Interview mit Firmenchef Udo Tartler über aktuelle Pläne und „vorsichtige“ Prognosen

Vor knapp zwei Jahren nahm TARTLER-Standort sein neues Werk in Michelstadt in Betrieb. / Pressebild
Vor knapp zwei Jahren nahm TARTLER-Standort sein neues Werk in Michelstadt in Betrieb. / Pressebild
Vor knapp zwei Jahren nahm TARTLER-Standort sein neues Werk in Michelstadt in Betrieb. / Pressebild

“Die Prognosen für dieses und das kommende Jahr sind alles andere als schlecht.”

(WK-intern) – Ende 2013 setzte Anlagenbauer Tartler mit der Inbetriebnahme seines neuen Werks in Michelstadt den Grundstein für die weitere Expansion des Unternehmens.

Inzwischen hat sich viel getan. Die ersten Schritte zur Bildung einer Firmengruppe wurden umgesetzt und auf dem Gebiet der Kunstharz-Dosier- und Mischtechnik baut Tartler seine Technologieführerschaft weiter aus.

Dass er dabei mitunter auch Branchengrenzen überschreitet, stört Inhaber und Geschäftsführer Udo Tartler wenig – im Gegenteil.

Herr Tartler, für eine Investitionssumme von über drei Millionen Euro haben Sie 2013 Ihr neues Werk zur Herstellung von Dosier- und Mischanlagen für die Kunststoffverarbeitung errichtet. Hat sich dieser Schritt bisher ausgezahlt?

Tartler: Mehr als das, dieser Schritt war längst überfällig. Mussten wir vorher lange Wege gehen zwischen den einzelnen Funktionsbereichen, so befinden sich heute Produktion, Montage, Entwicklung und Verwaltung in direkter Nähe zueinander unter einem Dach. Wir hatten uns schon in den Jahren zuvor auf dem Gebiet der Dosier- und Mischtechnik zahlreiche neue Kundengruppen und Marktsegmente erschlossen. Da war es klar, dass wir unsere Kapazitäten, Strukturen und vor allem unsere Prozesse unbedingt neu anpassen mussten. Das ging nur mit einem modernen Neubau. In unserem neuen dreistöckigen Bürokomplex haben nun Management und Entwicklung ausreichend Platz, und in der 1700 m2 großen Produktions- und Montagehalle unterstützen zwei 8-Tonnen-Portalkrane die Intralogistik. Außerdem verfügen wir jetzt über ein intelligent organisiertes Ersatzteillager und ein übersichtliches Prüffeld am Ende der Montage. Doch damit haben wir noch längst nicht alle Modernisierungspläne umgesetzt.

Was steht denn als nächstes auf dem Programm?

Tartler: Nun, wir wollen weiter an technologischer Unabhängigkeit gewinnen und erhöhen daher schrittweise unsere Fertigungstiefe. Vor einigen Wochen konnten wir beispielweise die Ausstattung unserer neuen Abteilung Zerspanungstechnik abschließen – vorläufig jedenfalls. Wir haben hier unter anderem in ein neues Bearbeitungszentrum von Kunzmann investiert. In der Zerspanungstechnik werden der Großteil der für die Herstellung unserer Dosier- und Mischanlagen erforderlichen Dreh- und Frästeile gefertigt. Diesen Bereich werden wir weiter ausbauen, damit wir hier die gleiche Unabhängigkeit und Innovationskraft entfalten können wie wir sie schon mit unserer eigenen Spritzgießfertigung realisiert haben.

Anfang diesen Jahres haben Sie ihren ehemaligen Elektrotechnik-Zulieferer, die ETP Walther GmbH, übernommen. Steht das ebenfalls im Zusammenhang mit Ihrer Absicht, die eigene Fertigungstiefe zu erhöhen?

Tartler: Ganz richtig, wir haben ETP Walther als eigenständige Tochtergesellschaft integriert. Damit bauen wir unser Leistungsspektrum in den Bereichen Elektrokonstruktion, Steuerungstechnik und Programmierung deutlich aus – und haben zugleich einen ersten Schritt zur Entstehung einer Firmengruppe getan.

Planen Sie zukünftig noch weitere Übernahmen?

Tartler: Eins nach dem anderen. Zunächst mal sind wir sehr zufrieden mit der gelungenen Eingliederung unserer ersten Tochtergesellschaft. Wir haben alle Mitarbeiter übernommen, und durch den Wechsel der Tartler-Programmierer in die neu geschaffene Programmier-Abteilung von ETP Walther sind wir personell eng zusammengewachsen. Die mit der Übernahme realisierte Erweiterung unseres Leistungsspektrums wurde übrigens auch seitens der Kunden von ETP Walther sehr positiv aufgenommen, was wir unter anderem an der wachsenden Nachfrage an die neue Programmier-Abteilung ablesen können.

Neues Werk, viele neue Maschinen, neues Personal und eine Übernahme – und das alles innerhalb nur weniger Monate. Ist das nicht ein ziemlicher Kraftakt?

Tartler: Nun, der Neubau war schon eine aufregende Sache. Aber es war ja alles vorher gut durchdacht und von langer Hand vorbereitet. Viele der nun umgesetzten Maßnahmen sind das Resultat einer zwar sehr dynamischen, gleichzeitg aber auch sehr organischen Unternehmensentwicklung. Außerdem konnten wir bislang immer vor den Hintergrund einer erfreulichen Auftragslage agieren. Im Geschäftsjahr 2014 verzeichneten wir beispielsweise einen erneuten Umsatzsprung auf 13 Millionen Euro (2013: 7,3 Mio. Euro).

Das klingt nach einer waschechten Erfolgsstory; worin sehen Sie denn die Gründe für dieses stete Aufwärtsentwicklung?

Tartler: Wir vereinen in unserem Handeln eigentlich alle guten Eigenschaften des deutschen Mittelstands. Wir sind immer nah dran an unseren Kunden, können sehr schnell reagieren, haben eine gut ausgebildete Belegschaft, sind ein vertrauensvoller und verlässlicher Geschäftspartner, und wir liefern nur qualitativ hochwertige Lösungen. Das honorieren unsere Kunden. Ein ganz entscheidender, unverzichtbarer Faktor ist aber unsere Innovationskraft!

Können Sie dafür einige konkrete Beispiele nennen?

Tartler: Ja gerne. Zum einen haben wir in den letzten Monaten viele innovative Detaillösungen im Bereich der Auftragsdüsen, Druckschläuche und Verbindungselemente eingeführt, die allesamt einen großen Beitrag leisten zur Verbesserung der Sicherheit und Wirtschaftlichkeit bei der Kunstharz-Applikation. Zum anderen ist uns mit unserem vollautomatischen Fasswechsel-System für die prozesssichere Förderung pastöser, hochviskoser Medien aus Deckelfässern ein richtig großer Wurf gelungen. Diese vakuumtechnische Neuentwicklung vereinfacht inzwischen nicht nur das Handling unserer Dosier- und Mischanlagen vom Typ Nodopox und Tardosil für die Herstellung von Toolingpasten, Klebstoffpasten und Spachtelmassen, sondern eignet sich auch zur Nachrüstung älterer Anlagen. Vor allem aber stoßen wir damit derzeit in viele Anwendungsgebiete außerhalb der Kunststoffverabeitung vor. Schließlich stehen ja Anwender in vielen Branchen vor dem Problem der sicheren und wirtschaftlichen Medienförderung aus 50- oder 200-Liter-Spannring-Deckelfässern.

Mit welchen Erwartungen blicken Sie denn in die nähere Zukunft?

Tartler: Obwohl wir eigentlich davon ausgegangen sind, dass dieses Jahr etwas ruhiger wird, ist die Auftragslage aktuell auf dem gleichen Stand wie 2014. Die Prognosen für dieses und das kommende Jahr würde ich als alles andere als schlecht bezeichnen – um es vorsichtig zu sagen. Wir müssen dabei in Betracht ziehen, dass wir durch die ganzen Maßnahmen der letzten Monate nun auch viel einfacher in der Lage sind, größere Aufträge problemlos abzuwickeln. Die neue Montage ist beispielsweise so angelegt, dass wir neben den modular angelegten Anlagen der Baureihen Nodopox, Nodopur und MDM nun zunehmend auch Großanlagen, komplette Automationslösungen mit Robotereinsatz sowie Inhouse-Prepreg-Anlagen zur Produktion kunstharzgetränkter Faserverbund-Matrixmatten für Leichtbau-Konstruktionen realisieren können. Nicht zuletzt dafür haben wir auch neue Stellen geschaffen, die wir in den kommenden Wochen besetzen werden.

Welche Qualifikationen suchen Sie denn derzeit?

Tartler: Wir benötigen auf jeden Fall noch einen weiteren Programmierer sowie zwei Elektriker für den Schaltschrankbau und die Installationstechnik. Fünf Ausbildungsstellen in den Bereichen Mechatronik, Zerspanungstechnik und Industriekaufmann konnten wir inzwischen besetzen; aktuell suchen wir noch einen Azubi für die Elektrotechnik. Des weiteren wird in absehbarer Zeit der Ausbau des „Online Service-Zentrum“ für die weltweite Kundenbetreuung – etwa über innovative Fernwartungstools – erfolgen. Denn neben der hohen technischen Qualität unserer Mehrkomponenten-Anlagen gehört der persönliche Service zu unseren großen Stärken. Wir werden deshalb auch unser Service-Team weiter verstärken. Als weitere Maßnahmen sind geplant, den Vertrieb auszubauen, die Dokumentation zu modernisieren und die Kapazitäten für Schulungen, Inbetriebnahmen und kundenorientierte Versuchsreihen zu erweitern.

TARTLER GmbH

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