwissenschaften, Hauswirtschaft, Werkstätten und Fördergruppen. In Haus B befinden sich die Aula, eine Schülerküche, das Bistro, ein Speisesaal sowie die Verwaltungsräume. Haus C als Stufenhaus ist dreigeschossig und beinhaltet Kurs- und Differenzierungsräume sowie auf jeder Ebene ein Forum. Die Foren dienen als Zentrum der Begegnung in den entsprechenden Altersgruppen.

Einheit und Eigenständigkeit in Harmonie

Entwurfsidee war, die verschiedenen Funktionen der einzelnen Baukörper durch Diversität auch in der Fassade sichtbar werden zu lassen. Gleichzeitig sollte die starke Verbundenheit des Ensembles äußerlich erhalten bleiben. Um diese Spannung zwischen Einheit und Eigenständigkeit in Harmonie zu bringen, haben die Architekten Klinkerverblendmauerwerk als Fassadenmaterial gewählt und in drei leicht variierenden Farbtönen ausgeführt. Hagemeister Klinker der Objektsortierungen „Esbjerg“, „Arhues“ und „Visby“ kleiden die drei Kuben in eine freundliche Farbkomposition aus hellen Sand-, Beige- und Brauntönen, die sich ruhig in die natürliche Umgebung einfügen.

Klinker in der dritten Dimension

Um dem Komplex besondere Lebendigkeit zu verleihen, gestalteten die Planer die Fassaden in jeweils zwei unterschiedlichen Formaten, 240 x 115 x 90 mm und 240 x 115 x 40 mm. Diese wurden als Fuß- und Kopfsortierung im Verhältnis ein Drittel zu zwei Drittel umgesetzt. Ein Drittel der Fassadenfläche ist mit einem Übersatz der Steine von ca. 20 Millimetern vermauert. „Durch diesen Versatz haben wir eine interessante Dreidimensionalität erzeugt“, beschreibt Geschäftsführer und Architekt Dipl.-Ing. Peter Diehl das Fassadenkonzept. „Der stellenweise Einsatz des besonders schmalen Formats sorgt für zusätzliche Spannung.“

Ihre Materialwahl begründen die Architekten mit den gestalterischen Möglichkeiten des Baustoffs Klinker sowie seiner Langlebigkeit und Nachhaltigkeit. „Die Entscheidung, die Fassade mit Klinker zu gestalten fiel relativ schnell, da er aus einem der natürlichsten Baustoffe der Welt besteht, dem Ton“, erklärt Architekt Peter Diehl. „Die Nachhaltigkeit und Beständigkeit eines Ziegelsteins sollte man nicht vergessen. Er speichert tagsüber die Wärme und gibt sie nachts wieder ab. Auch im Bereich des Brandschutzes rangiert das zweischalige Mauerwerk ganz oben.“

Licht und Weitblick

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Entwurfsidee war, Offenheit auszudrücken. Daher haben die Planer die massive Außenfassade mit großen Fenster- und Türenfronten kombiniert, die einen Weitblick in die grüne Umgebung eröffnen. Die Häuser A und C erhielten jeweils ein Atrium, das in den innenliegenden Foren für ausreichend natürliches Licht sorgt. Auch der verbindende, zentrale Baukörper besteht gebäudehoch aus einer Pfosten-Riegel-Fassade. Den Architekten ist es gelungen, ein nachhaltiges Schulgebäude in Passivhausweise zu errichten, das sich in die natürliche Umgebung integriert, vielfältigen Raum zum Lernen bietet und gleichzeitig für einen Ort des Zusammenhalts und der Individualität steht.

PM: Hagemeister

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