Wir müssen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduzieren

Pestizide, Herbizide und Fungizide gelangen durch den intensiven Einsatz in Flüsse, Seen und Bäche, die Daten deuten auf eine erhebliche ökotoxikologische Beeinträchtigung der Gewässerbiologie hin / Foto: HB
Pestizide, Herbizide und Fungizide gelangen durch den intensiven Einsatz in Flüsse, Seen und Bäche, die Daten deuten auf eine erhebliche ökotoxikologische Beeinträchtigung der Gewässerbiologie hin / Foto: HB
Pestizide, Herbizide und Fungizide gelangen durch den intensiven Einsatz in Flüsse, Seen und Bäche, die Daten deuten auf eine erhebliche ökotoxikologische Beeinträchtigung der Gewässerbiologie hin / Foto: HB

Rede von Umwelt- und Landwirtschaftsminister Robert Habeck im Landtag zu Pestizidrückständen in Gewässern

(WK-intern) – Es gilt das gesprochene Wort! – Sehr geehrte Damen und Herren, es werden zu hohe Mengen an Pflanzenschutzmitteln ausgebracht.

Pestizide, Herbizide und Fungizide gelangen durch den intensiven Einsatz in Flüsse, Seen und Bäche, die Daten deuten auf eine erhebliche ökotoxikologische Beeinträchtigung der Gewässerbiologie hin.

Auch im Grundwasser finden wir Rückstände der Pflanzenschutzmittel und ihrer Abbauprodukte in relevantem Ausmaß. Sie gehören dort aber nicht hin, das Grundwasser ist die Hauptquelle unseres Trinkwassers. Es gibt also klaren Handlungsbedarf. Wir müssen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduzieren.

Das zeigt auch deutlich der Bericht der Landesregierung über die aktuellen Ergebnisse der Messungen von Pestizidrückständen an Grundwassermessstellen sowie in Oberflächengewässern in Schleswig-Holstein. Um ihn hatten die Fraktionen von SPD, Bündnis 90/Die Grünen sowie die Abgeordneten des SSW gebeten.

Für den Bericht hat das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume die Daten aus den Jahren 2010 bis 2014 ausgewertet. Sowohl im Grundwasser wie auch in den Oberflächengewässern lassen sich Pflanzenschutzmittel oder deren Abbauprodukte in nahezu allen Landesteilen nachweisen.

Im oberen Grundwasserleiter traten in 36 Prozent der insgesamt 387 untersuchten Messstellen Nachweise auf. Überschreitungen des Grenzwertes von PSM-Wirkstoffen fanden wir in drei Prozent der Messstellen und auch die sogenannten „nicht relevanten Metabolite“ überschreiten in rund drei Prozent die Orientierungswerte. Das, was wir jetzt im Grundwasser finden, stammt aus früheren Jahren bis Jahrzehnten. Einige der gefundenen Stoffe besitzen bereits seit mehreren Jahren keine Zulassung mehr, und es ist davon auszugehen, dass diese Stoffe auch nicht mehr eingesetzt werden. Dennoch treten sie regelmäßig, wenn auch mit deutlich abnehmenden Fundhäufigkeiten, im Grundwasser auf.

Die Befunde müssen uns zu denken geben. Zwar sind sie in Bezug auf die Überschreitung des Grenzwerts nicht Besorgnis erregend, die landesweiten Nachweise zeigen aber, dass unerwünschte Stoffe ins Grundwasser gelangen. Dieses trifft insbesondere auf nicht relevante Metabolite zu, die zunehmend im Grundwasser gefunden werden. Grundwasser aber ist die Grundlage für unsere Trinkwasserversorgung in Schleswig-Holstein, deshalb müssen wir diese Ergebnisse sehr ernst nehmen.

In Fließgewässern werden Pflanzenschutzmittelwirkstoffe regelmäßig in nahezu allen untersuchten Proben gefunden. Dabei wurden in den Jahren 2010 bis 2014 an insgesamt 327 Messstellen des reduzierten Gewässernetzes 1717 Wasserproben auf Pflanzenschutzmittel untersucht. In 91 Prozent der untersuchten Messstellen (298) wurden Pflanzenschutzmittel oder deren Abbauprodukte in zumeist niedrigen Konzentrationen nachgewiesen. An 58 Wasserkörpern werden die europaeinheitlich festgelegten Umweltqualitätsnormen überschritten, so dass diese zehn Prozent der schleswig-holsteinischen Wasserkörper nicht im guten Zustand nach Wasserrahmenrichtlinie sind.

Besonders häufig wurde in Fließgewässern AMPA – ein Abbauprodukt von Glyphosat – mit 68 Prozent der Befunde nachgewiesen. Glyphosat ist in knapp 40 Prozent und das Herbizid Terbuthylazin in knapp 30 Prozent der Befunde nachgewiesen.

Seen wurden in 2012 auf das Vorkommen von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen untersucht. Dabei wurde in sechs Seen Glyphosat und in 20 Seen dessen Abbauprodukt nachgewiesen. Weitere Pflanzenschutzmittelrückstände wurden nicht gefunden.

Von den zahlreichen in Fließgewässern nachgewiesenen PSM kann nur etwa ein Drittel mit Umweltqualitätsnormen bewertet werden, hier sind dringend auf europäische Ebene die Bewertungskriterien für Pflanzenschutzmittel und andere prioritäre Stoffe fortzuschreiben.

Die Befunde zeigen, dass wir eine Minimierungsstrategie brauchen. Dieses auch, um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Sinne der Anforderung der EU-Pestizid-Rahmenrichtlinie und des Nationalen Aktionsplans zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (NAP) zu reduzieren.

Ein Ansatz ist es, über höhere Preise für Pflanzenschutzmittel eine Lenkungswirkung zu erzielen. Das MELUR hat eine solche Pflanzenschutzsteuer in einem Gutachten des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung untersuchen lassen. Mit dem Gutachten wollen wir nun eine ausgewogene, differenzierte Debatte anstoßen. Wir müssen dabei auch die ökonomischen Auswirkungen einer solchen Steuer betrachten. Angesichts des enormen wirtschaftlichen Drucks, unter dem viele Landwirte stehen, will ich der Landwirtschaft keine zusätzlichen finanziellen Lasten aufbürden. Vielmehr halte ich es für wichtig, dass die Einnahmen aus einer etwaigen PSM-Steuer in die Landwirtschaft zurückfließen, wie das sinnvoll gehen kann, muss diskutiert werden. Zu dieser Debatte sind Sie herzlich eingeladen.

Pressetext: Nicola Kabel | Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume S-H

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