Siemens verbindet Frankreich und Spanien mit derzeit weltweit leistungsstärksten HGÜ-Anlage

Konverterhalle einer Stromrichterstation der HGÜ-Verbindung zwischen Frankreich und Spanien.
Konverterhalle einer Stromrichterstation der HGÜ-Verbindung zwischen Frankreich und Spanien.
Konverterhalle einer Stromrichterstation der HGÜ-Verbindung zwischen Frankreich und Spanien. / Pressebild: Siemens

Siemens setzt Konverterstationen von HGÜ-Verbindung Frankreich-Spanien in Betrieb

  • Meilenstein auf dem Weg zum gemeinsamen Energiemarkt in Europa
  • Stromaustauschkapazität zwischen beiden Ländern verdoppelt
  • Derzeit weltweit leistungsstärkste HGÜ-Anlage auf Basis selbstgeführter Stromrichter

Mit ersten Tests startete Siemens die Inbetriebsetzung der Stromrichterstationen einer Anlage zur Hochspannungsgleichstromübertragung (HGÜ) zwischen Frankreich und Spanien. Die HGÜ-Verbindung wird Mitte 2015 ihren kommerziellen Betrieb aufnehmen und die Stromaustauschkapazität zwischen den beiden Ländern verdoppeln, die derzeit 1400 Megawatt (MW) beträgt. Zudem steigert die HGÜ-Verbindung die Versorgungssicherheit und sorgt dafür, dass sich weitere erneuerbare Energiequellen integrieren lassen, ohne die Netzstabilität zu gefährden.

“Das HGÜ-System als Stromverbindung zwischen Frankreich und Spanien hat Modellcharakter. Es ist ein zukunftsweisender Weg, wie die Engpässe in den europaweiten Übertragungsnetzen nach und nach beseitigt werden können. Mit unserer HGÜ-Anlage, der derzeit weltweit leistungsstärksten ihrer Art, haben wir einen maßgeblichen Beitrag dazu geleistet”, sagte Tim Dawidowsky, CEO der Business Unit Transmission Solutions in der Siemens-Division Energy Management.

Die Voraussetzung für einen gemeinsamen europäischen Energiemarkt sind gut ausgebaute länderübergreifende Verbindungen (Kuppelstellen), damit die 34 angebundenen europäischen Länder von möglichst effizienten Energiequellen profitieren können. Auch sorgt die HGÜ-Verbindung zwischen Frankreich und Spanien dafür, dass sich die Strompreisniveaus in den europäischen Ländern, die an die Märkte angeschlossen sind, besser angleichen lassen. Zudem ermöglicht die Stromverbindung die bessere Nutzung von erneuerbaren Energien von der iberischen Halbinsel.

Siemens errichtete die Stromrichterstationen für die HGÜ-Verbindung zwischen dem französischen Baixas, westlich von Perpignan, und Santa Llogaia in Spanien, südwestlich von Figueras. Die Anlage kann eine Leistung von 2000 Megawatt (MW) in beide Richtungen übertragen. Dabei ist die Umkehr der Energieflussrichtung innerhalb von 150 Millisekunden möglich. Zum Einsatz kommt die HGÜ-Technik HVDC Plus von Siemens mit einer Übertragungsgleichspannung von +/- 320 Kilovolt (kV). Die Entfernung zwischen den beiden Stromrichterstationen beträgt rund 65 Kilometer. In der Erde verlegte Gleichstromkabel, die auf einer Strecke von acht Kilometern durch einen Tunnel in den Pyrenäen führen, übertragen die elektrische Energie in jede Richtung. Den Auftrag zum Bau der HGÜ-Verbindung mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von rund 700 Millionen Euro erteilte Inelfe (Interconnexion Electrique France Espagne), eine Projektgesellschaft der Stromversorger Réseau de Transport d’Electricité (RTE), Paris, und Red Eléctrica de Espana (REE), Madrid.

Die HVDC-Plus-Technik basiert auf selbstgeführten Stromrichtern (VSC) in modularer Multilevel-Converter-Bauweise (MMC), die den Wechselstrom in Gleichstrom und Gleichstrom in Wechselstrom umwandeln. Im Gegensatz zur netzgeführten Stromrichtertechnik arbeitet das HVDC-Plus-System mit abschaltbaren Leistungstransistoren (IGBT), so dass die Kommutierungsvorgänge im Stromrichter unabhängig von der Netzspannung ablaufen. Die sehr schnellen regelungs- und schutztechnischen Eingriffsmöglichkeiten der Stromrichter bewirken eine hohe Stabilität des Übertragungssystems, was vor allem Netzfehler und Störungen im Drehstromnetz vermindert. Dies erhöht für Energieversorger und Stromkunden gleichermaßen die Versorgungssicherheit deutlich.

Beim HGÜ-Projekt Frankreich-Spanien ist es Siemens gelungen, die Leistungsfähigkeit dieser modernen Umrichtertechnik auf 1000 MW zu steigern. Darüber hinaus war die Umsetzung technischer Besonderheiten gefordert, die so nur von dieser modernen Umrichtertechnik bereitgestellt werden können. Dazu zählen die von der Energieübertragung unabhängige und stufenlose Blindleistungsregelung in der Netzen von RTE und REE sowie die schnelle Energierichtungsumkehr im Falle einer Netzstörung. Nicht zuletzt verleiht die Funktion Black-Start Capability dem HGÜ-System die Fähigkeit, das betroffene Energieversorgungsnetz schnellstmöglich wieder aufzubauen.

PM: Siemens

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