Noch immer 12 % Atomstrom in österreichischen Stromnetzen

Noch immer 12 % Atomstrom in österreichischen Stromnetzen / Pressebild: IG Windkraft
Noch immer 12 % Atomstrom in österreichischen Stromnetzen / Pressebild:  IG Windkraft
Noch immer 12 % Atomstrom in österreichischen Stromnetzen / Pressebild: IG Windkraft

29 Jahre nach Tschernobyl ist Österreich noch immer nicht atomstromfrei

(WK-intern) – Vor 37 Jahren hat man sich in Österreich von der Atomenergie verabschiedet, vor 29 Jahren explodierte das Kernkraftwerk in Tschernobyl, vor vier Jahren in Fukushima und noch immer beinhaltet der österreichische Stromverbrauch rund 12 % Atomstrom.

„Es ist enttäuschend, dass Österreich das selbst gesetzte Ziel, atomstromfrei zu werden, nicht ernst nimmt und sich damit begnügt, den Atomstrom lieber hinter ausländischen Wasserkraftzertifikaten zu verstecken“, bemerkt Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft.

Letztes Jahr wurde bilanziell so viel Strom nach Österreich importiert wie nie zuvor. Mit 9.275 GWh Nettostromimporten deckte Österreich 13,5 % des Stromverbrauches ab. Dieser Stromimport kam größtenteils aus zwei Ländern, nämlich Tschechien und Deutschland. Mit 11.688 GWh waren die Nettostromimporte aus Tschechien sogar um ein Viertel größer als der gesamte Nettostromimport österreichweit. Auch aus Deutschland wurde bilanziell mit 9.024 GWh mehr Strom importiert als exportiert. Gerade diese beiden Nachbarländer verfügen über einen sehr großen Atomstromanteil am Stromverbrauch. In Tschechien liegt dieser bei knapp 36 %, in Deutschland bei rund 15 % und im benachbarten, deutschen Bundesland Bayern sogar bei mehr als 47 %. Rechnet man mit diesen Atomstromanteilen, wurden letztes Jahr mehr als
12 % des österreichischen Verbrauchs mit tschechischem und deutschem Atomstrom gedeckt. „Für ein Land, das sich vor 37 Jahren von der Atomenergie verabschiedet hat ist es extrem enttäuschend, noch immer von 12 % Atomstrom abhängig zu sein“, erklärt Moidl. Laut österreichischem Ökostromgesetz sollte Österreich im Jahr 2015 bilanziell atomstromfrei sein. „Dieses Ziel haben wir somit weit verfehlt.“ „Um den Atomstrom wirklich zu verdrängen, muss die heimische saubere Stromerzeugung, etwa durch Windkraft, deutlich gesteigert werden“, so Moidl.

Atomstrom unter dem Deckmantel der Wasserkraft

Zwar gibt es seit heuer die vollständige Kennzeichnungspflicht des in Österreich verbrauchten Stromes. „Was beim schnellen Hinschauen sehr fortschrittlich erscheint, ist bei genauerer Betrachtung eine richtige Mogelpackung“, bemerkt Moidl. Nach dem Stromkennzeichungs-bericht der E-Control stammten 2013 26,1 % der Stromkennzeichungszertifikate aus dem Ausland. Laut E-Control handelt es sich hierbei „… zum Großteil um Wasserkraftzertifikate“. Die Stromzertifikate sind in der europäischen Union getrennt vom Stromverkauf handelbar. Dadurch ist es auch möglich, saubere Wasserkraftszertifikate zu kaufen und auf dreckigen Atomstrom zu kleben und somit den Strom „grün zu waschen“. „Es steht zwar Wasserkraft drauf, drinnen kann aber Kohle- und Atomstrom stecken“, so Moidl.

Weitere 6,8 % des Stromes waren noch Graustrom ohne Zertifikate. Geht man von einem durchschnittlichen Atomstromanteil in Europa (ohne erneuerbare Energien) von 37,5 % aus, enthielt der österreichische Stromverbrauch auch aus dieser Betrachtungsweise rund 12 % Atomstromanteil.

„Solange die Pflicht zur vollständigen Kennzeichnung für Strom nicht in ganz Europa eingeführt ist, führt das leider zu einer Mogelpackung in Österreich und das atomstromfreie Österreich ist nur ein Märchen“, bemerkt Stefan Moidl abschließend.

PM: IG Windkraft

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