Klimawandel: Energiekonzerne müssen Wirtschaftlichkeit ihrer Projekte transparent darstellen

Öl-, Gas- und Kohlekonzerne müssen Wirtschaftlichkeit ihrer Projekte in Zeiten des Klimawandels transparent darstellen und nachweisen / Foto: HB
Öl-, Gas- und Kohlekonzerne müssen Wirtschaftlichkeit ihrer Projekte in Zeiten des Klimawandels transparent darstellen und nachweisen / Foto: HB

Heinrich-Böll-Stiftung, Oil Change International und Climate Justice

(WK-intern) – Öl-, Gas- und Kohlekonzerne müssen Wirtschaftlichkeit ihrer Projekte in Zeiten des Klimawandels transparent darstellen und nachweisen

Konzerne in fossilen Sektoren müssen die Wirtschaftlichkeit ihrer Kohle-, Öl- und Gasprojekte unter den besonderen Bedingungen des Klimawandels in ihren Rechenschaftspflichten transparent darstellen und nachweisen.

Das forderte heute eine internationale Koalition aus Umwelt-, Klima- und Indigenenorganisationen im Rahmen von Reformüberlegungen zu den Globalen Berichtspflichten in den extraktiven Industrien.

Nur wenige Wochen vor dem Klimagipfel in Paris haben zahlreiche Organisationen (siehe Liste unten) in einem Brief an das Sekretariat und den Vorstand der Extractive Industries Transparency Initiative (EITI) in Oslo energische Reformen des geltenden globalen Berichtsstandards gefordert, um die Klimarisiken von fossilen Großprojekten transparent beziffern zu können. Die Industrieinitiative EITI setzt Standards für Gute Regierungsführung in den extraktiven Industrien. Zu den Mitunterzeichner/innen des Briefes zählen unter anderem die Heinrich-Böll-Stiftung, Oil Change International und das Climate Justice Programme

Mark Campanale, Direktor und Gründer der Carbon Tracker Initiative, begrüßte die Initiative der Umweltgruppen und erklärte: „Dem Geschäftsmodell der fossilen Unternehmen liegt die Annahme zu Grunde, dass alle bekannten Reserven gefördert und verbrannt werden können. Das ist ihr Kernrisiko und die Klimabewegung hat vollkommen recht, dieses auch als explizit materiell-finanzielles Risiko zu benennen, das in der EITI bislang nicht berücksichtigt wird. Extraktive fossile Konzerne müssen jetzt offenlegen, wie ihre Geschäftspläne mit dem 2°C-Limit vereinbar sind und wie sie ihre eigene unvermeidbare Schrumpfung managen werden.“

“Es steht außer Frage: Für die EITI ist es höchste Zeit, sich den Klimaimplikationen ihrer Arbeit zu stellen,“ so Stephen Kretzmann, Direktor von Oil Change International in Washington, USA. „Eine EITI, die sich nicht mit dem Thema Klimawandel auseinandersetzt, ist wie eine Gesundheitskommission, die sich zwar mit dem Rauchen befasst, nicht aber mit dem Krebsrisiko. Wenn die EITI ihre politische Relevanz behalten will, sollte sie sich schnellstens aufraffen und Klimarisiken als zentralen Bestandteil ihres Mandats betrachten.“

„Dieser Brief führt eine ganze Reihe konkreter Schritte auf, um die öffentliche Debatte um die Gefahren fossiler Investitionen und ihr notwendiges Ende zu vertiefen.“ unterstrich Naomi Klein, Autorin von „This Changes Everything“ und „The Shock Doctrine“. „Für die fossile Industrie kann es keine Transparenz geben ohne offenzulegen, wie uns ihr Geschäftsmodell auf den Pfad katastrophalen Klimawandels festlegt.“

Lili Fuhr, Referentin für Internationale Umweltpolitik der Heinrich-Böll-Stiftung, bekräftigte: “Wir begrüßen es sehr, dass sich eine derart breite und starke zivilgesellschaftliche Allianz mit der klaren Botschaft zu Wort meldet: Aus klimapolitischen Gründen unverbrennbare Reserven von Kohle, Öl und Gas müssen im Boden bleiben. Rohstoffreiche Entwicklungsländer und ihre Bürgerinnen und Bürger brauchen transparente und umfassende Informationen, um über nachhaltige und zukunftsfähige Entwicklungspfade zu entscheiden. Eine reformierte EITI, die auch Klimarisiken betrachtet, könnte dafür einen bedeutenden Beitrag leisten.

Als “Klimarisiken” werden ökonomische und investitionsbezogene Risiken bezeichnet, die sich auf die zu erwartende abnehmende Nachfrage nach Öl / Gas oder Kohle beziehen, oder auf das „Risiko“ von politischen Reformen, die auf den Abbau der Nutzung fossiler Energieträger und die Einführung von erneuerbaren Energien abzielen. Gemeint ist auch das Risiko von Klagen gegen die fossile Industrie aufgrund ihres Beitrags zum Klimawandel und ihrer Bemühungen, gezielte Desinformationskampagnen zu betreiben und Klimawandelskeptiker zu finanzieren, um politische Reformen zu verhindern.

Die Extractive Industries Transparency Initiative (EITI) ist eine globale Initiative für mehr Finanztransparenz und Rechenschaftspflicht im Rohstoffsektor. In jedem Land, das die EITI umsetzt, arbeitet eine sogenannte Multistakeholder Gruppe aus Regierung, Unternehmen und Zivilgesellschaft zusammen. Implementierende Länder veröffentlichen Informationen über Steuerzahlungen, Lizenzen, Verträge, Produktion und andere Schlüsseldaten rund um die Extraktion von Rohstoffen. Aktuell hat die EITI 48 implementierende Länder. Die größten Öl-, Gas- und Kohlekonzerne der Welt sind aktive Mitglieder. Shell, BP, BHP Billiton, Rio Tinto, Exxon, Chevron, Statoil und Total sind Mitglieder im internationalen Vorstand der EITI.

PM: Heinrich-Böll-Stiftung 2015

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