Nobelpreisträgersymposium zum Klimawandel

Wir brauchen Nachhaltigkeit, einschließlich einer neuen Vision für den Städtebau / Foto: HB
Wir brauchen Nachhaltigkeit, einschließlich einer neuen Vision für den Städtebau / Foto: HB
Wir brauchen Nachhaltigkeit, einschließlich einer neuen Vision für den Städtebau / Foto: HB

„Städte entwickeln, den Planeten schützen“ – Zum ersten Mal in Asien: Nobelpreisträgersymposium zum Klimawandel

(WK-intern) – Nobelpreisträger aus aller Welt und aus vielen verschiedenen Fachrichtungen versammeln sich diese Woche in Hong Kong, um die Debatte über den Klimawandel auf eine neue Ebene zu heben.

Zum ersten Mal treffen sie sich in Asien zu einem solchen Symposium. „4C: Changing Climate, Changing Cities“ lautet der Titel – denn um vier Grad Celsius, kurz 4C, kann die Erde sich bis Ende des Jahrhunderts aufheizen, wenn wir den Ausstoß von Treibhausgasen nicht stark verringern.

Und vor allem in den Städten wird sich entscheiden, ob wir dem Klimawandel wirksam entgegen treten können. Zu den Teilnehmern des Symposiums zählen unter anderem die Nobelpreisträger Yuan T. Lee (Chemie, 1986) aus Taiwan, Brian Schmidt (Physik, 2011) aus Australien, und James Mirrlees (Ökonomie, 2006) aus Großbritannien. Hinzu kommen hochrangige Experten wie K.S. Wong, Umweltminister Hong Kongs, oder Aromar Revi vom Indischen Institut für menschliche Siedlungen.

Eingeladen haben das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und das Asia Society Hong Kong Center. Das Symposium wird unterstützt von J.P. Morgan, der Robert Bosch Stiftung, dem Hong Kong Jockey Club und anderen. Das Symposium wir in großen Teilen über einen Live-Webcast übertragen.

„Einige der klügsten Köpfe unseres Planeten, die Nobelpreisträger, werden über Antworten auf eine der größten Herausforderungen unserer Zeit diskutieren: über den vom Menschen verursachten Klimawandel“, sagt Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, der das Symposium ins Leben gerufen hat. „Städte – besonders die rasant wachsenden in Asien – stehen im Mittelpunkt dieser Herausforderung, und Hong Kong könnte in mancher Hinsicht ein Laboratorium des Wandels sein. Wir denken, dass starke Nationen wie China und Deutschland dazu beitragen werden, den weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen zu senken. Und damit die anderenfalls ungeheuren Risiken des Klimawandels begrenzen. Um unseren Planeten für zukünftige Generationen zu bewahren und um auch etwas für die Menschen an den Rändern unserer modernen Gesellschaften zu tun, brauchen wir mehr als Wirtschaftswachstum – wir brauchen Nachhaltigkeit, einschließlich einer neuen Vision für den Städtebau.“

Schon heute lebt die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. Diese Ballungsräume tragen überproportional zum Klimawandel bei; rund 75 Prozent der CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen werden in den Städten verursacht. Zugleich sind Städte besonders anfällig für die Folgen des Klimawandels. Luftverschmutzung aus Kohlekraftwerken und Autos verursacht schon heute große Gesundheitsprobleme. Gebäude und Straßen nehmen mehr Hitze auf als Wälder oder Felder, daher können zunehmende Hitzewellen ein zusätzliches Gesundheitsrisiko für die Städter bedeuten. Extreme Regenfälle können die Kanalisierung überfordern und zu Überflutungen führen. Viele der Metropolen unserer Welt – etwa New York, Shanghai und Mumbai – sind den Auswirkungen des langfristigen Meeresspiegelanstiegs ausgesetzt, weil sie an der Küste liegen.

„Über die Grenzen der Kontinente hinweg arbeiten wir auf ein gemeinsames Ziel hin“, erklärt Ronnie C. Chan, Vorsitzender des Asia Society Hong Kong Center als einer der Gastgeber des Symposiums. „Wir fühlen uns geehrt, eine solch hochrangige Gruppe von Forschern, Denkern und Fachleuten zusammen zu bringen. Die Asia Society will bilden und anregen – damit bietet das Symposium eine unparteiische Plattform für eine Diskussion, die neue Ideen hervorbringt und verbreitet. Ergebnis wird ein Memorandum sein, das nicht nur ein Meilenstein für die Forschung zu Umwelt und Urbanisierung sein wird, sondern weltweit Aufmerksamkeit auch bei Entscheidern und Interessenvertreter finden wird.“

Die Nobelpreisträger des Symposiums sehen sich in der Verantwortung, klar Stellung zu beziehen

„Die Klimaforscher haben uns eine klare Diagnose und klare Empfehlungen für die nötige ‚Behandlung’ gegeben – nun ist es an allen, die auch nur die geringste Einflussmöglichkeit haben, jedermann und besonders die Mächtigen zu ermutigen, ‚vorbeugende Medizin’ für das Leben auf unserem Planeten zu praktizieren“, sagt Peter Doherty, der mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet wurde und an dem Symposium in Hong Kong teilnimmt. „Die Auswirkungen des Klimawandels treffen natürlich nicht nur die Gesundheit, aber es gibt direkte medizinische Effekte, etwa die zunehmende Belastung durch Hitzewellen. Vielleicht noch wichtiger sind die indirekten Effekte, etwa Hunger als Folge von extremen Wetter-Ereignissen, oder die Ausbreitung von bislang nur in den Tropen vorkommenden Krankheiten, die von Insekten übertragen werden, darunter Malaria und Chikungunya. Der Klimawandel ist ein Risiko-Multiplikator, die Forschung ist da eindeutig – daher ist es an der Zeit, Lösungen zu finden und umzusetzen.“

Während des Symposiums wird ein Team unter der Führung von Penny Sackett von der Australia National University kontinuierlich an dem angestrebten Memorandum arbeiten, um die Botschaft von Risiken und Chancen zu Bürgermeistern, Unternehmen und Politikern weltweit zu tragen . Es wird am Samstag, 25. April, fertig gestellt, und um 14.30 Uhr in Hong Kong den Nobelpreisträgern zur Unterzeichnung vorgelegt. Das Memorandum wird dann auch den Medien zur Verfügung gestellt und auf den Internetseiten des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und des Asia Society Hong Kong Center veröffentlicht.

Über die Organisatoren:

Die Asia Society wurde 1956 von John D. Rockefeller III in New York gegründet, sie ist eine gemeinnützige und keiner Regierung nahestehende Bildungsorganisation. Ihr Ziel ist, das gegenseitige Verständnis und ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen Völkern, Führungskräften, und Institutionen in Asien und den USA im globalen Kontext zu fördern. Auf den Gebieten der Künste, der Wirtschaft, der Kultur, der Bildung und der Politik bietet die Asia Society Erkenntnisse, entwickelt Ideen, und unterstützt die Zusammenarbeit beim Umgang mit den Herausforderungen unserer Zeit – für eine gemeinsame Zukunft.

Als eines der elf Zentren der Asia Society wurde das Asia Society Hong Kong Center 1990 gegründet, unter der Führung von Sir Q.W. Lee, dem Ehrenvorsitzenden der Hang Seng Bank. 2012 hat das Zentrum seinen ständigen Sitz im Hong Konger Viertel Admiralty eingerichtet. Dabei hat es historische ehemalige britische Militärgebäude restauriert und modern umgebaut, um der Öffentlichkeit einen hochklassigen Rahmen für ein breites Spektrum an Lesungen, Aufführungen, Filmschauen und Ausstellungen bieten zu können.

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), 1992 gegründet, ist eine der auf seinem Gebiet weltweit führenden Forschungseinrichtungen. Mehr als 300 Mitarbeitern sowohl aus den Natur- als auch den Sozialwissenschaften arbeiten hier zusammen, um über Fächergrenzen hinweg Erkenntnisse zu gewinnen, und um der Gesellschaft verlässliche Grundlagen für Entscheidungen bieten zu können. Wichtigste Methoden sind hierbei die Analyse von Systemen und Szenarien, Computersimulationen und Datenintegration. Die Forschungsergebnisse werden in begutachteten international renommierten Wissenschafts-Zeitschriften veröffentlicht. Die Grundfinanzierung des Instituts kommt von der deutschen Bundesregierung und vom Land Brandenburg. PIK-Direktor Hans Joachim Schellnhuber hat die Nobelpreisträger-Symposien ins Leben gerufen und von Potsdam nach London und Stockholm gebracht – und nun nach Hong Kong.

PM: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

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