EnBW will Windkraft-Pionier PROKON übernehmen

EnBW Windpark / Foto: HB
EnBW-Strategie sieht erhebliches Wachstum im Bereich Windkraft / Foto: HB

EnBW als bevorzugter Investor für das Investorenmodell ausgewählt

(WK-intern) – Unternehmen ergänzen sich perfekt – EnBW-Strategie sieht erhebliches Wachstum im Bereich Windkraft vor

Entscheidung der PROKON-Gläubigerversammlung über das Angebot Anfang Juli 2015

EnBW wird Genussrechtsinhaber zu Informationsveranstaltungen einladen.

Karlsruhe. Die EnBW Energie Baden-Württemberg AG will durch den Erwerb sämtlicher Geschäftsanteile der PROKON Regenerative Energien GmbH einen weiteren, wichtigen Schritt beim Ausbau der Erneuerbaren Energien machen. Das Unternehmen hat dem Insolvenzverwalter von PROKON dazu im Rahmen eines Bieterverfahrens ein verbindliches Angebot gemacht und wurde daraufhin am 12. Mai 2015 durch den PROKON-Gläubigerausschuss als bevorzugter Investor für das Investorenmodell ausgewählt. Der angebotene Kaufpreis umfasst einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag in Form einer Barzahlung.

„Wir sind fest davon überzeugt, dass EnBW die beste Plattform bietet, um die langjährigen Erfahrungen und Kompetenzen von PROKON im Windkraftbereich und das Windpark-Portfolio selber langfristig optimal weiter zu entwickeln. Die Stärken der beiden Unternehmen ergänzen sich perfekt. Im Rahmen unserer Strategie „EnBW 2020“ wollen wir das Geschäft mit Erneuerbaren Energien mehr als verdreifachen und zu einer tragenden Säule der zukünftigen EnBW ausbauen. Der Erwerb von PROKON würde die EnBW diesem Ziel einen erheblichen Schritt näher bringen. Den Mitarbeitern von PROKON bieten wir dabei eine Perspektive mit guten Wachstumsmöglichkeiten. Die Genussrechtsinhaber von PROKON erhalten, wie die anderen Gläubiger auch, einen substanziellen Betrag in bar: zeitnah, sicher und fair“, begründet der EnBW-Vorstandsvorsitzende, Frank Mastiaux, das Angebot.

Nach der Entscheidung des PROKON-Gläubigerausschusses wird das bindende Angebot der EnBW der PROKON-Gläubigerversammlung im Erörterungs- und Abstimmungstermin Anfang Juli 2015 als eine von zwei Sanierungsvarianten vorgelegt. Die PROKON-Gläubigerversammlung wird dann darüber entscheiden, ob PROKON als Genossenschaft unter Beteiligung der bisherigen Genussrechtsinhaber fortgeführt wird oder ob die Sanierung durch die Übernahme von 100% der Geschäftsanteile durch EnBW erfolgen soll.

Perfekte Ergänzung im Windbereich

Die Pläne von EnBW sehen vor, die mittelständische, schlagkräftige Struktur von PROKON zu erhalten. Das Kerngeschäft des Unternehmens soll im Wesentlichen fortgeführt werden. Mastiaux: „In Verbindung mit der energiewirtschaftlichen Kompetenz, den Erfahrungen der EnBW-Windenergiemannschaft und der Kapitalkraft von EnBW kann ein neuer, äußerst wettbewerbsfähiger Anbieter im europäischen Windmarkt entstehen.“

Mit einer neuen gesunden Kapitalbasis wird die Finanzierung der Realisierung der PROKON-Projektpipeline gesichert. PROKON ist damit in der Lage, auch neue Windparks langfristig im eigenen Bestand zu betreiben. Zudem kann PROKON vom Know-how der EnBW beispielsweise bei der wettbewerblichen Vergabe neuer Projekte profitieren, einem Modell, welches sich in Europa zunehmend durchsetzen wird. EnBW wird PROKON darüber hinaus unterstützen, Dienstleistungen wie Wartung und Betriebsführung von Windkraftanlagen sowie die Vermarktung des erzeugten Stroms an der Strombörse auch Dritten anzubieten und damit weitere Geschäftsmöglichkeiten zu erschließen.

Sicherheit für die Gläubiger, insbesondere die Genussrechtsinhaber

Auf Basis einer fairen Bewertung des Unternehmens sieht das EnBW-Angebot für die PROKON-Gläubiger, darunter insbesondere die Genussrechtsinhaber, eine substanzielle Einmalzahlung in bar vor. Um keine neuen Risiken für das Unternehmen und die Gläubiger zu schaffen, hat sich die EnBW bei der Finanzierung des Erwerbs bewusst gegen die Emission einer neuen Anleihe auf Ebene der PROKON entschieden. Der Erwerb wird vollständig aus eigenen Mitteln der EnBW finanziert.

Einige Gläubiger haben den Vorschlag eingebracht, eine Genossenschaft zu gründen und die Genussrechte gegen Genossenschaftsanteile einzutauschen. „Dafür haben wir Respekt und Verständnis, denn es zeigt die Verbundenheit mit PROKON“, betont Mastiaux. Dennoch sieht die EnBW bei ihrem Angebot gegenüber einer Genossenschaft klare Vorteile für alle Beteiligten: Was bisher ein Genussrecht, das heißt Fremdkapital war, verwandelt sich im Genossenschaftsmodell in eine echte unternehmerische Beteiligung mit allen dafür typischen Risiken. Vor allem aber löst die Genossenschaft nicht das drängendste Problem: die Finanzierung der Weiterentwicklung des Geschäftsmodells. Ohne frisches Eigenkapital von einem neuen Investor wäre das Unternehmen gezwungen, die entwickelten Projekte zukünftig weitgehend zu verkaufen. Das begrenzte Eigenkapital würde den angestrebten Betrieb der Anlagen im eigenen Bestand nicht zulassen, die Entfaltung der Geschäftsmöglichkeiten von PROKON würde damit deutlich beschnitten.

Um ausführlich und unmittelbar zu informieren, wird die EnBW die Genussrechtsinhaber von PROKON Anfang Juni zu Informationsveranstaltungen in Berlin, Hamburg und Ulm einladen.

PROKON ist ein Pionier in der Windkraftbranche

PROKON ist ein Pionier in der Erzeugung von Strom aus regenerativen Energiequellen in Deutschland. 1995 gegründet, fokussierte sich PROKON früh auf die Entwicklung und den Betrieb von Onshore-Windanlagen. Heute betreibt PROKON 54 Windparks in Deutschland und Polen mit 318 Windenergieanlagen und einer Gesamtkapazität von rund 537 MW. Mehr als 170 Windpark-Projekte mit einer möglichen Gesamtleistung von rund 4.200 MW befinden sich in Deutschland, Polen und Finnland in Planung. Besondere Kompetenz hat sich PROKON im Bereich der technischen Betriebsführung – der Überwachung, Instandhaltung und Reparatur von Windkraftanlagen – erarbeitet.

Am 22. Januar 2014 musste PROKON aufgrund von Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung Insolvenz anmelden. „Unabhängig von der zuletzt schwierigen finanziellen Situation waren PROKON und seine Mitarbeiter in den letzten Jahren entscheidend daran beteiligt, die Erneuerbaren Energien zu dem zu machen, was sie heute sind: Treiber und Motor einer Energieversorgung der Zukunft, die klimafreundlich und ressourcenschonend ist“, unterstrich Mastiaux.

Erneuerbare Energien sind tragende Säule für EnBW in der Strategie 2020

Im Rahmen ihrer Strategie 2020 wird EnBW die Erneuerbaren Energien zu einer der tragenden Säulen des EnBW-Geschäfts ausbauen. Dazu sind in den kommenden Jahren rund 3,5 Milliarden Euro vorgesehen – das entspricht 50 Prozent der gesamten Investitionen für die Neuausrichtung des EnBW-Konzerns. Mastiaux: „Für PROKON und seine Mitarbeiter würde ein Zusammenschluss mit EnBW den Weg frei machen für einen erfolgreichen Neuanfang. Für EnBW wäre es ein wichtiger Schritt in unserer Neuausrichtung und für den Ausbau des Geschäfts mit Erneuerbaren Energien. Eine Zusammenlegung der Kräfte wird beide Unternehmen entscheidend weiterbringen“

PM: EnBW

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